Ann. d. Hydr. usw., LIT, Jahrg. (1924), Heft VIII.
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Die Gezeiten des Atlantischen Ozeans und des Arktischen Meeres.
Von A, Defant, Innsbruck. [Schluß.]
(Hierzu Tafel 15.)
II. Teil, Die ganztägigen Gezeiten.
Nach dem Ergebnis der Analyse der halbtägigen Gezeit ist zu erwarten,
daß auch die eintägige Gezeit die Superposition einer größeren Anzahl von
Wellen sein wird; auch in diesem Falle wollen wir jede einzelne zu bestimmen
versuchen und das Bild, das ihre Zusammensetzung liefert, mit den Beobachtungs-
tatsachen vergleichen, Was diese betrifft, so liegt nun eine Darstellung der
Stundenlinien dieser Flut von R. v. Sterneck!) vor, die den wenigen zur Ver-
fügung stehenden Ergebnissen der harmonischen Analyse gerecht wird; nach
seiner Darstellung zeigen sich im Bereiche des Atlantischen Ozeans zwei große
Amphidromien: eine im nördlichen Teil mit dem Zentrum in etwa 25° N-Br., auf
deren Existenz schon H. Harris hingewiesen hat, und eine im südlichen Teil
mit dem Zentrum in etwa 50° S-Br., also am Ausgang. unseres Kanals in den
breiten Meeresgürtel der Südhemisphäre. Beide Amphidromien verlaufen ent-
gegen dem Sinn des Uhrzeigers; daß dies auch bei der auf der Südhemisphäre
der Fall ist, deutet darauf hin, daß sie nicht der Einwirkung der ablenkenden
Kraft der Erdrotation ihre Entstehung verdankt,
Die Amplitude der Eintagsfluten ist überall sehr klein und von derselben
Größenordnung; sie scheint an den Küsten nur örtlich 15 cm zu übersteigen.
Für das Arktische Meer haben wir noch keine Darstellung der Eintagsflutlinien,
wenn auch H, Harris die wenigen Beobachtungen einiger Reduktionen angegeben
hat; wir werden später auf diese Beobachtungen noch zurückkommen.
Mitschwingungsgezeit. Für dieselben Querschnitte, die früher für die Halb-
tagsgezeit Benutzung fanden, wurde auch für die ganztägige Gezeit, deren Periode
zu 24 Stunden angenommen wurde, die Mitschwingungsgezeit berechnet. Hierbei
fand ebenfalls gleich die früher angegebene genauere Methode der schrittweisen
Berechnung von & und n Anwendung. Das Ergebnis dieser Berechnung bei
einem Relativwert von = +50.0 cm am innersten Ende des Kanals (Quer-
schnitt 0) steht in Tabelle 9.
Tabelle 9. Mitschwingungsgezeit, Eintägige Flut.
Quer-
schnitt
©
€
KL)
q
izm3
Ö
L50
451 |
805
32
22
„81
+ 1362
+ 1924
+ 1849
+ 1658
4 1085
'
5
m
|
%
cm
0! 50.0
258 |-L48.6
288 128.1
270 1437.4
279 +81,8!
302 425,8
M +194
266 +123
127 + 1,9
8“ 138
_17i8 —271
__ "500 _629
Quer-
schnitt
1?
KO
14
1
16
ı*;
x
“I
ag
q
km3
+ 653
+ 292.
— 189
— 673
— 1030
— 1437
1967
3187
— 3628
— 4033
— 4449
— 4705
5
m
— 224
— 124
+ 109
+ 852
+ 405
- 328
173
251
281
]RAn
*QR
%
em
'—70.4
——74.1
|—74.3
—62.7
—49,8
42,3
—36.7
31,8
26.6
20.6
‘6
»
Quer-
schnitt
24
%
26
93
an
X}
&}
3
q
kım3
5
m
%
cm
— 4831} +161 |+ 1,9
—4527| +194 |+ 10.4
—3898| -+ 202 |+ 19.8
—3111| +170 |+ 28.1
— 2262 +174 !+4+ 35.7
—1198 + 75 ‚+ 42.6
+ 466 — 20 '+4 43.8
+ 2435 102 + 41.0
+4543 —162 } 33,9
+ 5785 —242 }25.9
+ 1988 — 258 9
'_ BORE- ORG 34
‘) Mitschwingen der Davisstraße und Baffinbay bei nm: = 40 cm, q = — 686 km®.
*) Amerikanisches Mittelmeer a — + 100 km3
Die eintägige Mitschwingungsgezeit weist insgesamt 3 Knotenlinien auf:
die erste beim Querschnitt 8, d. i. der Querschnitt vor Franz Josefland, die zweite
zwischen dem 28. und 24. Querschnitt in etwa 20° N-Br., die dritte gerade am
1) Sitz.-Ber, der Wiener Akad., 130. Bd.. 1921
Ann. d. Hydr. usw. 1924. Heft VIII