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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

230 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1924, 
Jangten einen rasch arbeitenden Sturmwarnungs- und Wetternachrichtendienst, 
Dieser Forderung konnte die Deutsche Seewarte nur durch Dezentralisierung 
ihres Wetterdienstes gerecht werden, und so richtete sie im Jahre 1920 eine 
Wetterwarte in Königsberg i. Pr. ein, die selbständig Vorhersagen und Warnungen 
für die ostpreußische Küste zu geben hat. Die Warnungen besonders gehen 
meist an die äußersten Ausläufer des Posttelegraphennetzes in kleinen Küsten- 
orten mit beschränkter Postdienstzeit, deshalb brauchten sie früher von Hamburg 
aus bis an den ostpreußischen Bestimmungsort so lange Zeit, daß nach einer 
Statistik von Großmann z. B. in den Jahren 1896—1905 etwa 30%, der 
Warnungen zu spät eintrafen, während jetzt, nachdem die Warnungstelegramme 
von der Wetterwarte sofort telephonisch an das Telegraphenamt in Königsberg 
gegeben und von da ohne Verzögerung weitergeleitet werden, die mittlere Lauf- 
zeit ungefähr zwei Stunden beträgt. 
Die Wetterwarte besitzt eine eigene Funkenempfangsanlage, mittels der sie 
die Wetterfunksprüche fast sämtlicher europäischen Länder aufzunehmen vermag, 
so daß sie in der Lage ist, auf Grund dieser Meldungen unverzüglich Wetter- 
karten zu entwerfen, die als Unterlagen für Vorhersagen, Sturmwarnungen und 
Auskünfte dienen. Es werden täglich vier solcher Wetterkarten entworfen, 
welche die europäische Wetterlage von 2 Uhr und 8 Uhr morgens, von 2 Uhr 
und 7 Uhr nachmittags darstellen und meist noch Meldungen vom Atlantischen 
Ozean (funkentelegraphische Schiffsmeldungen), sowie teilweise auch Meldungen 
vom nordamerikanischen Kontinent enthalten, Die Funkstellen der östlichen 
Ostseerandstaaten haben zum Teil so geringe Reichweiten, daß sie von der 
Zentralstelle in Hamburg nicht gehört werden können, die Wetierwarte fängt 
diese Sprüche auf und übermittelt sie an die Deutsche Seewarte zur Weiter- 
verbreitung. Das ist besonders wichtig für die winterlichen Eismeldungen aus 
der nördlichen Ostsee, die nur auf diese Weise zur raschesten Kenntnis der 
deutschen Schiffahrtskreise gelangen können, 
Stets mit dem neuesten Nachrichtenmaterial ausgestattet, stellt die Wetter- 
warte ein den Interessen weitester Wirtschaftskreise verfügbares Institut dar, das 
nicht nur Sturmwarnungen erläßt und Wettermeldungen mit Voraussagen des 
kommenden Wetters an die Hafenplätze gibt, sondern auch in ständiger Be- 
reitschaft ist, Einzelfragen meteorologischer Art zu beantworten. Die Wetter- 
warte ist von früh bis abends ständig mit mindestens einem Meteorologen besetzt 
und telephonisch (Königsberg 3892) erreichbar, so daß bei ihr stets die letzten 
Witterungs- und Eisnachrichten eingeholt werden können, und z. B. die Ost- 
preußischen Reedereien in der Lage sind, sich über Wind und Wetter auf den 
von ihren Schiffen gerade befahrenen oder zu befahrenden Teilen der europäischen 
Meere immer auf dem Laufenden zu halten. 
Mit der Wetterwarte wurde die schon seit 1905 in Königsberg bestehende 
Dienststelle des Norddeutschen Wetterdienstes verschmolzen, deren Aufgabe die 
Versorgung des Binnenlandes mit Wetterkarten und Vorhersagen ist. Die Zu- 
sammenfassung geschah einerseits, um die gesamte ostpreußische Wetternachrichten- 
versorgung einheitlich zu gestalten, anderseits der wirtschaftlichen und personellen 
Ersparnisse halber, die sich durch sie erzielen ließen. 
Die Einrichtung eines Flughafens bei Königsberg im Jahre 1922, die der 
Wetterwarte eine neue, sich immer umfangreicher gestaltende Aufgabe brachte, 
fügte es, daß die bis dahin im Stadtinnern untergebrachte Wetterwarte ein neues 
Heim in dem Verwaltungsgebäude des Flugplatzes Devau, an der östlichen Stadt- 
grenze, bezog, wodurch die wichtige persönliche Berührung zwischen Meteorologen 
und Fliegern aufs beste gewährleistet ist. 
So erstehen der Wetterwarte vielfältige Aufgaben!), die sich folgender- 
maßen gliedern: 
1) Über die wirtschaftliche Bedeutung dieser Aufgaben siehe G, Castens, „Der Wetterdienst 
der Deutschen Seewarte im Wirtschaftsleben und in der Rechtspflege“, Diese Ztschr. Heft VI, S. 125 
bis 131. Dieser und der unter ?) angezogene Artikel sind nebst zwei anderen „Der Nachrichtendienst 
im Rahmen des Wetterdienstes der Deutschen Seewarte“ von R. Benkendorff und „Die Luftverkehrs- 
beratung durch den Wetterdienst der Deutschen Seewarte“ von H, Seilkopf in einem Sonderheft 
„Der Wetterdienst der Deutschen Seewarte‘“, herausgegeben von der Deutschen Seewarte, Hamburg, 
erschienen,
	        
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