Kleinere Mitteilungen.
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dazu die Zahl der Fälle) kartographisch wiedergegeben werden, Das ist auf
einer Karte natürlich nicht möglich. Je nach dem beabsichtigten Zweck wird
man sich bei der Darstellung auf den einen oder anderen Faktor beschränken
und so mehrere Karten nebeneinander gebrauchen,
Der praktische Seemann z. B. benötigt vor allem die Wind- und: Strom-
angaben in der unter 5 und 6 angegebenen Form der Verarbeitung, also die
Karten mit den Wind- bzw. Stromrosen für die einzelnen Gradfelder oder Orte,
möglichst ausführlich. mit Angabe der Zahl der Stillen, der Extreme. Diese
Karten, wie sie für die Praxis allgemein in Gebrauch sind, lassen am ehesten
einen Schluß auf den Einzelfall an Ort und Stelle zu; sie werden deshalb immer
ihren Wert behalten und unentbehrlich sein.
Zur Erlangung eines allgemeinen Überblicks über die Strömungen ist diese
Darstellungsform wegen ihrer Ausführlichkeit wenig geeignet. Ein besseres Bild
für diesen Zweck bekomme ich, wenn ich die mittlere Stromrichtung allein als
Strompfeil an den betreffenden Stellen in die Karte eintrage und die Stärke und
Beständigkeit durch Verschiedenheiten im Ausziehen der Pfeile (verschiedene
Dicke, Länge) kennzeichne. Auch diese Darstellung ‚bringt wie die erstere in
völlig objektiver Weise die Ergebnisse der rein statistischen Bearbeitung.
In obigen beiden Fällen habe ich ein unstetiges Bild der Luft- bzw. Meeres-
strömungen. Anschaulicher ist zweifellos eine stetige Darstellungsform. Das
Musterbeispiel hierfür sind die wertvollen Windkarten für die Ozeane von Köppen;
diese sind überaus instruktiv und prägen sich vorzüglich dem Gedächtnis ein.
Köppen benutzt hier die Methode der in Form von Stromlinien kontinuierlich
hintereinander laufenden Pfeilscharen; hierbei wird eine Interpolation zwischen
den ursprünglich gegebenen Strompfeilen nötig, die Pfeile selbst werden zum Teil
gekrümmt gezeichnet, Köppen benutzt die „vorherrschende“ Windrichtung und
die skalare mittlere Geschwindigkeit (wobei das Maß der Beständigkeit willkürlich
festgesetzt ist). Seine Karten zeigen, wie unentbehrlich die Darstellung der
skalaren Geschwindigkeit ist, um die durch die verschiedene Stärke der all-
gemeinen Luftbewegung charakterisierten Zonen voneinander deutlich abzuheben.
Für die Meeresströmungen benutzen G. Michaelis und Hans H. F. Meyer eine
ganz ähnliche Methode der Pfeilscharen!); sie legen jedoch die resultierende
Wasserversetzung zugrunde nach Richtung, Stärke und Beständigkeit, entsprechend
obigen Faktoren 1—83. Die Herstellung von Karten der mittleren Wasser- bzw.
Luftversetzung ist zweifellos ein wissenschaftliches Erfordernis. Durch den zu-
nächst ungewohnten Anblick, welcher dadurch entsteht, daß nun nicht die Gebiete
mit großer skalarer, sondern diejenigen mit großer vektorieller Stromgeschwin-
digkeit — bzw. mit großer Beständigkeit, die ja proportional mit letzterer wächst —
sich herausheben, darf man sich nicht stören lassen.
Die Methode der Pfeilscharen ist erst der halbe Schritt zu einer stetigen
Darstellung der Luft- und Meeresströmungen. Gerade so, wie wir allgemein bei
den meteorologischen und ozeanographischen Elementen gewohnt sind, die geo-
graphische Verteilung durch Gleichheits- (Iso-) Linien darzustellen, so ist es ‚auch
bei der. mittleren Luft- und Wasserbewegung das Ziel, die einzelnen Strömungs-
elemente in dieser Form kartographisch festzulegen: die Richtung also durch
Isogonen oder durch Stromlinien, die Stärken durch Isodynamen, die Beständig-
keit durch Linien gleicher Beständigkeit, welche etwa mit Isosymmenen bezeichnet
werden könnten?). Die Stromlinienmethode ist bereits vorzüglich durchgearbeitet,
vor allem durch V. Bjerknes und seine Schule. Die Stromlinien und Isodynamen
auf Grund der Massenversetzung sind für theoretische Betrachtungen vor allem
nötig, aber die Linien gleicher Beständigkeit und die Isodynamen der Skalar-
geschwindigkeit dürfen bei einer ausreichenden Darstellung ebenfalls nicht fehlen.
Da schon Karten mit zwei verschiedenen Kurvenzügen schwer übersichtlich sind,
müssen wir also auch hier mehrere Karten haben.
1) Veröffentlichungen des Instituts für Meereskunde, Neue Folge, Reihe A, Heft 8 und 11,
Berlin 1923.
2?) Von ovuudverv = beständig sein.