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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

214 Annalen der Hydrographie und Märitimen Meteorologie, September 1924. 
öffentlichung übergeben. Für den internationalen Verkehr und für Schiffe auf 
See werden von den nachgenannten drei Funkstellen funkentelegraphische KEis- 
meldungen verbreitet zu den im „Funkwetter“ angegebenen Zeiten, Die Funk- 
stelle Königswusterhausen erhält täglich einen kombinierten Eisbericht von 
3 Gruppen zu je 6 Ziffern, welche die Eisverhältnisse von 5 Häfen der Ostsee 
und 4 Häfen der Nordsee enthalten. Den Funkstellen Norddeich und Swine- 
münde werden Eismeldungen von je 7 Gruppen zu je 6 Ziffern täglich zugeleitet, 
so daß Norddeich die Eismeldungen von 18 Nordsee- und 3 Ostseehäfen, Swine- 
münde diejenigen von 21 Ostseehäfen durch Funkspruch verbreitet. Außerdem 
können Schiffe auf Anfrage an 5 Stellen der Nord- und an 6 Stellen der Ostsee 
Auskunft erhalten über die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten. Außer den 
amtlichen telegraphischen Eisberichten veröffentlicht die Deutsche Seewarte täg- 
lich, mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, einen amtlichen schriftlichen Eis- 
bericht, der auch die Eismeldungen der außerdeutschen Küsten der Ostsee, des 
Skagerraks und des Kattegats enthält. Er erscheint als Anlage zu den täglichen 
Wetterberichten der Seewarte und wird an die Nebenstellen der Seewarte sowie 
an alle Hafen- und Lotsenbehörden der wichtigsten Häfen und an Stellen, welche 
der Schiffahrt nahe stehen, durch die Post versandt. Der Schiffahrt ist somit 
weitgehende Gelegenheit gegeben, sich über die Eis- und Schiffahrtsverhältnisse 
zu informieren. 
Aus dem bei der Deutschen Seewarte eingegangenen Material wird in den 
nachstehenden Tabellen und Ausführungen ein Überblick gegeben über die ge- 
samten Eis- und Schiffahrtsverhätnisse an den deutschen Küsten, die es ermög- 
lichen, alle die Schiffahrt angehenden Einzelheiten schnell zu übersehen. | 
{m vergangenen lang anhaltenden Winter erlitt die Schiffahrt und damit auch 
der deutsche Handel mit den Ostseestaaten schwere Störung. Das Jahr 1923/24 
gehört mit zu denjenigen Ausnahmejahren, welche den Schiffen in der freien See 
schwere Gefahren, selbst Untergang von Schiffen brachten. Nur die freien Ge- 
wässer der Nordsee machten hiervon eine Ausnahme. Immerhin haben die Ge- 
samtverhältnisse ergeben, daß der Eisnachrichtendienst auch für Eismeldungen 
von See ausgebaut werden, muß. 
Über den Gang der Temperaturverhältnisse während des vergangenen 
Winters gibt Tabelle I von je zwei Stationen der Nord- und Ostsee eine bequeme 
Übersicht. 
Tabelle I. Die Temperaturverhältnisse des Winters 1923/24. 
” Wilhelmshaven ! Memel 
ı Abweich Abweich. 
Mittel | vom 15). ı vom 153. 
Mittel Mittel 
449 | +1,59 
—16 | —05 
—76 — 44 
—5.7 —3.3 
— 131 DB — 0.9 
November 1923 ; 3.20 1.6 
Dezember 1923 . . —1.0 —- 20 
Januar 1924, . —15 — 16 
Februar 1924 . , | 1.0 | —22 
März 1924 1.6 -14 
3,59 06° 400! , 
—1.4 —24 1—07 | —109 
Sa 
—1.6 —24 |_42 ' —34 
34  —04 |-—-03 | —12 
= Oo 
In allen Monaten blieben also die Temperaturen um ein Beträchtliches 
unter dem vieljährigen Monatsmittel, nur Rügenwaldermünde und Memel zeigten 
im Monat November Temperaturen, die über dem Mittelwert lagen. 
Die Eisverhältnisse an der Nordseeküste. 
Wenn auch im strengen und lang anhaltenden Winter 1921/22 die Frost- 
und Eisperiode früher einsetzte als im vergangenen Winter, so waren doch die 
Eisschwierigkeiten 1921/22 in den Häfen des Nordseegebiets im allgemeinen 
nicht größer als in diesem Jahre. Auffallend war im vergangenen Winter die 
lange Dauer der Eisschwierigkeiten auf der Ems. Schon in der letzten Dekade 
des Monats Dezember 1923 gab es Tage, an denen an allen Beobachtungs- 
stationen der Nordseeküste die Schiffahrt für Segler erschwert und an 15 Stationen 
für Segler. geschlossen war.
	        
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