Gadow, H.: Über Lotröhren und Versuche mit Tiefenmessern. 145
den oberen Quersteg des Gestänges wird der Tiefenmesser eingehakt, mit dem unteren
Quersteg wird die Verbindung durch einen einzusteckenden Stift mit Riegel hergestellt.
Die Feststellung der Skala erfolgt in der Weise, daß zunächst durch ge-
naue Messung der Inhalt V des Tiefenmessers festgestellt und dann für jede auf
dem Maßstabe zu verzeichnende Tiefe das Volumen v, das die Luft vom Volumen V
bei dem der Tiefe entsprechenden Druck einnehmen muß, nach der Formel
= ON: berechnet wird, In dieser Formel bedeutet t die Tiefe, oc = 1.018
113.506 die. Wasserdichte im Mittel zwischen Nord- und Ostseewasser, b den
) auf 0°C reduzierten Barometerstand von 760 mm. Zur praktischen
Nachprüfung der errechneten Skala steht ein Lotschacht von 20 m Tiefe zur
Verfügung; hier könnte z. B. an drei von den Ascaniawerken, Bambergwerk-
Friedenau hergestellten, also nicht aptierten Tiefenmessern festgestellt werden,
daß die Lotungen bis auf den Millimeter mit der vorher errechneten Skala über-
einstimmten. Bei den Vorversuchen in Fahrt von Bord eines Torpedobootes aus
wurde jedoch ein mit wachsender Tiefe abnehmendes Nachbleiben der Tiefen-
angaben gegen die Skala festgestellt. Zur Erklärung dieser Unstimmigkeiten
muß man die Vorgänge beim Loten im Schacht und in Fahrt gegenüberstellen.
[m Schacht fällt das Lot schneller als dies in Fahrt infolge der Reibung des
Drahtes im Wasser möglich ist; nach dem Stoppen in der gewünschten Tiefe
wird es sofort wieder aufgeholt und der Tiefenmesser zeigt die erreichte Tiefe
genau an. Das bei dem senkrechten, ungestörten Fall am besten wirkende Auf-
stauen des Wassers durch Kolben und Zylinder oberhalb des Einflußkanals er-
möglicht den glatten Wasserzutritt, Fällt das Lot dagegen vom fahrenden Schiff
aus, so muß es im Vergleich zum senkrechten Fall viel mehr Lotdraht abwickeln,
da dieser und das Lot durch den Wasserwiderstand in geneigte Lage kommen.
Der Lotdraht bildet eine nach unten konkave Kurve, und erst in größerer Tiefe
fällt das Lot in senkrechterer Lage und gleichmäßiger, ähnlich wie im Lot-
schacht. In den oberen Schichten aber wird sowohl wegen der geneigten Lage
des Lotes, der unregelmäßigeren Wasserbewegungen, besonders noch in Schiffsnähe
und der absolut größeren Wassermengen, die für jedes Meter Tiefe einströmen
müssen, der Wasserzutritt verhältnismäßig stärker gehemmt als in größerer Tiefe,
Diese Verzögerung verlief nach den Beobachtungen ziemlich gleichmäßig
und konnte daher mit in die Skala einbezogen werden, was dann unter gleich-
zeitiger Berücksichtigung des Abstandes zwischen Lotfuß und Einflußkanal des
Tiefenmessers geschah, so daß die Skala jetzt direkt die Tiefe über Grund beim
Loten in Fahrt angibt.
Die im Sommer 1923 vorgenommenen Erprobungen auf mehreren Schiffen
der Reichsmarine haben in ihren Ergebnissen nur teilweise befriedigt, der Um-
stand jedoch, daß einige Tiefenmesser einwandfrei, zum Teil sehr gut gearbeitet
haben, andere dagegen ungleichmäßig, läßt darauf schließen, daß die technische
Ausführung nicht gleichmäßig war und verbessert werden muß. Ein durch-
schlagender Erfolg wäre wohl zu.erzielen, wenn man sich von den Glasrohren
und Gummidichtungen ganz frei machen und zu einem Meßraum kommen könnte,
der genau gearbeitet für jedes Instrument gleiches Volumen und somit gleiche
Skala ergibt und der ohne Anwendung von Gummi gedichtet werden kann.
Hierbei könnte dann noch eine Verbesserung der Skala in der Weise erzielt
werden, daß durch entsprechende Formgebung des Meßraumes die Skala für
größere Tiefen auseinandergezogen wird, so daß auch hier genauere Messungen
möglich werden. Die Abbildung von Maßstäben auf Taf. 11 zeigt rechts eine
solche Skala für einen Tiefenmesser von 84 ccm Inhalt und links daneben eine
solche für den gleichen Inhalt bei Verwendung von Glasrohr. Letztere ist von
10 bis 200 m 352 mm lang, erstere dagegen 375 mm; für die Tiefen von 60 bis
200 m sind die Maße 69 bzw. 99 mm, also ein bedeutender Vorteil. Zur Hervor-
hebung der Überlegenheit der Tiefenmesser gegen Lotröhren bezüglich der Ab-
lesungsgenauigkeit sind deren Maßstäbe daneben abgebildet.
Ein solcher Tiefenmesser mit prismatoidischem Meßraum ist in Arbeit, um
bei der Fortsetzung der Versuche mit erprobt zu werden,