Rauschelbach, H.: Über eine elektrische Pegelfernübertragung, 195
keit der Wasserstandsangaben auf einem gesonderten Stromkreis (Schwachstrom-
leitung) nachgeprüft werden, ohne daß die Pegelstelle selbst aufgesucht werden muß.
Um bei Anfragen über den augenblicklichen Wasserstand die Arbeit des
Ablesens der Gezeitenkurve zu ersparen oder Ablesefehler zu vermeiden, hat die
Firma F. Kuhlmann auch einen „Zahlenpegel“ (Taf. 13 Nr. 1, links oben) gebaut,
der den jeweiligen Wasserstand in Metern und Zehntelmetern anzeigt. Dieser
Zahlenpegel‘ kann dem Tischpegel parallel geschaltet werden. Hinter dem
Fensterchen des gußeisernen Kastens befindet sich ein Schaltwerk mit zwei zehn-
feldrigen leichten Trommeln, die mittels dünner Drähte als Speichen ihren Naben
aufgelötet sind. Das Schaltwerk wird durch einen Synehronmotor bewegt. Die
ganzen Meter werden durch die großen Zahlen mit Vorzeichen angegeben,. die
Zehntelmeter durch die obere kleine schwarze Zahl bei Wasserständen über Null
und durch die kleinere rote Zahl bei solchen unter Null; im letzteren Falle ist
auch die Meterzahl rot bezeichnet, ;
Ein Vorteil des Tischpegels vor andern Pegeln ist besonders der, daß er,
in einem Arbeitsraum der Behörde stehend, viel mehr unter Aufsicht gehalten
werden kann, als der selbstzeichnende Pegel am Wasser, Infolgedessen werden
auftretende Störungen nicht erst oft nach Tagen beim Bogenwechsel bemerkt,
sondern meist kurze Zeit nach ihrem Auftreten. Entsteht z. B. ein Bruch des
Kabels oder eine Störung in der Stromzuleitung, so wird auf dem Pegeltisch
von da ab eine gerade Linie gezeichnet; auch ein ganz ungeübter Beobachter
wird eine solche augenfällige Abweichung von der regelmäßigen Kurve sofort
als fehlerhaft erkennen, Springt dagegen der Schwimmerdraht von seinem Rade
ab, oder reißt er, so steigt die Kurve auf dem Pegeltisch augenblicklich stark
an und läßt durch ihre Unstetigkeit auf eine Störung schließen. Ist eine von
den drei Leitungen unterbrochen, die zu den Polschuhwicklungen des Motors
führen, so entsteht statt der gleichmäßigen Kurve eine blattzahnartige Linie,
deren Zacken um so näher rücken, je schneller das Wasser steigt oder fällt.
Ein weiterer Vorteil des Tischpegels äußert sich darin, daß die Zeitfehler
der aufgezeichneten Kurven in Fortfall kommen, da ja das Uhrwerk jederzeit
unter Aufsicht steht, und da die Schreibspitze jeden Tag nach.dem Zurück-
schieben des Wagens der Uhrzeit entsprechend dem Papier aufgesetzt wird.
Ist die Fernübertragung an einem Sselbstschreibenden Pegel angebracht, und
bleibt das Uhrwerk dieses Pegels, stehen, so wird dies am Pegeltisch zwar nicht
bemerkt werden; dieser wird ungestört weiter zeichnen und so willkommene
Ergänzungen für die ausgefallenen Kurven des selbstzeichnenden Pegels liefern.
Ebenso wie die durch die Pegeleinrichtung aufgenommenen Wasserstands-
schwankungen in jedem beliebigen Maßstabe in den Arbeitsraum übertragen
werden können, ist es möglich, die Gezeitenkurven eines und desselben Pegels
gleichzeitig an beliebig vielen Stellen zur Aufzeichnung zu bringen. So lassen
sich auch die Gezeitenkurven mehrerer räumlich weit getrennt liegender Pegel-
stellen in den gleichen Arbeitsraum auf. einen oder mehrere Pegeltische über-
tragen, so daß sie augenblicklich von einer Stelle aus beobachtet werden können,
Was der Deutschen Seewarte den Tischpegel besonders wertvoll macht, ist
nicht der Umstand, daß es ihr dadurch möglich ist, die augenblicklichen Wasser-
stände unmittelbar ohne Zeitverlust an die Schiffahrt auf Anfrage weiterzugeben,
sondern die Möglichkeit, den jeweiligen Windstau — den Unterschied zwischen
dem beobachteten und vorausberechneten Wasserstand — und seine wahrschein-
liche Änderung innerhalb der nächsten Stunden anzugeben. Diese Angabe wird
dadurch erleichtert, daß es nach der Errechnung der harmonischen Konstanten
von Hamburg möglich ist, mittels der Gezeitenrechenmaschine!) vorausberechnete
Gezeitenkurven herzustellen, die von vornherein in dem Maßstab gezeichnet
werden, der demjenigen der Tischpegelaufzeichnungen entspricht. Diese voraus-
berechneten Kurven wurden früher tageweise zerschnitten und zur weiteren Auf-
nahme der tatsächlichen Gezeitenkurven auf den Schreibwagen gespannt. Da es
lästig war, die Bogen täglich zu einer festen Zeit aufzulegen, wurden die Jahres-
‘) H, Rauschelbach, Über die Vorausberechnung der Gezeiten mittels der deutschen
Gezeitenrechenmaschine. Ann. d. Hydr. usw. 1921, Heft 3.