206 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1924.
Stillen Ozean fest, Kidson im Atlantischen Ozean die Beziehungen zu den
meteorologischen Elementen. Die hohen Werte des Indischen Ozeans auf der
II. „Carnegie“-Fahrt deutete Hewlett als Landeinfluß. Überhaupt glaubt er aus
den Gesamtmessungen dieser Fahrt einen solchen Einfluß herauslesen zu können,
ähnlich wie Nippoldt!) aus den Dikeschen Beobachtungen. Hewlett erhält
bei 126 Messungen mit Landwinden ein A-Mittel von 3.14 X 10—-* E.S.E,, bei
206 Seewinden 2.93. Viel Beweiskraft haben diese Zahlen wohl nicht. Wenn,
wie nicht zu bezweifeln ist, insgesamt zwischen Land- und Meereswerten auf der
Erde kein Unterschied besteht, dann hat es nicht mehr viel Sinn, nach einem
verstärkenden Landeinfluß zu suchen. Ein wesentlicher Unterschied der Ozean-
gegen die Landwerte liegt wie beim Potentialgefälle wieder in der großen Gleich-
mäßigkeit der Werte. Die Ursache der wechselnden Landwerte wird in dem
stärkeren Sonneneinfluß und dem schwankenden Dunstgehalt über dem Festlande
zu suchen sein. Das kleinste Leitvermögen tritt auch über dem Ozean bei Nebel
ein. Burbank maß einmal bei dichtem Nebel 0.15, der kleinste „Carnegie“ Wert
ist 0.3, während z.B. in Potsdam die Nebelwerte auf 0.03 heruntergehen können.
Bauer und Swann?) errechnen aus allen Beobachtungen bis 1916 einen Ozean-
mittelwert von i = 2.63 gegenüber dem Landmittel 2.53, und ein mittleres q über
Meer von 1.22 gegenüber 1.06 über Land. Das q, das Verhältnis des positiven
zum negativen Leitvermögen, scheint also über den Meeren merklich größer zu
sein als über dem Lande. Ob die Ursache hiervon in der Lenardwirkung des
Meereswassers zu suchen ist, müssen weitere, genauere Messungen zeigen. Da
V’ und 2 über den Ozeanen wenig vom Festland abweichen, muß auch der
vertikale Leitungsstrom, der bei ruhigem Wetter ja durch das Produkt beider
gegeben ist, über den Meeren dieselbe Größe wie über Land haben. ;
Über die jährliche Schwankung von 4 liegt wenig Material vor, Sie
ist über den großen Wasserflächen offenbar gering. Auf der III „Carnegie“
Fahrt entsprach dem Anwachsen des V’ vom Juni zum Oktober keine Abnahme,
sondern eher eine Zunahme von Ä/, so daß also hier der Vertikalstrom erheblich
vom Sommer zum Herbst anwuchs. Die tägliche Schwankung, die über dem
Festland meistens eine ausgeprägte Doppel- und manchmal sogar dreifache Periode
hat, ist ebenfalls über den Meeren gering. Mauchly®3) erhielt im Mittel aus 20
je 24-stündigen Messungen nur einen schwachen Gang mit 10°, Abweichung
vom Tagesmittel, der nach Ortszeit die höchsten Werte mittags, die kleinsten
nachts aufwies.
3. Die Anzahl. der leichtbeweglichen Träger (Ionen) über den Meeren. Diese
Messungen wurden mit dem Ebertschen Aspirationsapparat ausgeführt. Die
Tabelle 3 enthält die bisher veröffentlichten wichtigsten Ergebnisse, die mit der
Trägerladung 4.8 X 10—1%° berechnet sind. Die längste Messungsreihe ist die der
IV. „Carnegie“-Fahrt. Die auf ihr erhaltenen Zahlen sind auch deswegen genauer,
weil Swann die früher große Meßzeit von 15 Minuten und mehr für ein Vor-
zeichen dadurch stark verringerte, daß er nicht die Achse, sondern den von
einem Erdschutz umgebenen Außenzylinder auflud und das Heranwandern der
Träger an die Achse mit einem empfindlichen Einfadenelektrometer maß. Als
Mittelwert für die Meereswerte berechnen Bauer und Swann für n--— = 804,
n— = 677, Q = 27 — 1.22 gegenüber n+ = 787, n— = 668, Q = 1.28 aus
den Landwerten. Also wieder durchaus keine Abnahme auf den Ozeanen! Die
Messung der Wanderungsgeschwindigkeit nach der Macheschen Methode ergab
auf der IV. „Carnegie“-Fahrt für beide Trägersorten den mittleren Wert 1.3 cm/sec
für ein Feld von 1 Volt/m, also Zahlen, die etwas höher sind als die über Land
;) A, Nippoldt, Terrestrial Magnetism, 17, 33 (1912).
2, L. A, Bauer und W, F. G. Swann, Researches of the Department of Terrestrial Magnetism,
Carnegie-Institution of Washington, Vol. III, S. 361—447 (1917), sowie W. F. G., Swann, Year Book
of the Carnegie-Institution No. 16, 281 (1919).
3) S. J. Mauchly, Year Book of the Carnegie-Institution, 20, 354 (1922), sowie American
Geophysical Union. Bulletin of-the National Research Council, No. 17, 73 (1922),