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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1924, 
etwa nach NNO. Um 4h 40m Nm. startet Witte zum Rückflug; folgenden Rat gebe 
ich ihm im Einverständnis mit der Flugleitung mit auf den Weg: „Holen Sie 
möglichst weit nach Osten aus; fliegen Sie dann am Ostrand der dänischen 
Inseln entlang; wenn Sie am Sund sehen, daß Seeland bereits im Bereiche der 
— oben erwähnten — Gewitterfront liegt, so lassen Sie die flugplanmäßige 
Zwischenlandung in Kopenhagen fallen und fliegen direkt nach Malmö.“ 
Nachtrag: Witte ist gut in Kopenhagen und Malmö angekommen; Noack, 
welcher ohne persönliche fachmännische Beratung zum Fluge hierher um 4b 5m Nm. 
in Kopenhagen startete, traf in Südseeland schlechteste Sicht- und Wetterver- 
hältnisse an, die ihn zur Rückkehr nach Kopenhagen zwangen, | 
8. Bisherige mittlere Flugdauern 1924 — von der Flugleitung des 
Aero-Lloyds, Hauptmann a. D. Krueger, zur Verfügung gestellt. 
Amsterdam Hamburg Kopenhagen Hamburg 
Hamburg Amsterdam Hamburg Kopenhagen 
April (ab 23.) 2st 53min 3st 13min 2st 12min 2st 22min 
Mai — 48 — 16 -— 34 — 23 
Juni — 5 — 15 — 24 — 07 
Juli . -- 45 — 27 — 24 — 05 
Mittel Ost 5].min 3st 1Swin Ost 26min Ost 12min 
Dr. Gerhard Castens, 
2, Amerigo Vespuccis erste Reise nach dem neuen Erdteil. 1. In 
dem Aufsatz „Die Entwicklung der wissenschaftlichen Nautik im Beginn des 
Zeitalters der Entdeckungen nach neueren Anschauungen“, Ann. d. Hydr. usw. 
1918, S. 105, 153,. 215 und 276, führt Prof. Dr. Herrmann Wagner den 
Beweis, daß es sich bei der sogenannten Längenbestimmung mit Hilfe von Mond- 
abständen durch Vespucci um eine unverbürgte Legende handelt. Hierbei 
erhebt er gegen den Astronomen Prof. Förster, der den Vorgang als tat- 
sächlich hingestellt hat, den Vorwurf, daß er „der Sache nicht näher getreten 
sei und auch die Originalquelle der Nachricht nicht eingesehen habe“. (S. 278/79.) 
Ferner weist Wagner darauf hin, daß nicht, wie Förster noch im Jahre 1916 
hervorgehoben hat, die Weltkarte des Peter Apianus vom Jahre 1520 die erste 
Karte sei, auf der sich der Name Amerika finde, sondern die. große Karte 
Waldseemüllers vom Jahre 1507, (S. 281/82.) | 
Viel schwerwiegender als diese beiden Versehen, die Wagner hier Förster 
vorwirft, halte ich aber den Irrtum, der Wagner in seiner Abhandlung selbst 
unterlaufen ist, und zwar auf Seite 279 in dem Satz: „Vielmehr erfuhr man 
überhaupt zuerst davon, als Maria Bandini den bewußten Brief, der wesentlich 
die zweite Westfahrt des Vespucei (von 1499 bis 1500) beschreibt, im Jahre 
1745 veröffentlichte.“ Die in den Jahren 1499 bis 1500 von Vespuceci nach dem 
neuen Erdteil ausgeführte Reise ist aber nach der Feststellung zweier Autoritäten 
auf diesem Gebiet nicht seine zweite, sondern seine erste Westfahrt gewesen. 
Ich berufe mich hierbei zunächst auf Washington Irving, von dem 
Markham in seiner Biographie des großen Entdeckers sagt: „The life of Columbus 
by Washington Irving is as remarcable for careful research, and for the 
soundness of its judgments, as for the charm of its style.“ Irving!) be- 
richtet nun, daß Vespuecci kurz nach seiner letzten Reise, am 4, September 1504, 
einen Brief von Lissabon schrieb, worin er eine Übersicht aller seiner Reisen 
gibt. Die in diesem Brief genannte Reise vom Jahre 1497 ist aber bestritten 
worden, und es wird fest versichert, daß keine solche Reise stattfand und die 
erste Reise des Vespucci nach der. Küste von Paria in der unter Ojeda im 
Jahre 1499 auslaufenden Expedition gewesen sei, Sein Bericht von jener Reise, 
die er im Jahre 1497 gemacht haben sollte, ist daher als eine Erdichtung an- 
gesehen worden, die den Zweck gehabt, die Entdeckung von Paria sich anzu- 
eignen usw. Nach einer eingehenden Untersuchung dieser Angelegenheit kommt 
Irving dann zu dem Ergebnis: „Der Verfasser hat sich bemüht, die Frage 
leidenschaftslos zu untersuchen. Nachdem er die auf beiden Seiten vorgebrachten 
1) Die Geschichte des Lebens und der Reisen Christoph Columbus’ von Washington 
Irving, Frankfurt a./M. 1829, Seite 84 bis 96 im 10. bis 12. Bändchen.
	        
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