Defant, A.: Die Gezeiten des Atlantischen Ozeans und des Arktischen Meeres. 165
daß durch die Querschwingungen die Amphidromie auf der Südhemisphäre und
und die schwach ausgebildete knapp nördlich des Äquators völlig verschwunden
sind. Man erhält das Bild einer fortschreitenden Gezeitenwelle, wie es die Be-
obachtungen geben. Hingegen ist die Amphidromie zwischen Europa und Nord-
amerika verstärkt worden. Die Verhältnisse im Gebiete zwischen Grönland und
Island einerseits, Island-—Schottland bzw. Südnorwegen anderseits sind kompli-
ziert: aber das Vorhandensein einer Amphidromie ist sichergestellt.
Die Beobachtungen im Arktischen Meere, die Harris in seinen Artic Tides
sorgfältig zusammengestellt hat, stehen in befriedigender Übereinstimmung mit
den theoretisch ermittelten Werten,
Wenn wir zusammenfassen, können wir sagen: Die Mitschwingungsgezeit
des ganzen langgestreckten Bassins mit den Meeresteilen am südlichen, offenen
Ende des Kanals fixiert in erster Linie das äußere Bild der Gezeiten dieser
Meere. Sechs Knotenlinien treten auf, die durch Einwirkung der ablenkenden
Kraft der Erdrotation in Amphidromien umgewandelt werden, Zwei davon liegen
im Arktischen Meere, die dritte bei den Fäeröer-Inseln, die vierte in etwa 45°N-Br.
Tabelle 8. Längs- und Querschwingungen im Atlantischen Ozean,
Ostseite
JAmplitude| Phase
cm Stunden
Quer- — Westseite Ostseite
schnitte Amplitude Phase j Amplitude Phase
cm Stunden cm Stunden
Quer- _ Westseite
Schnitte 1Amplitude| Phase
cm | Stunden
20
34
33
89
4.
83
9
38
7°
1
10.2h 1,.3b
0.7 1,7
3.8 E 2,0
5.1 55 2.8
6.5 60 3.4
7.0 7 4.0
7. ) 5.0
79 3 10.6
84 73 11.1
9.0 60 1.2
9.9 92 | 08
D.2 77 “221
23
9191
„9
100
127
113
102
7ö
)
1
‚Ch
144)
122
100
98
57
1 117
10.9
9.9
9.7
95
9.4
9.0
77
23 419
38 119
8 102
12 ] 52 | 0.0
11 49 | 11.0
Kö
18
i28
130
146
‘52
550
140
147
2,2
3.7
A.
)
“„
8
7
26
25
4
3
5.0
5.7
7.1
9.3
11.1
0.0
0.8
43
49
56
zwischen Nordamerika und Europa. Diese vier Amphidromien werden durch die
Querschwingungen zwischen Grönland—Nordamerika und Europa-— Afrika, die
ziemlich bedeutende Amplituden aufweisen, noch verstärkt. Die weiteren zwei
Amphidromien, die schwach ausgebildete, knapp nördlich des Äquators und die
auf der Südhemisphäre, welche im Sinne des Uhrzeigers verlaufen müßte, kommen
infolge der beträchtlichen Querschwingungen gar nicht zur Ausbildung. Was
von ihnen übrig bleibt, ist bloß ein kleiner Rückgang der Hubhöhen und eine
angedeutete Zusammendrängung der Flutstundenlinien in etwa 10° N-Br. und
in 25° S-Br. Sonst nimmt hier die Gezeit den Charakter einer fortschreitenden
Welle an. Es ist aber festzuhalten, daß die Ursache dieser Erscheinung in der
Superposition der Längsschwingung und der Querschwingungen liegt.
Ferrels Behauptung, daß eine Barre, durch den Ozeän hindurch zwischen
Afrika und Südamerika aufgerichtet, die Atlantischen Gezeiten kaum beeinflussen
würde, ist demnach gewiß unhaltbar; in der Mitschwingungsgezeit liegt gerade
die Haupterscheinung. Die Impulse zu dieser Schwingung kommen durch das
offene, breite Tor im Süden. Schwingungen transversal zum Ozean modifizieren
sie namentlich im südhemisphärischen und äquatorialen Teil ganz bedeutend,
vermögen aber doch nicht der Gezeit den Charakter von Transversalschwingungen
aufzuzwingen,
In den durchgeführten Rechnungen wurde die Reibung nicht berück-
sichtigt. Die große Tiefe der betrachteten Meere läßt erwarten, daß die Wirkung
der Reibung nicht sehr groß sein wird, so daß ihre nähere Berücksichtigung die
Haupterscheinung — und auf die kommt es uns hier nur an — nicht wesentlich
zu ändern imstande wäre. Namentlich wird die Lage der Amphidromien durch