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- Annalen der Hydrographie- und -Maritimen Meteorologie, Januar 1924.
; Dez, [Januar Febr, | März | April | Mai. | Juni | Juli | Aug. | Sept. | Okt. | Nor.
+3.94 | +1,74 | — 5.26 | — 3.42 | — 4,98 | — 3.74 | — 2,94 [ + 1.94 | + 2.46 | 47.50 | + 0.30 | +2.46
Aus dem jährlichen Gang dieses Unterschiedes ersieht man, daß die
Zahlen vom Februar bis Juni stark negativ sind, d. h. daß in diesen Monaten
die Häufigkeitszahlen der Minima entweder in höheren Breiten kleiner sind
oder, was wahrscheinlicher ist, in niederen zugenommen haben. In den übrigen
Monaten, besonders im September, überwiegen die Breiten von 75°— 55°
bedeutend. .
Auf Grund dieser Normalzahlen werden in einer folgenden Untersuchung
die Schwankungen .der Zirkulation über den Nordatlantischen Ozean, die in
dieser Arbeit durch die Häufigkeitszahlen der Zyklonen festzulegen versucht
worden ist, von Jahr zu Jahr näher verfolgt werden,
Zur Frage nach der Entstehung der Seebären.
Von Otto Meißner, Potsdam.
Unter „Seebär“l) versteht man an den Küsten der Ost- und Nordsee eine
plötzliche, starke, meist nach sehr kurzer Zeit wieder zurückgehende und ge-
legentlich sich einige Male wiederholende Erhöhung des Wasserspiegels, Die Er-
scheinung ist, wenigstens in ihrer typischen Ausbildung, recht selten. B. Doss?)
hat gelegentlich des Auftretens eines baltischen Seebären die Ansichten ver-
schiedener Forscher über die Ursache dieser Erscheinung zusammengestellt; auf
seine Arbeit sei hier verwiesen. Manche denken, ähnlich wie bei den „Rollern“
an der Küste von St, Helena, an seismische, andere an meteorologische Ursachen,
An „Seiches“3) wird man des plötzlichen Auftretens und der häufigen Aperio-
dizität wegen zunächst weniger denken, daß aber meteorologische Faktoren für
das Zustandekommen eines Seebären tatsächlich in Frage kommen, glaube ich
im Folgenden nachweisen zu können: ;
Fig. 1 Am 26, Juli 1921 abends stieg in .Stolpmünde nach den
Aufzeichnungen des selbstregistrierenden Pegelapparates das
KIOPaEn Wasser von 10!/, bis 10%, Uhr (M.E.Z.) um 460 mm, um dann
bis 11 Uhr wieder um 530 mm zu fallen, die typischste Seebär-
arscheinung, die seit langem vorgekommen ist. Die Wetterlage
war folgende:
Ein Tief von rund 750 mm lagerte über dem europäischen
Nordmeer. Über Mittel- und Osteuropa war gleichmäßig hoher
Druck von 762 bis 765 mm. Aber schon um 2 Uhr war ein merk-
würdiges Tiefdruckgebilde erkennbar, sehr schmal, :ei- oder
nierenförmig, die große Achse nordsüdlich, von Hamburg bis
Frankfurt a. M. reichend. Diese Depressiansrinne von knapp
760 m Druck bewegte sich, in fast ganz Deutschland Hitze bis
zu 36° und zahlreiche Gewitter erzeugend, westöstlich. Ihre
Nordspitze lag um 7 Uhr abends in Mecklenburg, nicht weit
von der Küste. Am nächsten Morgen hatte sie sich mit einem
bis Ungarn reichenden Ausläufer der jetzt über Skandinavien
befindlichen Nordmeerdepression vereinigt. Trotz der geringen
Zahl beobachtender Stationen kann man auf der Wetterkarte
von 7 Uhr abends deutlich erkennen, wie die Rinne eine scharfe
Grenze zwischen östlichen und nordwestlichen Winden bildet.
Ich halte es für sicher, daß die V-förmige Spitze dieser Rinne,
die in der Tat bei gleichbleibender Fortpflanzungsgeschwindigkeit gegen 101/, Uhr
Stolpmünde erreicht haben muß, bei ihrem Vorübergang den Seebären erzeugt hat.
"\ bhär = bare, Welle, verwandt mit Bahre, gebären, fero, p£9w, indogerm. Wurzel. * bher.
‚ Beiträge zur Geophysik, 8, 367—399.
»» O0. Meißner, Seiches der Ostsee, Phys. Zeitschr., 23, 121—123,