Rauschelbach, H.: Über eine elektrische Pegelfernübertragung:
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Über eine elektrische Pegelfernübertragung.
Von Dr. H, Rauschelbach.
(Hierzu Tafel 13 und 14.)
Die Veranlassung zum Bau des im folgenden beschriebenen Pegels war
vor etwa zehn Jahren der Wunsch der deutschen Hochseeflotte, jederzeit die je-
weiligen Wasserstände auf den Barren der Außenjade erfahren zu können. Zu
diesem Zwecke sollten die Wasserstände an einem an der Ostseite von Wangeroog
befindlichen selbstzeichnenden Pegel abgelesen und durch Fernsprecher an die
Marinenachrichtenstelle Wangeroog weitergegeben werden. Diese hatte die Ab-
lesungen sofort durch Fernschreiber nach Wilhelmshaven zu übermitteln, wo die
Nachrichten- und Funkstelle die Angaben an das Außenjade-Feuerschiff ‚oder
auch unmittelbar an die anfragenden Schiffe weitergeben konnte. Zur Verein-
fachung der Übermittlung der Wasserstände beabsichtigte nun das Strombau-
ressort der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven die Einrichtung einer Fern-
übertragung zwischen dem selbstzeichnenden Pegel zu Wangeroog Ost und der
auf dieser Insel befindlichen Nachrichtenstelle.
Pläne und Beschreibungen einer solchen Anlage, die sich bei vielen Wasser-
baubehörden, allerdings an Binnengewässern, schon bewährt hatte, lagen dem
Strombauressort bereits im Jahre 1913 vor. Ihre Durcharbeitung, zu der auch
das Kaiserliche Observatorium zu Wilhelmshaven herangezogen wurde, führte zu
dem Ergebnis, daß diese Anlage nicht ohne weiteres als auch für Gezeiten-
gewässer brauchbar übernommen werden konnte. In Anbetracht der Wichtig-
keit, die eine Fernübertragung selbstzeichnender Pegelanlagen für viele Zwecke
der Marine und der Wasserbaubehörden hat, befaßte sich daraufhin das Kaiser-
liche Observatorium selbst mit dem Bau einer solchen Einrichtung.
Diese hatte folgenden Anforderungen zu entsprechen:
1. Die Pegelfernübertragung muß sich an bereits vorhandene selbst-
zeichnende Schwimmerpegel ohne Vornahme von großen baulichen
Veränderungen leicht anschließen lassen,
Eine Bedienung der Fernübertragungsteile soll nur beim Auswechseln
des Pegelblattes notwendig sein.
Die Aufzeichnung soll auf der Empfangsstelle in genau der gleichen
Weise geschehen, wie sich die Wasserstände auf der Walze des Pegels
im Pegelhaus aufzeichnen, damit auch jederzeit zeitlich zurückliegende
Wasserstände abgelesen werden können, ohne daß auf den Sselbst-
zeichnenden Pegel zurückgegriffen werden muß.
Die Anlage soll mit möglichst großer Sicherheit arbeiten und auch
durch ungeübte Hilfskräfte ohne Schwierigkeit zu bedienen sein. Be-
sonders ist darauf Wert zu legen, daß etwaige Störungen am Pegel,
wie Bruch des Schwimmerdrahtes, oder an der Übertragung, wie Bruch
des Kabels oder der Freileitung oder Versagen des Stromes, sofort auf
der Empfangsstelle erkannt werden, so daß eine Abgabe falscher
Wasserstände ausgeschlossen ist.
Nach einigen vergeblichen Versuchen gelang es, eine Pegelfernübertragung
zu bauen, die zunächst kurz beschrieben werde. ;
Die elektrische Pegelfernübertragung besteht aus einem Pegel, der am
Wasser aufgestellt wird, und einer Empfangseinrichtung, die an einem beliebigen
Ort an Land und auf beliebige Entfernung vom Pegel aufgestellt werden kann.
Beide Teile sind durch eine elektrische Leitung miteinander verbunden. Auf
die Achse des Schwimmerrades des Pegels ist noch ein zweites Rad, ein Zahn-
rad aufgesetzt, das in ein Rädchen eingreift, das auf der Achse eines kleinen
Wendekollektors sitzt. Bei einer Bewegung des Schwimmers wird dadurch der
walzenförmige Kollektor dieses Schaltwerkes in Umdrehungen versetzt. Die eine
Hälfte des Kollektors ist leitend, die andere nichtleitend. Drei um 120° gegen-
einander versetzte Bürsten liegen dem Kollektor an, so daß immer entweder
einer Bürste oder zwei Bürsten Strom zugeführt wird, An der Empfangsstelle
ist ein Gestell mit Schreibwalze, Uhr und Schreibstift aufgestellt. Außerdem ist