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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Gadow, H.: Über Lotröhren und Versuche mit Tiefenmessern, 143 
Wasser und zum geringen Teil wohl auch die durch den Stoß des Lotes auf den 
Grund bedingten Fehler vermieden. Der Einfluß der Hartgummieinlage ist 
bereits vorher erwähnt. Beim Loten selbst achte man auf immer gleichmäßiges 
Ablaufen des Drahtes und stoppe die Bremse sofort, wenn mit dem Taster auf 
dem Draht die Grundberührung gefühlt wird, 
2. Tiefenmesser. 
Die Unsicherheit des Lotröhrenverfahrens, seine Kostspieligkeit und nicht 
zum wenigsten der bei größeren Tiefen sehr enge Maßstab haben schon früh- 
zeitig zu Versuchen geführt, Tiefenmesser zu konstruieren, die immer wieder 
gebraucht werden können. Da ein solches Instrument wohl durchschnittlich den 
Preis von 100 Lotröhren ausmacht, so ist vielfach eingewendet worden; daß 
durch Verluste infolge Drahtbruchs es selten dazu kommen dürfte, daß sich der 
Tiefenmesser bezahlt macht. Für die alte Thomsonsche Lotmaschine mit ihrem 
Klaviersaitendraht .war dieser Einwand wohl berechtigt; da wurde am Schluß 
jeder Reise trotz der vorhanden gewesenen Reservelote wohl vielfach nur noch 
mit Roststäben gelotet. Die jetzigen Lotdrähte, aus mehreren Drahtlitzen be- 
stehend, geben bei guter Konservierung selten zu Verlusten Anlaß, falls nicht 
seitlich von der Brücke aus über eine Lotspier gelotet wird und dann bei Kurs- 
änderungen Drahtbruch durch die Schiffsschraube eintritt. Jedenfalls ist dies 
eine Sache der Aufmerksamkeit; bei den vielen Lotversuchen zur Erprobung von 
Lotröhren und Tiefenmessern mit Tausenden von Lotwürfen habe ich nicht einen 
Drahtbruch zu verzeichnen gehabt. 
Tiefenmesser sind in der Regel so konstruiert, daß durch Einflußkanäle, 
die teilweise seitlich angeordnet sind, Wasser in einen Meßraum eindringt und 
die darin enthaltene Luft dem Druck der Wassersäule entsprechend zusammen- 
drückt.. Beim Aufholen des Lotes dehnt sich die Luft wieder aus und der durch 
das eingeströmte Wasser überschüssig gewordene Teil entweicht durch den Ein- 
flußkanal. Das im Tiefenmesser enthaltene Wasser gibt dann, an der meistens 
auf der Schutzhülse angebrachten Skala abgelesen, die erreichte Tiefe an. Gehen 
wir von dieser allgemeinen Angabe über das Funktionieren der Tiefenmesser 
aus, so können wir auch gleich die Regeln aufstellen, die ihr zuverlässiges 
Arbeiten bedingen. Bei der Lotröhre hatten wir hervorgehoben, daß sie dem 
Haupterfordernis zur richtigen Messung des Wasserdrucks in der Tiefe gerecht 
wird dadurch, daß die in ihrem Innern enthaltene Luftmenge keine Verminderung 
erleiden kann. Tiefenmesser umfassen nun in der Regel ein bedeutend größeres 
Volumen Luft, das zur Messung des Wasserdrucks verwendet wird, und zwar 
bis zu 100 ccm. Sind sie dann noch aus mehreren Teilen zusammengesetzt, so 
liegt die Möglichkeit des Undichtwerdens vor, weil die Beanspruchung durch 
Druck bedeutend ist. Für den zur Ablesung des Wasserstandes bestimmten Teil 
wird meistens ein Glasrohr gebraucht, das durch Gummiringe abgedichtet ist; 
diese Dichtungsringe, aber auch Verschraubungen und Entwässerungshähne 
können undicht werden. Ein zweites Erfordernis für einen guten Tiefenmesser 
ist, daß der Wasserzutritt ohne Hemmungen erfolgt und der Einflußkanal dem 
Wasser möglichst wenig Reibungswiderstand entgegensetzt; auf jeden Fall muß 
aber mit dem Eintauchen in das Wasser die Luft im Tiefenmesser sofort ge- 
fangen und das Entweichen von Luftblasen unmöglich sein. ; 
Da die erreichte Tiefe an.dem mit heraufgebrachten Wasser gemessen 
wird, so muß ein Verschluß so angeordnet sein, daß auch beim Springen des 
nachgeschleppten Lotes über die Wellenkämme kein Tropfen Wasser aus dem 
Tiefenmesser entweichen kann. Nach der Ablesung muß das Entwässern schnell 
erfolgen können und der Tiefenmesser sogleich wieder für den nächsten Lotwurf 
klar sein; den Bordverhältnissen entsprechend müssen Gebrauch und Instand- 
haltung einfach sein. Endlich ist noch die Preisfrage von Bedeutung. \ 
Diese vielen, teilweise technisch sehr schwer zu erfüllenden Bedingungen, 
von denen keine außer acht gelassen werden darf, haben zur Folge, daß von 
einem allgemein gebräuchlichen Tiefenmesser :bis jetzt noch nicht die Rede ist. 
Wenn auch einige Konstruktionen anfänglich befriedigend gearbeitet haben, so
	        
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