298
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1924,
Bewegung nach oben) konnte stundenlang verfolgt werden. Wenn sich Elemente
berühren, verbinden sie sich infolge von Regelation und bilden, bei größerer An-
sammlung, lockeres Eis,
Das Faktum der tatsächlichen Fortführung der Kristallisationswärme durch
die Strömung wurde durch speziell ausgeführte Versuche festgestellt. Zu dem
Zwecke wurde in einem
Rayon des Wasserlaufes
ein System von Netzen an-
gebracht, an welchen sich
in der entsprechenden Pe-
riode Grundeis bildete, Ge-
naue Messungen zeigten,
daß dasüberkühlte Wasser,
nachdem es die Stellen,
wo sich Eis bildet, passiert
hatte,sichalsetwas wärmer
erwies, was auf eine tat-
sächliche Fortführung der
latenten Wärme hinweist,
welche im _entgegenge-
setzten Falle die Kristalli-
sation aufhalten würde,
Diese Tatsache ist besonders wichtig, da sie von großer Bedeutung ist und bis
jetzt von anderen Forschern nicht genügend berücksichtigt wurde.
Nachdem im Laboratorium die Bedingungen des Übergangs von Wasser
in Eis festgestellt waren, war eine analoge Untersuchung unter natürlichen Be-
dingungen unerläßlich. Zum Zweck dieser Untersuchung organisierte ich im
Auftrage des Physikalischen Zentral-Observatoriums, später zugleich im Auftrage
des Hydrologischen Instituts, zum erstenmal mit ausreichender Genauigkeit und
Gründlichkeit die Temperaturmessungen und Beobachtungen der Bildung von
Grundeis in der Newa während der Jahre 1916 bis 1917 und 1920 bis 1921. Zu
unserer Verfügung standen außer den gewöhnlichen meteorologischen Apparaten,
Registrierinstrumenten noch folgende Instrumente:
1. Ein aus London verschriebener elektrischer Thermograph von Callen-
dar (Genauigkeit der Messungen 0.02° C.).
2, Ein Satz von Quecksilberthermometern von: höchster Empfindlichkeit
(Genauigkeit der Messungen 0.002° C.). ;
3. Ein speziell konstruierter Apparat für genaue Messungen der Temperatur
des Wassers, tags oder nachts, unmittelbar im Flusse (Genauigkeit der Messungen
0.002° C.).
Außerdem standen uns noch ein Dampfer, Barken und einige Taucher zur
Verfügung.
Die systematischen Messungen der Temperatur wurden an verschiedenen
Punkten des Flußprofils unternommen. In den interessantesten Perioden wurden
die Beobachtungen im Verlaufe von 24 Stunden stündlich ausgeführt. Der
Empfänger des Thermographen wurde 12 m tief in den Fluß versenkt, so daß
der Apparat ununterbrochen die Temperatur des Wassers am Grunde registrierte,
Von dem auf diese Art gesammelten reichhaltigen Beobachtungsmaterial
ausgehend, konnte man ‚folgende Schlüsse in betreff der Temperaturbedingungen
des Flusses ziehen. Die Temperatur des Wassers in verschiedenen Tiefen kann
nur in groben Zügen als gleichmäßig angesehen werden, Die mikrothermische
Struktur. des Flußprofils stellt dagegen ein recht buntes Bild dar, Infolge der
nicht genügenden Vermischung aller Wasserschichten beobachtet man gewöhnlich
an verschiedenen Punkten des Profils leichte Abweichungen der Temperatur nach
dieser oder jener Seite von ihrem mittleren Wert, welche zuweilen 0.4° C.
erreichen. Diese Abweichungen (positiv und negativ) sind im Profil auf eine
ganz willkürliche Art verteilt, ohne jede Gesetzmäßigkeit, nicht selten sogar im
Widerspruch mit der statisch beständigen Verteilung der Dichtigkeit, so daß die