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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1924, 
Kleinere Mitteilungen. 
1. Zur Darstellung der mittleren Luft- und Meeseresströmungen. Für 
eine ausreichende Darstellung der mittleren Bewegung von Wasser und Luft ist 
die Berechnung und graphische Wiedergabe folgender Faktoren notwendig: 
1. Die mittlere Stromrichtung, 2. die mittlere Stromgeschwindigkeit in dieser 
Richtung, 3. die Beständigkeit der Strömung, 4, die durchschnittliche Strom- 
stärke überhaupt, berechnet ohne Rücksicht auf die Richtung, 5. die (prozentische) 
Häufigkeit der im Laufe der Beobachtungszeit vorgekommenen verschiedenen 
Richtungen, 6. die mittlere Geschwindigkeit in diesen einzelnen Richtungen, 
Solange die Zahl der Beobachtungen unzureichend ist, muß diese schließlich zur 
Beurteilung der Sicherheit des Ergebnisses angegeben werden. 
Die unter 1 und 2 genannten Stromelemente sind vektoriell berechnet 
unter Zugrundelegung der Vektoreigenschaft der Luft- bzw. Wasserbewegung; 
diese. Werte geben also die Versetzung der Luft- bzw. Wassermassen nach 
Richtung und Stärke. Im Gegensatz hierzu ist die aus 5 zu entnehmende „vor- 
herrschende“ Strömungsrichtung gefunden ohne Rücksicht auf die Stärke und 
die unter 4 genannte Strömungsgeschwindigkeit ohne Rücksicht auf die ver- 
schiedenen Richtungen ‘der einzelnen Beobachtungsfälle, 2 ist die vektorielle 
(geometrische), 4 die skalare (arithmetische) mittlere Geschwindigkeit. Als 
Quotient von 2 und 4, also durch Division des vektoriellen durch das skalare 
Geschwindigkeitsmittel ergibt sich das unter 3 genannte Element der Strömungs- 
beständigkeit. Letztere schwankt zwischen 0 und 1; sie ist = 0, wenn die 
einzelnen Stromrichtungen in der betrachteten Zeit so gegensätzlich waren, daß 
die resultierende Gesamtversetzung = 0 wird, sie ist = 1, wenn die Strömung 
immer dieselbe Richtung hatte. Der Einfachheit halber wird die Beständigkeit 
am besten in Prozent ausgedrückt. 
Eine mittlere Strömung kann auf die verschiedenste Weise zustande 
kommen, sie kann während des Beobachtungszeitraumes etwa stationär so vor- 
handen, sie kann aber auch. den größten und mannigfaltigsten Schwankungen 
unterworfen gewesen sein. Die Beständigkeit gibt das streng definierte Maß 
dieser Schwankungen; die Darstellung dieses sehr wichtigen Stromelementes ist 
unerläßlich. Allgemein gibt ja in der Meteorologie und Ozeanographie erst 
Mittelwert und Variabilität eine ausreichende Vorstellung. Die Beständigkeit 
gibt das quantitative Maß; um eine Vorstellung von der Art der Streuung zu 
bekommen, ist die Kenntnis der Faktoren 5 und 6 notwendig, also der Häufig- 
keit und Geschwindigkeit der einzelnen verschiedenen Richtungen, 
Die Faktoren 1 und 2 geben der Größe nach die Richtung und Stärke 
der mittleren Strömungen, die Faktoren 3—6 sagen das Erforderliche aus über 
den Charakter der Strömungen. Bei Angabe dieser 6 Faktoren ist der not- 
wendige unmittelbare Vergleich möglich zwischen der mittleren Versetzungs- 
richtung und der aus 5 sich ergebenden „vorherrschenden“ Richtung. Beide 
werden, besonders wenn die Strömung stark und beständig ist, gut überein- 
stimmen; jedoch können bei schwacher oder sehr unbeständiger Strömung diese 
Richtungen durchaus verschieden sein. In extremen Fällen kann vielleicht die 
resultierende Versetzungsrichtung niemals so im konkreten Einzelfall verwirklicht 
gewesen sein, so daß sie nur ein Rechenergebnis darstellt. — Notwendig ist 
auch, um falsche Vorstellungen zu vermeiden, ein unmittelbarer Vergleich 
zwischen der vektoriell berechneten und der skalar gemittelten Geschwindigkeit. 
Denn Gebiete mit gleicher Versetzungsgeschwindigkeit können, wie schon betont, 
ihrem Charakter nach gänzlich verschieden sein dadurch, daß das eine eine 
starke, aber sehr veränderliche, das andere eine schwache, aber sehr beständige 
Bewegung hat. Und schließlich ist die Angabe der Zahl der Beobachtungen er- 
forderlich, einmal zur relativen Beurteilung der Sicherheit der Ergebnisse, dann 
auch, weil die Beständigkeit ihrem absoluten Wert nach eine Funktion der Zahl 
der Fälle ist, 
. Bei der graphischen Darstellung müssen also, wenn man ein vollständiges 
Bild der Luft- und Meeresströmungen geben will, die obigen 6 Faktoren (und
	        
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