accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

186 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1924, 
durch &, = a cos (tz — 6) und %, = b cos (z — e), und die resultierende Tide ist 
E = CE, +E,. Nun ziehe man (Nr. 4, Taf. 16) von O aus unter dem Winkel ö 
zegen die y-Achse den Strahl OA = a; wenn dieser Strahl in einer Tide den 
Kreis mit gleichmäßiger Geschwindigkeit rechtsherum durchläuft, so ist in jedem 
Augenblicke das von seinem Endpunkte auf die x-Achse gefällte Lot, etwa 
DE, = a cos (tz — 6), also = E,, und gibt den Wasserstand an. Die zweite Tide 
würde in ähnlicher Weise durch Umlaufen von B erhalten, und die resultierende 
durch Addieren beider Lote, Da OA und OB die gleiche Winkelgeschwindigkeit 
haben, so kann man sie starr miteinander verbunden denken; denkt man sich 
ferner OB parallel mit sich nach AC verschoben, so ist ersichtlich, daß CH 
— AF-+BG ist, und daß mithin die resultierende Tide durch Umlauf des 
Punktes C erhalten wird. Der resultierende Hub wird folglich durch OC, und 
die resultierende Hochwasserzeit durch den Winkel COY = % dargestellt. 
Mathematisch gesprochen, lassen sich also Hubhöhe und Hochwasserzeit als Be- 
stimmungsstücke eines Vektors ansehen und vektoriell addieren, eine Tatsache, 
die auch bei Mittel-Bildungen zu beachten ist, - 
Amphidromie und fortschreitende Welle. Ein ähnliches Bild wie 
in Nr. 2 muß sich ergeben, wenn in einem beiderseits offenen Kanal eine 
Amphidromie von einer fortschreitenden Welle überlagert wird; letztere habe 
etwa überall die gleiche Höhe und Geschwindigkeit, so werden die Flutstunden- 
linien quer zum Kanal laufen, und man braucht nur die Linie (das Oval) der- 
selben Hubhöhe bei der Amphidromie und auf ihrem Umfange die Stelle aufzu- 
suchen, wo sich die erzeugenden Flutstundenlinien um 6h unterscheiden, um 
einen hubfreien Punkt zu finden; auch in diesem Falle wird also als Lösung 
meistens eine seitlich verlagerte Amphidromie herauskommen, 
Eine solche entsteht auch sehon beim Zusammenwirken zweier reiner 
fortschreitender Wellen unter dem Einfluß der Erdumdrehung. Dieser Fall 
ereignet sich z.B. in der Nordsee, obwohl hier die: selbständigen Tiden ver- 
schwindend gering sind und nur das Mitschwingen mit dem Atlantischen Ozean 
in Betracht kommt. Doch sind die Zusammenhänge von A. Merz!) kürzlich so 
klar beleuchtet, daß sich hier eine ausführliche Darstellung erübrigt und nur 
wenige Bemerkungen gemacht werden sollen. 
Nach Lord Kelvin?) bewirkt die ablenkende Kraft der Erdumdrehung, 
wenn eine fortschreitende Welle einen beiderseits offenen, geraden und gleich- 
mäßig tiefen Kanal durchläuft, daß der Kamm sich wegen der in ihm vor- 
handenen vorwärts gerichteten Strömung am rechten Ufer erhöht, das Tal wegen 
der rückwärts gerichteten am linken. Beide Strömungen sind am rechten Ufer, 
wo sie größere Wassermengen zu fördern haben, stärker als am linken; Quer- 
strömungen treten nicht auf, da das Quergefälle durch die Ablenkungskraft aus- 
balaneiert wird, Begegnen sich zwei gleich hohe Wellen, so wird dort, wo die 
Berge aufeinander fallen, der Wasserspiegel konkav sein, da jeder Berg gegen 
das für ihn rechte Ufer gedrängt wird. Die Strömungen heben sich nur in der 
Mitte auf, an den Ufern sind sie entgegengesetzt. Wo dagegen Berg auf Tal 
fällt, verstärken sich die Strömungen, und es entsteht hier, wo ohne Erdrotation 
eine feste Knotenlinie wäre, infolge des wechselnden Andrangs des bald vorwärts, 
bald rückwärts laufenden Stroms nach beiden Seiten eine Querschwingung, die 
mit der Längsschwingung zusammen zu einer symmetrisch liegenden Amphidromie 
führt. Wenn die beiden ursprünglichen Wellen aber nicht gleiche Hubhöhe haben, 
so kann man sich die größere zerspalten denken in eine solche, die der kleineren 
gleich ist, und einen Überschuß; die erstere wird mit der kleineren zusammen 
die eben beschriebene Amphidromie bilden, und die Überschußwelle, die darüber 
hin fortschreitet, wird nach dem oben Gesagten bewirken, daß sich der Knoten- 
punkt der Amphidromie seitlich verschiebt, und dies um So mehr, je größer die 
Überschußwelle, oder je größer der Höhenunterschied der ursprünglichen Wellen 
ist. Diese Überlegung besagt im Grunde nichts anderes als die, mit welcher 
A. Merz (a. a. O0.) erklärt, weshalb die Amphidromie der südlichen Nordsee nach 
1) „Die Gezeiten der Nordsee“, im Nordseehandbuch, Südl. Teil. Marineleitung, Berlin 1923, 
3 Proe. Roy. Soc. Edinburg 1878—1879, S. 924.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.