196 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1924,
kurven später monatsweise zertrennt und die Messingwalzen an den Seiten des
Wagens zur Aufnahme des Papiers angebracht. Auch jetzt muß das Papier
noch täglich, allerdings innerhalb weiterer Zeitgrenzen, verschoben und die
Schreibfeder wieder neu in Zeit aufgesetzt werden. Dies geschieht in der Weise,
daß für die letzte volle Stunde zwischen einer am oberen und einer am unteren
Rande des Papiers durch die Gezeitenrechenmaschine gezeichneten Stundenmarke
eine Verbindungsgerade — oder vielmehr ein Stück derselben — gezogen wird,
von der aus die seit der vollen Stunde verflossenen Minuten mittels eines
passenden Maßstabes beim Einstellen der Schreibfeder berücksichtigt werden.
Bei einer Neuausführung von Tischpegeln empfiehlt es sich, eine andere, selbst-
tätige Papierführung zu wählen, wobei gleichzeitig der Pegeltisch kürzer und
leichter gehalten werden kann,
Eine längere Verfolgung des Windstaus führt dazu, diesen mit den gleich-
zeitigen Wetterlagen in Beziehung zu setzen und zu Wasserstandsvorhersagen
anzureizen. Sowohl für die Schiffahrt wie auch bei Wasserbauten, z. B. Buhnen-
bauten, die nur bei den niedrigsten Wasserständen ausgeführt werden können,
sind solche Vorhersagen von großer Bedeutung. Nicht minder wichtig ist das
rechtzeitige Erkennen von dem Herannahen von Sturmfluten; die Erfahrungen,
die mittels des Tischpegels bisher für Hamburg gewonnen sind, genügen, um die
Höhe einer Sturmflut auf etwa einen halben Tag im voraus auf ein bis zwei
Zehntelmeter anzugeben.
Kleinere Mitteilungen.
1. Nordlicht. Bericht des III. Offiziers W. Glahn, Motorschiff „Oden-
wald“ auf der Reise von Philadelphia nach Baltimore,
Am 29. Januar 1924 befand sich um 8% 10m Nm, „Odenwald“ auf 38° N
und 75° W. Es herrschte Windstille und spiegelglatte See. Das Barometer, das
am 28. Januar den hohen Stand von 782.4 mm erreicht hatte, war langsam
gefallen und zeigte den Stand von 770.0 mm. Der Himmel war wolkenlos, die
Luft bei einer Temperatur von 6°C. äußerst sichtig, so daß während der Wache
die Leuchtfeuer von Assateague- und Hog-Eiland bei 12 m Augeshöhe bereits
aus 24 bzw. 29 Sm Entfernung gesichtet wurden, Kurz nach 8% Nm. erheilte sich
der nördliche Himmel. 8 10m Nm. leuchteten grüngelbe Strahlen, einzeln und
in Bündeln, auf, die in einer Höhe von etwa 20° parallel zueinander verliefen
und sich von NNW bis NNO ausdehnten. Ein breiter Streifen, der von einem
hellen Fleck ausging, kreuzte die Strahlen in weitem Bogen. Zwischen Kimm
and Nordlicht lag ein tiefschwarzer Schattenstreifen. 8b 20m Nm, verblaßten die
Streifen langsam. Zuerst verschwand der helle Querstreifen und das mittlere
Strahlenbündel, die hellen Seitenstrahlen hielten sich noch bis. 8h 30m Nm. Der
nördliche Teil des Himmels war noch. bis 9b Nm. erhellt, nachher trat er nicht
mehr hervor. Am SO-Horizont war starkes Wetterleuchten.
Der vorstehenden Mitteilung ist eine sehr eindrucksvolle farbige Skizze des Nordlichts bei-
gegeben, sie läßt sich leider wegen technischer Schwierigkeiten nicht abdrucken. Bericht und Zeich-
aung übersandte ich Herrn Prof. Dr. A. Nippoldt (Meteorol.-Magnetisches Observatorium Potsdam);
seine nachstehend folgenden Ausführungen zeigen, wie wertvoll es ist, daß Beobachtungen besonderer
Erscheinungen auf See schriftlich festgelegt und eingesandt und so der Wissenschaft nutzbar gemacht
werden. — Die Schriftleitung.
Bemerkungen von Prof. A. Nippoldt zum obigen Bericht: Das auf
der „Odenwald“ beobachtete Nordlicht fällt dem Datum nach mit einem in Europa
gesehenen zusammen, nicht jedoch der Tageszeit nach. Eine Zusammenstellung
aller uns damals bekanntgewordenen Beobachtungen, einschließlich der zu-
gehörigen magnetischen Störung, gab Dr. Bartels in den „Naturwissenschaften“,
12, Heft 10, S. 194/195. Was die „Odenwald“-Beobachtungen besonders wertvoll
macht, sind zwei Umstände: erstens, daß damit festgestellt wird, daß eine Polar-
lichterscheinung auf derselben Halbkugel in einer Gegend (Europa) verschwinden
und bald danach in einer anderen (Amerika) auftauchen kann; zweitens, daß der
51ußere Anblick in beiden Fällen annähernd derselbe war (ich habe selbst das