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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Defant, A.: Die Gezeiten des Atlantischen Ozeans und des Arktischen Meeres. 159 
Querschnitt 35 hat, wie sich aus den Beobachtungen an der Südspitze Afrikas 
und an der südlichen Küste von Südamerika sowie auf den Falklandsinseln und 
Südgeorgien schließen läßt, eine Amplitude von rund %” =— 60 cm mit einer Phase 
von 0.0 Gr. Zeit. Die Mitschwingungsgezeit wird somit für die Gezeitenvorgänge 
im ganzen Atlantischen Ozean von ausschlaggebender Bedeutung sein. 
Selbständige Gezeit. Neben der Mitschwingungsgezeit kommt als Längs- 
schwingung noch die durch die in der Richtung der Längsachse des Kanals 
wirkenden fluterzeugenden Kräfte direkt erzeugte Eigengezeit in Betracht, Zu 
ihrer näheren Berechnung benötigen wir die Größe dieser Kraft für jeden Punkt 
der Mittelachse des Kanals. Diese Mittelachse ist vornehmlich von Norden gegen 
Süden gerichtet; es kommt also vor allem die Nord-Südkomponente der flut- 
erzeugenden Kräfte in Betracht, Es ist natürlich nicht sehr genau, wenn wir 
bei der Berechnung der Eigengezeit überhaupt nur diese Komponente benutzen 
und auch nicht sehr genau, wenn wir ihr eine Phase geben, die dem mittleren 
Meridian des ganzen Kanals entspricht. Wenn wir uns trotzdem bei dieser 
Gezeitenkomponente mit dieser rohen Annäherung begnügen, so hat dies darin 
seinen Grund, daß die selbständige Gezeit fast überall gegenüber der Mit- 
schwingungsgezeit zurücktritt und die genaue Berücksichtigung der fluterzeugenden 
Kräfte trotz umfangreicher Rechnungen keine wesentliche Änderung der Ver- 
hältnisse gebracht hätte. Wie die Rechnung durchzuführen gewesen wäre, wird 
im Falle der eintägigen Gezeit gezeigt werden; denn dort ist ihre genaue Er- 
mittlung erforderlich. 
Die gegen Süden wirkende Komponente der fluterzeugenden Kraft hat die 
Größe!) X=f sin @ cos @ cos ch Die Phase ist, bezogen auf den mittleren 
Meridian des Kanals, 0.0*; die Periode 12 Mondstunden. Als mittleren Meridian 
des Kanals können wir jenen von 20° westl. v. Gr. wählen, so daß die Phase der 
Kraft, bezogen auf den Meridiandurchgang des Mondes in Greenwich, dann 1,3% 
beträgt. Zur schrittweisen Berechnung der selbständigen Gezeit dienen Gilei- 
chungen ähnlich jenen der Form 1, nur kommt zur rechten Seite der ersten 
Gleichung noch ein Glied der Form 8 = + Zn hinzu, wobei x die Amplitude der 
Kraft bedeutet, in unserem Falle f cos @ sin g. Zur genauen Berechnung des 
Verlaufes der Amplituden von & und ” dienen dann Gleichungen, die analog den 
Gleichungen 2 sind und folgendermaßen lauten: 
(352 = — nn (dı + (m + TE + nl mat und = 
S(! +78) 
Die zu erfüllenden Grenzbedingungen sind, daß am geschlossenen Ende 
(Querschnitt 0) &5=0 und am offenen Ende (Querschnitt 35) = 0 ist, Das q 
am Querschnitt 0 muß so gewählt werden, daß auch die zweite Bedingung am 
Schluß der Rechnung erfüllt ist. Die Rechnung kann, wenn man nicht Glück 
hat, sehr langwierig werden, Man findet bei der Annahme am Querschnitt 0 
&=0und 7 = + 15.0 cm + 5.0 cm — 5.0 cm — 27.0 cm 
am Querschnitt 355 % = + 26.5 cm + 19.9 + 14.0 + 83.5cm. Die letzte An- 
nahme kommt der zu erfüllenden Grenzbedingung schon sehr nahe und, da wir 
ohnehin die Kraft nicht sehr genau in unsere Rechnung eingeführt haben, wollen 
wir- uns mit dieser Annäherung begnügen. Diese selbständige Gezeit steht in 
Tabelle 4. Knotenlinien treten auf in der Nähe der Querschnitte 4, 10, 15, 24, 
31 und 35, Ihre Zahl ist somit die gleiche wie bei der Mitschwingungsgezeit; 
während aber die Lage der innersten Knotenlinien mit jenen der Mitschwingungs- 
gezeit fast übereinstimmen, verschieben sich die der äußeren gegenüber der 
Mitschwingungsgezeit immer mehr, stellenweise bis um eine Viertelwellenlänge, 
Die Amplitude der selbständigen Gezeit ist relativ klein; die größten Werte findet 
man am geschlossenen, inneren Ende (27 cm); in den folgenden Wellenzügen 
sinkt sie aber auf rund 15 cm im Maximum. Die Amplitude der Mitschwingungs- 
gezeit ist durchschnittlich viermal größer. 
1) „Untersuchungen“, I. Teil, Seite 26
	        
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