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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Altberg, W.: Die physikal, Bedingungen der Eisbildung auf dem (Grunde von Flüssen u. Seen, 9229 
weniger dichten Schichten unter den dichteren zu liegen kommen. Das Bild 
dieser Temperaturverteilung im Profil ist im Laufe der Zeit beständigem Wechsel 
ausgesetzt, sogar in dem Falle, daß die allgemeine oder mittlere Temperatur des 
Wassers unverändert bleibt. Alle diese Eigentümlichkeiten sind leicht zu erklären, 
wenn man den turbulenten Zustand des Flusses in Betracht zieht. 
Je näher die allgemeine Temperatur des Flusses an 0° kommt, um so mehr 
vermindern sich allmählich die Abweichungen, die Temperatur wird dann. in 
Hundertstel eines Grades gemessen, doch erreicht man auch bei 0° nicht ihre 
volle. Ausgleichung!). So wurde durch unmittelbare Messungen der Temperatur 
festgestellt, daß einige kalte Wasserschichten sich unter wärmeren liegend 
erweisen können, daß nach Abkühlung des Flusses bis 0° das Wasser zuweilen 
Jeicht überkühlt war (um Hundertstel eines Grades, in sehr seltenen Fällen sogar 
um 0.1°). Diese Art Überkühlung konnte nicht nur an der Oberfläche konstatiert 
werden, sondern auch in den Zwischenschichten, ebenso in der Grundschicht, 
wobei in den letzteren die Abkühlung sogar größer sein kann als in den beiden 
anderen Schichten. N 
Die Tatsache der Überkühlung. des Wassers im Flusse und in Seen wurde 
schon früher von vielen russischen Beobachtern bemerkt (von E. Stelling, 
IL von Spindler, W. A, Wlassow, L. A. Jaczewski, M. F. Zionglinsky, 
E. W. Blisnjak u. a.), in Deutschland von H. Meier und J. Bubendey. In betreff 
der Größe des Effekts und des Charakters der Verteilung der Temperatur nach 
der Tiefe steht das Resultat der Messung von H. Barnes?) ganz abgesondert von 
allen oben erwähnten Beobachtungen, aus Gründen, die an anderer Stelle von 
mir ausgeführt sind. . 
In den Perioden, in welchen das Wasser im Flusse überkühlt war, konnte 
man die Bildung von kleinen Eisplättcehen innerhalb des Wassers beobachten, 
desgleichen auf der Oberfläche von Gegenständen, welche sich unter Wasser und 
auf Erhöhungen am Grunde befanden. Dabei wurde der unterkühlte Zustand 
des Wassers nicht aufgehoben, sondern konnte im Verlauf von mehreren Stunden 
sich erhalten, ungeachtet des Vorhandenseins von Eis und der beständigen 
Absonderung neuer Portionen desselben. Dieser Umstand wurde zweifellos durch 
jahrelange, vielfältige Beobachtungen bestätigt. 
Auf diese Weise erwiesen sich die Beobachtungen im Freien als voll- 
kommen übereinstimmend mit den Resultaten der Versuche im Laboratorium, 
wie bezüglich der Tatsache der Wasserüberkühlung selbst, seiner Größenordnung 
und der Möglichkeit, diesen Zustand sogar bei Vorhandensein einer festen Phase 
und bei fortgesetzter Bildung neuer Portionen Eis zu erhalten. (Schluß folgt.) 
Die Wetterwarte Königsberg 1. Pr. 
Von Reg.-Rat Dr. A. Mey, Leiter der Wetterwarte Königsberg i. Pr. 
Vor dem Kriege wurde der Wetterdienst für die gesamten deutschen Küsten- 
gebiete von der Abteilung III der Deutschen Seewarte in Hamburg ausgeübt. 
Die Abtrennung der. Provinz Ostpreußen vom Reiche durch: den polnischen 
Korridor erhöhte die durch die weite Entfernung von der Zentralstelle ohnehin 
schon bestehenden Schwierigkeiten der raschen Übermittlung von Wetternach- 
richten und besonders von Sturmwarnungen nach den Östlichsten Teilen der 
deutschen Küste so bedeutend, daß die langen Laufzeiten der Telegramme den 
Wert der Warnungen zum großen Teil hinfällig machten. Aber die wirtschaft- 
liche Gesamtlage, welche die Ausnützung des vorhandenen, z. T. minderwertigen 
Schiffsmaterials bis zum äußersten forderte und Materialverluste schwer tragen 
konnte, sowie die Entwicklung eines ausgedehnten See-Schleppverkehrs ver- 
1) Die von Barnes festgestellte, beinahe vollständige Homogenität der Temperaturverteilung im 
St. Lorenz-Flusse. (an Stromschnellen) wird durch vollständige Vermischung aller Wasserschichten erklärt. 
2) H. Barnes, Anchor-Ice Formation usw. New York 1906. 
Ann, d. Hydr. usw. 1924, Heft X
	        
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