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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Defant, A.: Die Gezeiten des Atlantischen Ozeans und des Arktischen Meeres. 165 
daß durch die Querschwingungen die Amphidromie auf der Südhemisphäre und 
und die schwach ausgebildete knapp nördlich des Äquators völlig verschwunden 
sind. Man erhält das Bild einer fortschreitenden Gezeitenwelle, wie es die Be- 
obachtungen geben. Hingegen ist die Amphidromie zwischen Europa und Nord- 
amerika verstärkt worden. Die Verhältnisse im Gebiete zwischen Grönland und 
Island einerseits, Island-—Schottland bzw. Südnorwegen anderseits sind kompli- 
ziert: aber das Vorhandensein einer Amphidromie ist sichergestellt. 
Die Beobachtungen im Arktischen Meere, die Harris in seinen Artic Tides 
sorgfältig zusammengestellt hat, stehen in befriedigender Übereinstimmung mit 
den theoretisch ermittelten Werten, 
Wenn wir zusammenfassen, können wir sagen: Die Mitschwingungsgezeit 
des ganzen langgestreckten Bassins mit den Meeresteilen am südlichen, offenen 
Ende des Kanals fixiert in erster Linie das äußere Bild der Gezeiten dieser 
Meere. Sechs Knotenlinien treten auf, die durch Einwirkung der ablenkenden 
Kraft der Erdrotation in Amphidromien umgewandelt werden, Zwei davon liegen 
im Arktischen Meere, die dritte bei den Fäeröer-Inseln, die vierte in etwa 45°N-Br. 
Tabelle 8. Längs- und Querschwingungen im Atlantischen Ozean, 
Ostseite 
JAmplitude| Phase 
cm Stunden 
Quer- — Westseite Ostseite 
schnitte Amplitude Phase j Amplitude Phase 
cm Stunden cm Stunden 
Quer- _ Westseite 
Schnitte 1Amplitude| Phase 
cm | Stunden 
20 
34 
33 
89 
4. 
83 
9 
38 
7° 
1 
10.2h 1,.3b 
0.7 1,7 
3.8 E 2,0 
5.1 55 2.8 
6.5 60 3.4 
7.0 7 4.0 
7. ) 5.0 
79 3 10.6 
84 73 11.1 
9.0 60 1.2 
9.9 92 | 08 
D.2 77 “221 
23 
9191 
„9 
100 
127 
113 
102 
7ö 
) 
1 
‚Ch 
144) 
122 
100 
98 
57 
1 117 
10.9 
9.9 
9.7 
95 
9.4 
9.0 
77 
23 419 
38 119 
8 102 
12 ] 52 | 0.0 
11 49 | 11.0 
Kö 
18 
i28 
130 
146 
‘52 
550 
140 
147 
2,2 
3.7 
A. 
) 
“„ 
8 
7 
26 
25 
4 
3 
5.0 
5.7 
7.1 
9.3 
11.1 
0.0 
0.8 
43 
49 
56 
zwischen Nordamerika und Europa. Diese vier Amphidromien werden durch die 
Querschwingungen zwischen Grönland—Nordamerika und Europa-— Afrika, die 
ziemlich bedeutende Amplituden aufweisen, noch verstärkt. Die weiteren zwei 
Amphidromien, die schwach ausgebildete, knapp nördlich des Äquators und die 
auf der Südhemisphäre, welche im Sinne des Uhrzeigers verlaufen müßte, kommen 
infolge der beträchtlichen Querschwingungen gar nicht zur Ausbildung. Was 
von ihnen übrig bleibt, ist bloß ein kleiner Rückgang der Hubhöhen und eine 
angedeutete Zusammendrängung der Flutstundenlinien in etwa 10° N-Br. und 
in 25° S-Br. Sonst nimmt hier die Gezeit den Charakter einer fortschreitenden 
Welle an. Es ist aber festzuhalten, daß die Ursache dieser Erscheinung in der 
Superposition der Längsschwingung und der Querschwingungen liegt. 
Ferrels Behauptung, daß eine Barre, durch den Ozeän hindurch zwischen 
Afrika und Südamerika aufgerichtet, die Atlantischen Gezeiten kaum beeinflussen 
würde, ist demnach gewiß unhaltbar; in der Mitschwingungsgezeit liegt gerade 
die Haupterscheinung. Die Impulse zu dieser Schwingung kommen durch das 
offene, breite Tor im Süden. Schwingungen transversal zum Ozean modifizieren 
sie namentlich im südhemisphärischen und äquatorialen Teil ganz bedeutend, 
vermögen aber doch nicht der Gezeit den Charakter von Transversalschwingungen 
aufzuzwingen, 
In den durchgeführten Rechnungen wurde die Reibung nicht berück- 
sichtigt. Die große Tiefe der betrachteten Meere läßt erwarten, daß die Wirkung 
der Reibung nicht sehr groß sein wird, so daß ihre nähere Berücksichtigung die 
Haupterscheinung — und auf die kommt es uns hier nur an — nicht wesentlich 
zu ändern imstande wäre. Namentlich wird die Lage der Amphidromien durch
	        
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