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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

182 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1624. 
jeden Querschnitt die Phase der Eintagsflut entnommen und aus der Verteilung 
der beobachteten Amplituden, die ich aus den von Harris angegebenen Werten 
der harmonischen Analyse entnahm, auch die Amplitude annäherungsweise fest- 
gestellt. Infolge der wenigen Orte, von denen Phase und Amplitude der Eintags- 
fluten, namentlich im südlichen Atlantischen Ozean bekannt sind, kommt diesen 
Werten eine gewisse Unsicherheit zu, die sich natürlich auch in die folgenden 
Untersuchungen hineinziehen wird. Diese aus den Beobachtungen gewonnenen 
Werte von Amplitude und Phase der Eintagsgezeit stehen für alle Querschnitte 
vom 12, ab, d. i. für den ganzen Atlantischen Ozean, in vorstehender Tabelle 12. 
Die Längsschwingung + der Querschwingung bedingt durch die Erdrotation 
+ einer eventuell noch fehlenden Schwingung, welcher Art sie auch sein mag, 
muß nun die beobachtete Eintagsflut an jedem Endpunkt eines Querschnittes 
geben. Es kann demnach ermittelt werden, welche Schwingung der durch die 
ablenkende Kraft der Erdrotation modifizierten Längsschwingung noch hinzu- 
gefügt werden muß, damit den Beobachtungstatsachen Genüge geleistet wird, 
Man kann dann sehen, ob diesen Schwingungen, die noch fehlen, der Charakter 
von Querschwingungen zukommt oder nicht. 
Diese noch notwendigen Schwingungen stehen ebenfalls in Tabelle 12 an 
zweiter Stelle; daneben steht die Komponente der fluterzeugenden Kraft ein- 
tägiger Periode, die Schwingungen quer zum Kanal hervorrufen könnte. 
Vor allem ist festzustellen, daß vom 35, bis zum 30, Querschnitt, an denen 
die Amplitude dieser Restschwingungen relativ groß ist, die Phase an der einen 
Küste durchschnittlich um fast genau 12 Stunden von der an der anderen Küste 
verschieden ist; an der afrikanischen Küste ist die Phase rund 8'/,h, an der 
südamerikanischen rund 21!/,h, Die Restwelle hat hier den ausgesprochenen 
Charakter einer Querschwingung. Dasselbe gilt für die Querschnitte 21 bis 15; 
denn die mittlere Phase dieser 7 Querschnitte ist an der europäischen Küste 0.6, 
an der nordamerikanischen Küste aber 12.45, Für die Querschnitte 14 bis 11 
sind nur für die europäische Küste Beobachtungen gegeben, so daß hier nichts 
ausgesagt werden kann. Für den mittleren Teil des Atlantischen Ozeans (Quer- 
schnitte 27 bis 23), der dem Teil nördlich des Äquators bis etwa 25° N-Br. ent- 
spricht und im Westen in das ausgedehnte amerikanische Mittelmeer ausgeht, ist 
dieser Gegensatz der Phasen nicht vorhanden; die afrikanische Küste hat als 
mittlere Phase rund 19!/„b, die amerikanische Seite rund 21'/,h, Allerdings muß 
bemerkt werden, daß gerade hier für einzelne Querschnitte am Westende eine 
Reflexion der Querschwingung gar nicht stattfinden kann, eine solche also in 
ihrer einfachsten Form einer Schaukelbewegung nicht zustande kommen kann, 
Das ist bei den Querschnitten 24 und 25 der Fall, die eine Fortsetzung in das 
amerikanische Mittelmeer erfahren, und bei den Querschnitten 26, 27, 28 und zum 
Teil wohl auch 23 verläuft die Westküste, an der die Reflexion erfolgen soll, in 
keiner Weise senkrecht zum Querschnitt. Für diesen Teil des Atlantischen Ozeans 
sind also eindeutige Querschwingungen gar nicht zu erwarten. 
Aber noch etwas bestärkt uns in der Ansicht, daß diese Restschwingungen 
Querschwingungen sind, die durch die fluterzeugenden Kräfte hervorgerufen sind. 
Nach Formeln, die ganz ähnlich den Formeln auf Seite 163 (siehe erster Teil) sind, 
kann man. auch für die ganztägige fluterzeugende Kraft Phase und Amplitude 
der Schwingung berechnen, die in einem schmalen Kanal längs eines Quer- 
schnittes zustande kommen. Man findet für einen Querschnitt auf der Süd- 
hemisphäre z.B. für den Querschnitt 33 folgende Verteilung von Amplitude 
und Phase: 
Entfernung vom Westende . . 0 Ur Un 3, 1 der ganzen Länge 
Amplitude in cm . ... . 26 14 2 14 26 
Phase, bezogen auf Gr. . . . 200h 19.4h 13,5h 7.6h 7.0h 
Also ganz der Charakter einer stehenden Welle, Amplitude und Phase stimmen 
aber der Größenordnung‘ nach ganz mit den gefundenen Werten überein, Das- 
selbe gilt für die Querschnitte auf der Nordhemisphäre, z. B. 20—21; die Phase 
an der europäischen Küste ist etwa 20h, an der amerikanischen etwa 9h, die 
Amplitude rund 25 em. Daß auf der Nordhemisphäre die Phase der Quer-
	        
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