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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Kleinere Mitteilungen, 
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Brennecke schätzt die mittlere Ungenauigkeit seiner Temperaturmessungen 
während der „Deutschland“-Fahrt auf -+- 0.02°; Koefoed nimmt an, daß die meisten 
Messungen von der „Belgica“-Reise in das Grönlandmeer 1905 sogar um nur -+ 0.01° 
unsicher sind. Für die meisten ozeanographischen Zwecke reicht eine derartige 
Genauigkeit völlig aus; nur in Ausnahmefällen, z. B. bei der Beurteilung der 
Stabilitätsverhältnisse in großen Meerestiefen, kann die Tatsache störend wirken, 
daß eine Unsicherheit der Temperatur von -+0.01° eine Unsicherheit in der 
Dichte von -+- 0.00001 möglich macht. (Die Ungenauigkeit der Dichteberechnung 
infolge ungenauer Salzgehaltsbestimmung sei hier nicht erörtert.) Für eine 
weitere Vervollkommnung der Kippthermometer gibt E. Schottländer in einer 
Untersuchung „Über regelmäßige Schätzungsfehler und die sie erzeugenden 
Faktoren“ (Zeitschrift für Instrumentenkunde, 1923, S. 365{ff.) wertvolle Hin- 
weise; die Skala des Hauptthermometers ist nach Schottländer der 
Verbesserung noch ebenso bedürftig wie fähig. Die Ermittelung einer 
„Grundkurve“ für die Verteilung der Ablesefehler atıs etwa 650 Ablesungen 
mehrerer Beobachter am Kippthermometer führte zu dem Schluß, daß in reichlich 
40%, der Fälle die Bestimmung völlig richtig war, daß die Anzahl der Ver- 
schätzungen um 0.02° annähernd 10%, die der Falschschätzungen um 0.03° etwa 
0.1°%, der sämtlichen Ablesungen betrug. (Offenbar handelt es sich um Messungen 
im Laboratorium; für Messungen auf See dürften sich etwas ungünstigere Ver- 
hältnisse ergeben.) Die Schätzungen werden durch die Intervallbreite in Ver- 
bindung mit der Strichstärke beeinflußt; Schottländer fand beim Hauptthermo- 
meter die Strichbreite zu groß im Verhältnis zur Intervallbreite (etwa 1:8). 
Auch die übliche Ableselupe hält er, weil zu stark verzerrend, für ungenügend. 
Der Hauptnachteil wird aber in dem Umstande gefunden, daß Zehntel- 
schätzungen erforderlich sind. Nach den von ihm diskutierten Unter- 
suchungen an meteorologischen Thermometern hält Schottländer ein (horizon- 
tales) Thermometer mit angemessener Intervallbreite und Strichstärke, dessen 
Skalenteilung Fünftelschätzung bedingt, für sehr vorteilhaft. Das würde für 
das Richtersche Kippthermometer Teilung in 0.05° statt wie bisher in 0.1° be- 
deuten. Diese Teilung ist bei den üblichen von —2 bis 20, ja 30° reichenden 
Skalen nicht durchführbar, ohne daß die Thermometer in unbequemer Weise 
verlängert werden. Als Ausweg bietet sich die Herstellung von Thermometern 
mit verschiedenem Meßbereich (etwa zwischen —2 und 8°, 7 und 17° usw.). 
Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß die von dem Unterzeichneten 
im Jahrgang 1923 dieser Zeitschrift (S. 273ff., Tafel 12 und 18) veröffentlichten 
Hilfstafeln gestatten, die Berichtigung, die an der Ablesung in den meisten 
Fällen wegen des Temperaturunterschiedes zwischen Wasser und Luft anzu- 
bringen ist, stets bis auf die zweite Dezimale genau zu finden. Es besteht also 
die Möglichkeit, die angestrebte technische Verbesserung voll auszuwerten. 
Schließlich sei darauf hingewiesen, daß die thermometrische Tiefenmessung durch 
eine derartige Verfeinerung der Instrumente beträchtlich an Genauigkeit ge- 
winnen würde. Ist die Temperaturbestimmung sowohl beim geschützten wie 
beim ungeschützten Thermometer bis auf die zweite Dezimale, d. h. bis auf 
+ 0.005° genau, hat also die Differenz zwischen den Einstellungen der beiden 
Thermometer einen Fehler von höchstens -0.01°, so ergibt sich für die Un- 
sicherheit der Tiefenbestimmung infolge der Ablesungsungenauigkeit der Wert 
40.8 bis 1.4 m (vgl. die Ausführungen des Unterzeichneten a. a. O. S. 276). 
Da dieser Fehler umgekehrt proportional dem Druckkoeffizienten des unge- 
schützten Thermometers ist, so empfiehlt es sich übrigens, vor allem für geringere 
Tiefen, Instrumente mit großem Druckkoeffizienten zu verwenden. 
A. Schumacher. 
3, Doutscher Wirtschaftsbund für Schiffbau und Schiffahrt. Zur Wahr- 
nehmung der wirtschaftlichen Interessen aller in Schiffbau und Schiffahrt tätigen 
Kreise ist mit dem Sitz in Berlin W30, Maaßenstraße 17, eine Vereinigung 
‘) In 1/0° eingeteilte Wasserthermometer von Richter sind übrigens seit langem bei den 
finnischen hydrographischen Fahrten in Gebrauch, anscheinend aber als Eintauchthermometer beim 
Nansen-Pettersson- Wasserschöpfer.
	        
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