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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Kleinere Mitteilungen, 
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und hat deren Individualität und augenblicklichen Nervenzustand zu berück- 
sichtigen, nicht der Meteorolog; letzterer muß bei seiner Beratung gewisser- 
maßen einen ideellen Normalflieger im Auge haben.“ 
So meine heutige Eintragung. Sie trägt den Stempel des „grünen Tisches“ deutlich erkennbar 
an der Stirn und wird von meinen Nachfolgern, Dr. Seilkopf und Haude, mit Recht bekämpft: 
den Normalflieger gibt es ebensowenig wie den Normalmeteorologen; Menschen sind 
3s, die von Menschen beraten werden; „objektive“ Wetterschilderung und Flugbera- 
bung sind unerfüllbare Forderungen: sogar die Art der Maschine muß im Einzelfalle 
berücksichtigt werden; nur subjektive Beratung ist möglich; nur individuelle Be- 
ratung erfüllt ihren Zweck! 
6. 17. Juli. Theorie und Praxis: wie gestaltet sich gegenüber den im 
vorigen Abschnitt gestreiften theoretischen Erörterungen die tatsächliche Be- 
ratung im Einzelfalle? — ; 
Der „Wetterzettel“, den ich heute früh der Flugleitung vorlege, sieht so aus: 
Wetterzustand 
Hamburg 
Ahrensburg 
Preetz 
Südlaaland 
Südseeland 
Kopenhagen 
Bewölkungs- 
grad (!/,o) 
Gesamt. Niedrige. 
0 
‚0 
3 
LO 
8 
9 
Höhe der 
niedrigen 
Wolken (m) 
300 
1000 
2000 
200 
1000 
600 
Wind (km/Std.) 
WNW ı. 
W 7 
SE 5 
E 7 
SE 7 
SE 7 
Sichtweite 
(km) 
f. 
2 
1 
Eine Gewitterfront mit Regen und schlechten Sichtverhältnissen?!), die 
gestern nachmittag über Ostfriesland sich erstreckte, heute nacht 12—2h Vm, 
Hamburg passierte, lag um 8% Vm, über Ostholstein; sie zieht sehr langsam 
nach NO. Eine zweite Front befindet sich nach meiner „Ein-mm-Isobaren- 
Karte?) um 8% Vm. auf der Linie Borkum—Gröningen—Maastrich, Die Beratung 
für den Führer der zum Flug nach Kopenhagen bereitstehenden Maschine er- 
scheint einfach: Mein „Normalflieger“ darf heute nicht fliegen — „ich rate ab 
vom Fluge!“ Es entwickelt sich folgende lehrreiche, hier in ihren Hauptpunkten 
wiedergegebene Aussprache mit dem Flugleiter, Hauptmann a. D. Krueger: 
Flugleiter: Wird das Flugzeug, wenn es startet, die Gewitterfront überholen? Berater: 
ja. — F.: Wo ungefähr? B.: Über der Ostsee. — F.: Findet es jenseits der Front, insbesondere über 
den dänischen Inseln, ausreichende Sicht vor? B: Ja. — F.: Wenn es also dem Führer „mit Kompaß 
und Geschicklichkeit“ glückt, die Gefahrzone zu durchqueren, so ist der Weiterflug und die Landung 
in Kopenhagen gefahrlos? B.: Ja, — F.: Wenn er sich dies zutraut und selbst den Wunsch hat zu 
starten, halten Sie dann gleichwohl an ihrem Abraten fest? B.: — — nein! 
Man sieht: „Menschen und Maschinen“ kommen bei der Beratung zu ihrem 
Recht; dafür sorgt die langjährige praktische Erfahrung dessen, der doch die 
Entscheidung hat. — 
Nachtrag: Noack ist nach gefahrvollem Fluge gut in Kopenhagen an- 
gekommen; zwischen Fehmarn und Laaland hat er den etwa 40 km breiten 
Gewitter- und Regenstreifen in 20—50 m Höhe über dem Wasser mit Hilfe des 
Kompasses durchflogen, Laaland am Ostrande der Insel erreicht und dann 
besseres Flugwetter angetroffen. 
7. 18, Juli. Schlechtwetter im ganzen Flugbereich: [5, ©, =, °5, 
mehrere Gewitterfronten, Die Morgenflüge werden verschoben. Um 10h Vm, 
setzt über Holstein, der Ostsee und den dänischen Inseln leichte Besserung des 
Wetters ein, ein Augenblick, der ausgenutzt wird, Der Malmöflieger Witte startet 
um 10h Vm. in Schweden und kommt gut hier an; Noack glückt ebenfalls sein 
Flug von Hamburg nach Kopenhagen. — Um 2h 45m Nm, passiert den Flughafen 
Hamburg ein starkes Frontgewitter. Achse anscheinend nordsüdlich, Zugrichtung 
) Vgl. H. Seilkopf a. a. O., S. 132, unten. 
2) In der „Fünf-mm-Jsobaren“-Karte der Wetterdienststellen 
Ausdruck kommen — ein Beitrag zur Darlegung des Wertes genauerer 
kann diese Front nicht zum 
Luftdruckkarten. —
	        
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