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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Thorade, H.: Einige Bemerkungen über Amphidromien, II, 187 
deren Ostseite verschoben ist, und weshalb in der nördlichen Nordsee keine zu- 
stande komme: Die eindringende atlantische Welle begegnet der am Südrande 
der Nordsee reflektierten, wobei beide durch Reibung geschwächt werden; ihr 
Höhenunterschied ist daher nahe der Südküste klein und im Norden groß, und 
es bedeutet keinen Widerspruch gegen die Merzsche Auffassung, wenn nach dem 
oben Gesagten das Nichtentstehen der nördlichen Amphidromie so gedeutet wird, 
daß ihr (nur gedachter) Knotenpunkt auf Land, im südlichen Norwegen liegt. 
Auf der Gezeitenkarte der Nordsee von A. T; Doodson‘) liegt der Knotenpunkt 
nahe an der norwegischen Küste, und Doodson spricht von einem Drängen der 
Knotenpunkte gegen den Ostrand, das gegen Norden stärker werde, und auf 
der Karte von A, Defant?) liegt er noch weiter seewärts. Nach der hier ver- 
tretenen Auffassung spricht also aus den drei Karten neben einer vielleicht ver- 
schiedenen Berücksichtigung der Tiefenunterschiede eine sehr verschiedene Ein- 
schätzung der Reibung. 
Nach Lamb (Hydrodynamik, S. 375) ist die Wasserhöhe bei einer einfachen Kelvin - Welle 
—2wy . 
= ae © cos(ot— xx), wenn a die Hubhöhe in der Mitte des Kanals, c die Wandergeschwindig- 
keit, w die Winkelgeschwindigkeit des Kanals, y den Abstand von der Kanalmitte, T = Z die Periode 
und 2 = Az die Wellenlänge bedeutet. Eine zweite durch Reibung geschwächte entgegengesetzte 
Wwy 
Welle sei durch & = be © cos (ot -+»x) gegeben. Dann entsteht die resultierende Welle 
== +E=(ae7” + be”) cos xx cos ot + (ae 7” — be”) sin xx sin ot, 
wo n für 2 wy/c gesetzt wurde. Der hubfreie Punkt ist dort, wo zugleich ; 
(ae77 + be”)cosux, = 0 
(ae7% — be”)sinux, = 0. 4wyı 
Soll ” reell sein, so muß xx = 90° und e?*7ı — a/b sein, oder a: b = ec , wenn yı der 
Abstand des Knotenpunktes von der Kanalmitte ist. Die Verschiebung ist also yı = Zn 
2, Rechteckiges Becken. Harris geht bei seinen Betrachtungen über 
Amphidromien von geschlossenen, quadratischen, gleichmäßig tiefen Becken aus. 
Es ist jedoch keine schwere mathematische Aufgabe, den nächsten Schritt zur 
Verallgemeinerung zu tun und ein ungleichseitiges Rechteck an die Stelle des 
Quadrats zu setzen (vgl. Lamb a. a. OÖ, S. 331). Aber den einfachen mathe- 
matischen Formeln entsprechen ziemlich verwickelte Vorgänge. Das Rechteck 
sei z. B., um einen möglichst einfachen Fall zu wählen, doppelt so lang wie breit 
(Taf, 16, Nr. 5) und nach den Himmelsrichtungen orientiert; von der Erd- 
umdrehung soll abgesehen werden. Zwei gleich hohe Schaukelbewegungen, mit 
den Mittellinien als Knotenlinien, mögen sich überlagern; es ist leicht einzu- 
sehen, daß eine fortschreitende Welle das Becken von Norden nach Süden doppelt 
so schnell durcheilen würde wie von Westen nach Osten, und daß die durch 
Reflexion entstehenden Schwingungen infolgedessen in nord-südlicher Richtung 
nur die halbe Periode besitzen können wie die west-Östlichen; sie verhalten sich 
wie Oktave und Grundton. In der Abb. Nr. 5 ist angenommen, daß um 12% 
die Grundschwingung (W—0O) gerade durch die Null-Lage geht, während die 
Oberschwingung (N—S) ihren Höchstwert hat. Die entstehende Amphidromie 
weicht von der früher besprochenen stark ab: Die Hochwasserzeiten schreiten 
erst von F aus nach rechts fort bis D, laufen dann rückwärts bis H herum 
und dann wieder nach rechts bis F. Dagegen hat der ganze südwestliche Qua- 
ädrant um 9% und der südöstliche um 3b Hochwasser; nur auf der Grenze beider 
tritt es zu beiden Zeiten ein. Die Hubhöhen-Linien sind fortgelassen, da sie 
ähnlich wie bei gewöhnlichen Amphidromien laufen. 
Um die Vorgänge näher zu verfolgen, sind in Nr. 6 die auf den mittleren 
Spiegel bezogenen Tidekurven für die Punkte A, B, C, D dargestellt; für die 
Punkte E, F, G, H (in der gleichen Reihenfolge) gelten die gleichen Kurven, wenn 
man oben und unten vertauscht, so daß aus Hochwasser Niedrigwasser wird, 
1) Geogr. Journ. LXIII, Nr. 2. London 1924, S. 139. 
2) Diese Zeitschrift 1923, S. 1774,
	        
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