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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

166 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1924, 
Reibungseinflüsse nicht um ausschlaggebende Beträge verschoben, Die Anord- 
nung der Flutstundenlinien :selbst könnte hingegen kleine Verschiebungen 
erleiden; da uns aber zum Vergleich mit den Beobachtungstatsachen fast aus- 
nahmslos solche von Küstenorten zur Verfügung stehen, die immer mehr oder 
minder lokal beeinflußt sind und anderseits die Rechnungen an sich nur in grober 
Annäherung richtig sein können, hat es keinen Sinn, die Reibungseinflüsse als 
Einflüsse zweiter Ordnung genauer zu berücksichtigen. 
(Schluß fulgt.) 
Korrelationen der Sommertemperatur in Mitteleuropa mit den Luftdruck- 
verhältnissen voraufgehender Jahreszeiten in Süd- und Nordamerika. 
Von Walter Georgii, Frankfurt a. M. 
In einer früheren Arbeit dieser Zeitschrift (1923, S. 16) konnte ein Zu- 
sammenhang zwischen den sommerlichen Monsunregen in Nordwestindien und 
der Temperatur des nachfolgenden Winters in Mitteleuropa nachgewiesen werden. 
Weiterhin wurde in Anlehnung an die Beziehungen, welche die indischen Meteoro- 
logen zwischen dem Monsun und den Luftdruckverhältnissen in Südamerika 
festgestellt hatten, gezeigt, daß auch die Luftdruckabweichungen der Monate 
April und Mai in Argentinien mit den Temperaturabweichungen des nachfolgen- 
den Winters bei uns in Korrelation stehen. Es lag nunmehr nahe, zu prüfen, 
ob nicht auch ähnliche Beziehungen mit diesen Gebieten für die Sommertempera- 
turen von Europa aufgestellt werden können, Von vornherein war anzunehmen, 
daß ein Versuch, die winterlichen Witterungsverhältnisse von Vorderindien mit 
der Witterung des nachfolgenden Sommers in Europa zu verbinden, wenig Aus- 
sicht auf Erfolg versprechen würde. Dazu ist die Bedeutung, welche den indischen 
Witterungsverhältnissen im Winter als Glied der allgemeinen Zirkulation der 
Atmosphäre zukommt, im Vergleich zum Sommer zu geringfügig. Im Sommer 
liegt Nordwestindien nahezu im Brennpunkt der vorderasiatischen Zyklone und 
nimmt hierdurch mit seinem Windsystem entscheidenden Anteil an der allgemeinen 
Zirkulation der Atmosphäre. Im Winter ändern sich diese Verhältnisse. Nordwest- 
indien verliert an Bedeutung im allgemeinen Zirkulationssystem, da das ent- 
scheidende Aktionszentrum des asiatischen Windsystems in dieser Jahreszeit in 
Sibirien liegt. Es erschien deshalb als das Gegebene, an Stelle von Nordwest- 
indien eine Korrelation mit dem winterlichen Aktionszentrum von Sibirien zu 
versuchen, Nach einer von Prof. F. M. Exner freundlichst zur Verfügung ge- 
stellten 27 jährigen Reihe beträgt der Korrelationskoeffizient zwischen der Druck- 
abweichung der Monate Dezember bis Februar von Barnaul und der Tempera- 
turabweichung des nachfolgenden Sommers (Juni—August) von Frankfurt a. M. 
r = +0.149 mit einem wahrscheinlichen Fehler von f = +0.122. Diese Korre- 
Jlation ist sehr unbestimmt. Die Intensität des winterlichen asiatischen Aktions- 
zentrums ist also für die Temperaturverhältnisse des nachfolgenden Sommers in 
Mitteleuropa und damit zugleich wahrscheinlich auch für die Druckverhältnisse 
belanglos. In Analogie zu der früher gefundenen Beziehung geben jedoch die 
Druckverhältnisse von Argentinien auch mit den Sommertemperaturen von Mittel- 
europa einen brauchbaren Zusammenhang. Die Druckabweichungen von Buenos- 
Aires in den Monaten November— Februar stehen mit den Temperaturabwei- 
chungen von Frankfurt a. M. in den nachfolgenden Sommermonaten Juni bis 
August in positiver Korrelation. Der Korrelationsfaktor errechnet sich für diese 
Orte aus den Abweichungen der Jahre 1876 bis 1914 zu r = +0,30 mit einem 
wahrscheinlichen Fehler f= -4 0.09. Die Korrelation dürfte im Verhältnis zu 
dem Fehler groß genug sein, um als gesichert betrachtet zu werden. Benutzt 
man an Stelle von Buenos-Aires eine südlichere Station, etwa Punta-Arenas 
(1889—1916), so erhält man für die Druckabweichungen der Monate Dezember 
bis Februar und die Temperaturabweichungen von Frankfurt a. M. in den fol- 
venden Sommermonaten Juni— August einen etwas größeren Korrelationskoeffizient,
	        
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