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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Kleinere Mitteilungen. 
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dazu die Zahl der Fälle) kartographisch wiedergegeben werden, Das ist auf 
einer Karte natürlich nicht möglich. Je nach dem beabsichtigten Zweck wird 
man sich bei der Darstellung auf den einen oder anderen Faktor beschränken 
und so mehrere Karten nebeneinander gebrauchen, 
Der praktische Seemann z. B. benötigt vor allem die Wind- und: Strom- 
angaben in der unter 5 und 6 angegebenen Form der Verarbeitung, also die 
Karten mit den Wind- bzw. Stromrosen für die einzelnen Gradfelder oder Orte, 
möglichst ausführlich. mit Angabe der Zahl der Stillen, der Extreme. Diese 
Karten, wie sie für die Praxis allgemein in Gebrauch sind, lassen am ehesten 
einen Schluß auf den Einzelfall an Ort und Stelle zu; sie werden deshalb immer 
ihren Wert behalten und unentbehrlich sein. 
Zur Erlangung eines allgemeinen Überblicks über die Strömungen ist diese 
Darstellungsform wegen ihrer Ausführlichkeit wenig geeignet. Ein besseres Bild 
für diesen Zweck bekomme ich, wenn ich die mittlere Stromrichtung allein als 
Strompfeil an den betreffenden Stellen in die Karte eintrage und die Stärke und 
Beständigkeit durch Verschiedenheiten im Ausziehen der Pfeile (verschiedene 
Dicke, Länge) kennzeichne. Auch diese Darstellung ‚bringt wie die erstere in 
völlig objektiver Weise die Ergebnisse der rein statistischen Bearbeitung. 
In obigen beiden Fällen habe ich ein unstetiges Bild der Luft- bzw. Meeres- 
strömungen. Anschaulicher ist zweifellos eine stetige Darstellungsform. Das 
Musterbeispiel hierfür sind die wertvollen Windkarten für die Ozeane von Köppen; 
diese sind überaus instruktiv und prägen sich vorzüglich dem Gedächtnis ein. 
Köppen benutzt hier die Methode der in Form von Stromlinien kontinuierlich 
hintereinander laufenden Pfeilscharen; hierbei wird eine Interpolation zwischen 
den ursprünglich gegebenen Strompfeilen nötig, die Pfeile selbst werden zum Teil 
gekrümmt gezeichnet, Köppen benutzt die „vorherrschende“ Windrichtung und 
die skalare mittlere Geschwindigkeit (wobei das Maß der Beständigkeit willkürlich 
festgesetzt ist). Seine Karten zeigen, wie unentbehrlich die Darstellung der 
skalaren Geschwindigkeit ist, um die durch die verschiedene Stärke der all- 
gemeinen Luftbewegung charakterisierten Zonen voneinander deutlich abzuheben. 
Für die Meeresströmungen benutzen G. Michaelis und Hans H. F. Meyer eine 
ganz ähnliche Methode der Pfeilscharen!); sie legen jedoch die resultierende 
Wasserversetzung zugrunde nach Richtung, Stärke und Beständigkeit, entsprechend 
obigen Faktoren 1—83. Die Herstellung von Karten der mittleren Wasser- bzw. 
Luftversetzung ist zweifellos ein wissenschaftliches Erfordernis. Durch den zu- 
nächst ungewohnten Anblick, welcher dadurch entsteht, daß nun nicht die Gebiete 
mit großer skalarer, sondern diejenigen mit großer vektorieller Stromgeschwin- 
digkeit — bzw. mit großer Beständigkeit, die ja proportional mit letzterer wächst — 
sich herausheben, darf man sich nicht stören lassen. 
Die Methode der Pfeilscharen ist erst der halbe Schritt zu einer stetigen 
Darstellung der Luft- und Meeresströmungen. Gerade so, wie wir allgemein bei 
den meteorologischen und ozeanographischen Elementen gewohnt sind, die geo- 
graphische Verteilung durch Gleichheits- (Iso-) Linien darzustellen, so ist es ‚auch 
bei der. mittleren Luft- und Wasserbewegung das Ziel, die einzelnen Strömungs- 
elemente in dieser Form kartographisch festzulegen: die Richtung also durch 
Isogonen oder durch Stromlinien, die Stärken durch Isodynamen, die Beständig- 
keit durch Linien gleicher Beständigkeit, welche etwa mit Isosymmenen bezeichnet 
werden könnten?). Die Stromlinienmethode ist bereits vorzüglich durchgearbeitet, 
vor allem durch V. Bjerknes und seine Schule. Die Stromlinien und Isodynamen 
auf Grund der Massenversetzung sind für theoretische Betrachtungen vor allem 
nötig, aber die Linien gleicher Beständigkeit und die Isodynamen der Skalar- 
geschwindigkeit dürfen bei einer ausreichenden Darstellung ebenfalls nicht fehlen. 
Da schon Karten mit zwei verschiedenen Kurvenzügen schwer übersichtlich sind, 
müssen wir also auch hier mehrere Karten haben. 
1) Veröffentlichungen des Instituts für Meereskunde, Neue Folge, Reihe A, Heft 8 und 11, 
Berlin 1923. 
2?) Von ovuudverv = beständig sein.
	        
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