Ann. d. Hydr. usw., LIL Jahrg. (1924), Heft IX.
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Die atmosphärische Elektrizität über den Meeren.
Von K. Kähler, Potsdam.
(Hierzu Tafel 18, Nr, 1.)
Luftelektrische Messungen über den Ozeanen sind für die Kenntnis des
irdischen Elektrizitätshaushalts von ganz besonderer Bedeutung, schon deswegen,
weil die Wasserflächen den größten Teil der Erde bedecken, dann aber auch,
weil die Meere frei sind von vielen störenden Einflüssen. Beobachtungen über
Wasser werden daher eher ein richtiges Bild der elektrischen Vorgänge liefern
als Landbeobachtungen. Auf dem Festland ist fast immer der starke Sonnen-
einfluß außer für das meteorologische auch für das Iluftelektrische Verhalten der
bodennahen Luftschichten von ausschlaggebender Bedeutung. Damit steht in Zu-
sammenhang die starke Dunstbildung, die über den großen Wasserflächen eben-
falls fehlt. Ferner fällt auf dem Ozean die radioaktive Wirkung des Bodens
fort, die über Land eine große Rolle spielen muß. Nun wäre es aber an und
für sich nicht unmöglich, daß umgekehrt manche Meeresteile der Sitz neuer
elektrischer Wirkungen sind. Darauf könnte zum Beispiel die erhöhte Gewitter-
und Böentätigkeit an manchen Stellen hindeuten.
Jedenfalls sind Messungen der atmosphärischen Elektrizität auf den Meeren
außer für die Wissenschaft auch für die Praxis, für die Schiffahrt und vor allem
die Luftfahrt, von Wert. Leicht auszuführen sind sie allerdings nicht. Sowie
man den festen Boden unter den Füßen verliert, schwankt auf dem ‚Schiff das
elektrische Feld ständig. Am ehesten gelingen Messungen mit leichthandlichen
Apparaten, wie dem von Ebert und Gerdien. Daher sind solche Beobachtungen
am ehesten und häufigsten angestellt worden, meistens aber nur auf kurzen
Dampferüberfahrten, so daß die Einzelwerte sich auf weite Strecken verteilen,
also nur als Stichproben zu betrachten sind. Es ist ja überhaupt ein großer
Nachteil der Ozeanmessungen, daß der Meßort nicht derselbe bleibt. . Diesen
Übelstand haben auch die vollkommensten Beobachtungsreihen, die wir besitzen,
nämlich die auf dem eisenfreien magnetischen Vermessungsschiff „Carnegie“ der
Carnegie-Institution in Washington ausgeführten. Die „Carnegie“ hat im letzten
Jahrzehnt fast alle Weltmeere durchfahren und dabei neben den wichtigen magne-
tischen Vermessungen regelmäßige Beobachtungen fast aller luftelektrischen
Elemente durchgeführt. Unvollständig bleibt aber das Bild, das: wir dadurch
gewonnen haben, doch noch. Auch auf der „Carnegie“ hat man meistens nur
einmal am Tage, in der Zeit von 9 bis 11 Uhr vormittags Ortszeit, messen können.
Auch auf ihr hat man, vielleicht nicht ganz so einseitig wie .bei früheren
Beobachtungen, in der Hauptsache bei gutem Wetter abgelesen, bisweilen wohl
noch bei Regen, selten bei Böen, gar nicht bei Stürmen und Gewittern, Wenn
man, was gerade für praktische Zwecke am wichtigsten ist, die Frage. stellt:
Welche außergewöhnlichen luftelektrischen Verhältnisse treten auf dem Meere im
Vergleich zum Festland ein?, so können wir diese Frage mit dem bisherigen
Beobachtungsmaterial nicht beantworten. An ruhigen, ungestörten Tagen sind
aber, vor allem auf den letzten Fahrten, die Messungen bisweilen gehäuft und
auch auf die Nacht ausgedehnt worden, so daß wir jetzt für die tägliche
Schwankung einen Anhalt haben.
1.‘ Die Größe des elektrischen Feldes der Erde über den Meeren., Wegen der
oben schon erwähnten Meßschwierigkeiten sind auf den älteren Fahrten, wenn
überhaupt, nur relative Messungen des Potentialgefälles (im. folgenden meist mit
V’ bezeichnet) ausgeführt worden, Dike!) erhielt auf der III, Fahrt der „Galilee“,
der Vorgängerin der „Carnegie“, im Jahre 1907 nur einige Stichproben; selbst
noch die Werte der II. Fahrt der „Carnegie“ in den Jahren 1910 bis 1913, die
anfangs mit zwei Radium-, dann Ioniumkollektoren ausgeführt und von Hewlett?)
bearbeitet wurden, sind nur relative.
‘) P. H. 'Dike, Terrestrial Magnetism and Atmospheric Eleetricity, 13, 119 (1908).
' C. W. Hewlett, Terr. Magn., 19, 127 (1914); s. auch E. Kidson, Terr. Magn., 16, 237 (1911):
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