Defant, A.: Die Gezeiten des Atlantischen Ozeans und des Arktischen Meeres, 183
schwingung fast genau entgegengesetzt jener auf der Südhemisphäre, indem
hier die Westseite die Phase etwa 20b, die Ostseite aber 9b hat, ist vollständig
theoretisch begründet, Denn auch die Kraft ändert auf der Nordhemisphäre im
gleichen Sinn ihre Phase. Dies kommt daher, daß die Komponente der flut-
erzeugenden Kraft in der Richtung der Breitenkreise, die ja hier die Hauptrolle
spielt, proportional sin g@ ist, das mit Überschreitung des Aquators sein Vorzeichen
ändert. Dieses Ergebnis, das mit der Theorie völlig übereinstimmt, läßt es fast
als sicher erscheinen, daß die Restschwingung tatsächlich Transversalwellen sind.
Für den Kanalteil, bei dem an der Westseite sich das amerikanische Mittel-
meer anschließt, wird, falls man letzteres für die Querschwingungen mitnimmt,
die Größe y» nahezu oder etwas größer als 1, während sie sonst überall kleiner
als 1 ist; weiter kann die Sperre, die durch die Westindischen Inseln gegeben
ist, in den Querschwingungen zu wesentlichen Störungen Veranlassung geben,
die sich so einfach nicht überblicken lassen,
Bei den Querschnitten 16 bis 12 finden wir auch auf der Nordhemisphäre
auf der Ostseite als Phase 6'/„h, auf der Westseite müßte, falls Beobachtungen
vorhanden wären, etwa 181/,h gefunden werden; Querschnitt 15 gibt schon 17.2bh,
Wenn auch diese Umkehrung der Phase im nördlichen Atlantischen Ozean in der
Theorie begründet ist, so kann es wohl keinen Zweifel. mehr über die Natur der
Restschwingungen geben. Es scheint dies aber tatsächlich der Fall zu Sein,
Denn der Ausdruck A =— — Ainı psin3@ „ der als Faktor bei der Amplitude
na
n2a? cos?
der Querschwingung auftritt und sonst im ganzen Atlantischen Ozean südlich
von 50° N-Br. stets negativ ist, wird nördlich davon infolge des Positivwerdens
des Klammerausdruckes im Nenner nun auch positiv. Dadurch ändert sich aber
die Phase der Querschwingungen um 12b, wie es die Beobachtungen zeigen.
Die Eigenperiode eines parabolischen Beckens ist Tr =— Se so daß
x? 12 2 2 TE .
6? — Sy = A, An =— RZ werden. Wenn 1, die Breite des
Querschnittes, etwa dem 10. Teil der Länge eines Parallelkreises in der Breite @
entspricht und wenn v etwa gleich 0.22 wird, was bei den betrachteten Quer-
2
schnitten der Fall ist, so wird Wa 1, der Klammerausdruck und somit
auch A positiv. Bei den Querschwingungen muß dann die Westseite die Phase 19h,
die Ostseite die Phase 7b aufweisen. Die Restwelle zeigt auch diese Verhältnisse.
Wir können also die deduktiv. abgeleiteten Restschwingungen als Quer-
schwingungen eintägiger Periode der Wassermassen des Atlantischen Ozeans be-
trachten. Für die Querschwingungen nördlich des 12. Querschnittes fehlen die
Grundlagen, da von einer fluterzeugenden Kraft längs der Breitenkreise hier
nicht gesprochen werden kann. Für diesen Teil wird die resultierende Eintags-
flut im wesentlichen die durch die ablenkende Kraft der Erdrotation beeinflußte
Längsschwingung sein; sie steht ebenfalls in Tabelle 12,
Zusammenfassung. Figur 2 auf Tafel 15 zeigt die Verteilung der Stunden-
linien der Eintagsflut für das Arktische Meer und den Atlantischen Ozean. Zu
ihrem Entwurf wurden die Werte an den Küsten und die Werte auf der Mittel-
achse des Kanals, von denen man erwarten kann, daß sie von der ablenkenden
Kraft der Erdrotation und den Querschwingungen unwesentlich modifiziert sind,
benutzt. Das Bild im Atlantischen Ozean weicht natürlich von jenem Sternecks
nicht wesentlich ab; im Nordischen Meere erkennt man deutlich den Einfluß der
Querschwingungen in diesem engen Kanalteil, Bei Spitzbergen liegt das Zentrum
einer dritten Amphidromie, die in dem Arktischen Meere in eine fortschreitende
Welle ausläuft. Die wenigen Beobachtungen scheinen sich mit dieser Verteilung
der Flutstundenlinie gut zu vertragen, Der rasche Sprung der Phase von etwa
6h südlich Spitzbergen auf etwa 21h an der Westküste dieser Inseln zeigt schon
auf das Vorhandensein einer Amphidromie bzw. einer Knotenlinie an dieser Stelle.
Die Phasenzeiten von Cap Bryant mit 22.0b, von Cap Shederian mit 23.3b, von
Flaxman Island mit 11.4, Point Barrow mit 10.8h und Bennett Island mit 17,0»