15 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1924.
— 0.6° reichenden herangezogen. Sie umfassen bis jetzt genau 13 Jahre, da sie
sich von 1910 Oktober 17 bis 1923 Oktober 16 erstrecken. Alle in Betracht
kommenden Beobachtungen sind in Münster angestellt, ;
Über die Blendung der Augen durch die Sonne sind leider nur wenig
Notizen vorhanden. Aus sieben Abendbeobachtungen, wo die Sonnenhöhe beim
Aufhören des Blendens vermerkt war, geht als mittlere Höhe 1.20° hervor, aus
fünf Morgenbeobachtungen 1.68°. Es sei hierbei bemerkt, daß die Beobachtungs-
zeiten auf Zehntelminuten angeschrieben wurden, woraus sich die wahren Sonnen-
höhen auf Zehntelgrade sicher berechnen ließen!), Die größte Höhe beim Auf-
hören der Blendung betrug 2.7°, die kleinste 0.0°, der Mittelwert 1.20° An fünf
Morgen ist der Beginn des Blendens notiert worden; kleinste Höhe dabei 0.5°,
größte 3.0°, Mittelwert 1.68°. Hiernach scheint morgens eine etwas größere Höhe
zum Blenden zu gehören als abends, was mit anderen nachher zu besprechenden
Zahlen in etwa stimmt. Natürlich kommen hier, wie bei dem ganzen Problem,
auch sinnesphysiologische und psychologische Fragen in Betracht, indem es nicht
gleichgültig ist, ob man beobachtet, wann man schon oder wann man noch ge-
blendet wird. Nur bei sechs Abendbeobachtungen ist die Färbung beim Auf-
hören des Blendens vermerkt worden; ihre Extreme sind 3.5 und 1 in der
nachher zu erörternden Skala; der Mittelwert ist 3.17, etwas unter dem reinen
Gelb. Die drei Morgenbeobachtungen, wo die Farbe beim Beginn des Blendens
angeschrieben wurde, entsprechen den Zahlen 2, 0, 2, Mittelwert 1.33.
Auf einem besonderen Blatt stehen die Doppelfärbungen. Bekanntlich
nimmt die Lichtstärke des Tagesgestirns von der Mitte der Scheibe zum Rande
hin ab, und zwar um so mehr, je brechbarer die Strahlen sind. Die Ursache
ist die Absorption in der Sonnenatmosphäre, die bewirkt, daß der Rand im
ganzen schwächer und außerdem röter. erscheint. Nun macht eine starke Licht-
quelle auf das Auge einen zu weißen Eindruck; so erscheint die bengalische
Strontiumflamme fast weiß, eine von ihr bestrahlte weiße Mauer jedoch rot.
Hierdurch möchte ich die in meinen Beobachtungsbüchern häufig auftretende
Bemerkung „Sonne rot mit weißem Kern“ oder „weiß mit rotem Rande“, gelegentlich
auch „rot mit gelbem“ und „gelbbraun mit weißem Kern“ erklären. Die Rot-
färbung des an sich schon röteren Sonnenrandes durch die irdische Lufthülle
läßt sich bei seiner Lichtschwäche besser erkennen als die der Mitte. Es sind
50 Abend- und 46 Morgenbeobachtungen dieser Art vorhanden, die sich der Zahl
nach auf die Sonnenhöhen wie folgt verteilen;
N, ist die Anzahl der ersteren, %„, die der
letzteren.
Außer dem leicht erklärlichen Maximum
in geringer Höhe, das aber am Morgen wieder
merklich höher als am Abend liegt, ist ein
zweites abends etwa bei 0.8°, morgens bei 1.0°
angedeutet.
Aus dem übrigen Beobachtungsschatze
wurden noch die hier und da vorkommenden
Notizen „matt weiß, matt gelb, matt rot“ aus-
zeschieden, da sie einen abnormen Luftzustand
verrieten. Es handelte sich nun darum, den
Rest in einer Skala auszudrücken, wofür als
Muster zunächst die Sternfarben-Skalen von Julius Schmidt, Hl. Osthoff und
J. @. Hagen dienen konnten, aus Gründen, die sich von selbst verstehen. Immer-
hin war die Zahl der verschiedenen Notizen so groß, daß keine dieser Skalen
unbesehen benutzt werden durfte. Nach Zahlen ist die Farbe nur selten auf-
gezeichnet worden, etwa durch das Symbol 4 (gelb + rot). Nach längerer Durch-
forschung des Materials wurde folgende Skala benutzt:
1) Vgl. Seite 302—305 des Werkes: Busch und Jensen, Tatsachen und Theorien der
atmosphärischen Polarisation. Jahrbuch der wissenschaftlichen Staatsanstalten zu Hamburg
XXVIII (1910). Auch gesondert erschienen,