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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

210 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1924. 
und Schneeböen. daran verhindert gewesen waren, In diesen drei Tagen war 
die durchschnittliche Trift 27 Meilen pro Etmal gegen SW. Die Triftgeschwindigkeit 
war auch in den folgenden Tagen ungefähr 20 Meilen pro Etmal, aber mehr 
südlich, den letzten Tag südöstlich. Der Abstand von der Küste war bei dem 
Ausgang aus dem Eise etwa 77 Meilen, mitten zwischen Grönland und Island, 
Mit Ausnahme der letzten acht Tage haben wir immer über dem Schelf 
gelegen, und in Übereinstimmung mit früheren Erfahrungen kann man nochmals 
bestätigen, daß die Trift hier langsam ist, nahe an der Küste etwa’ vier Meilen 
pro Etmal, und zwar sehr unregelmäßig in Geschwindigkeit und Richtung. Der 
Wind hat hier sehr große Bedeutung für die unperiodischen Änderungen der 
Trift und für das Eisschrauben. So z. B. ist die größere Geschwindigkeit und 
die SW-liche Richtung in der Sektion II großenteils einem starken NO-Wind, der 
damals das Eis zusammenpreßte, zuzuschreiben. Ebenso ist es bei den letzten 
Tagen der Sektion IV. Die Trift damals kann, wenn man den Windeinfluß zu 
aleminieren versucht, zu 12 bis 14 Meilen pro Etmal geschätzt werden. Wir be- 
fanden uns hier wahrscheinlich über dem Schelfrand gegen die Tiefsee oder ein 
wenig außerhalb. Weiter gegen SW, in der Dänemarkstraße, rechnet man ja oft 
sogar mit 24 Meilen oder mehr pro Etmal als gewöhnliche Trift. 
Von älteren Triften in diesem Gebiet des Eismeeres seien erwähnt: 
Im Jahre 1769 wurden sieben Schiffe aus Hamburg und England in der Nähe 
der Schannon-Insel im Eise fest und trieben südwärts. Nur einige Mann der 
Besatzung kamen nach Europa zurück, Im Jahre 1777 kamen etwa 50 Walfisech- 
fahrer in der Ga@l-Hamkes-Bucht (74° N) fest und zerbrachen. Nur einige der 
Mannschaften konnten sich retten. Als das letzte Schiff zerquetscht worden war, 
wurde eine KEisscholle ihre Zufluchtsstätte. Unter großen Leiden trieben sie 
südwärts längs der Küste bis zum Kap Farewell (60° N) und dann nördlich der 
Westküste entlang bis Holstenborg auf 67° N. Die Trift nahm fünf Monate in 
Anspruch, In demselben Sommer kam auch das englische Schiff „Guillaumine“ 
im ostgrönländischen Eise fest und wurde im September von einem Eisberg ge- 
knickt. Die Mannschaften kamen im März 1778 nach Frederikshäb (62° N, auf 
Jer Westseite). Die meist bekannte Trift ist jedoch die der „Hansa“. Die „Hansa“ 
war das eine der zwei Schiffe der zweiten deutschen Nordpolarexpedition 1869/70. 
Dem einen Schiff, der „Germania“, gelang es ans Land zu kommen. Die „Hansa“ 
aber kam im Eise fest, am 5. September 1869 wurde sie vom Eise ganz ein- 
yeschlossen und blieb es bis zu ihrem Untergang am 21.—22. Oktober, nahe dem 
Nordende der Liverpool-Küste. Am 7. Mai 1870 kam die Besatzung auf 61° 12’ N 
in offene See hinaus und begab sich dann in ihren Booten nach Friedrichstal, 
wo sie am 13. Juni ankam. Die mittlere Geschwindigkeit der Trift der „Hansa‘ 
war in den 243 Tagen nur 4.6 Seemeilen pro Etmal. Die Trift ging im allgemeinen 
ziemlich nahe der Küste entlang. 
Von doppelt bis dreifach schnelleren. Triften wird auch von anderen er- 
zählt. So z. B. hatte die „Laura“ im Spätsommer 1907 während ihrer drei Wochen 
langen Trift von der Clavering-Insel bis zur Höhe des Scoresby-Sundes eine 
tägliche Geschwindigkeit von 10—25 Meilen. Im allgemeinen lag dieses Schiff 
jedoch weiter vom Land ab. Beim Nordende der Liverpool-Küste war es jedoch 
sehr nahe am Land und hier stand es einige Tage ganz still. Auch die „Laura“ 
war hier wie die „Hansa“ und die „Conrad Holmboe“ äußerst kräftigen Eis- 
pressungen und Eisschraubungen ausgesetzt. 
Kompensation der Funkbeschickungen am Bord-Funkpeiler. 
(Hierzu Tafel 18, Nr, 3.) 
Der Bord-Funkpeiler dient zur Bestimmung der Großkreis-Seitenpeilung p 
eines Senders, vom Schiff aus gemessen. Bestimmt wird hierzu der Steuerbord- 
winkel q, in dem die Normale auf der Peilrahmenebene beim Minimum der 
Rahmenerregung steht (bzw. die Achse der Anzeigespule im Bellini-Tosi-Gerät 
oder ähnliches). Da das Schiff selbst bei Ankunft einer Funkwelle auf den Peil-
	        
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