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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1924.
Dies Ergebnis, das mit den Beobachtungen der Flottenabteilung in Einklang
wäre, ‚sprach entschieden gegen den Thomsonschen Maßstab und für einen
Mariotteschen, bei dem nur bei kleinen Tiefen ein gewisser Sicherheitskoeffizient
eingeführt werden mußte, Der neue Maßstab wurde daraufhin eingeführt.
Betrachten wir vorstehende Versuchsreihe noch auf den Einfluß der
Temperaturabnahme, die jedenfalls vorhanden war, So sehen wir, daß der zu
erwartende positive Fehler bis 46.5 m vorhanden ist, bei 69 m aber verschwindet
und in einen negativen übergeht; hier macht sich also der Kalibrierungsfehler
bemerkbar. Die mit dem Fühlhebel geprüpften Lotröhren werden nämlich bei
der Herstellung so gelegt, daß das dünnere Ende nach oben kommt, wenn ein
solches feststellbar ist; eine Verengerung des oberen Teils führt aber zu einer
Zurückdrängung des Wassers und zu geringeren Ablesungen. Sir Wm, Thomson
bzw. die Firma Kelvin & White ist dann diesem Vorgange in der Weise ge-
folgt, daß sie 1911 einen Maßstab herausgab, der gegen den alten Maßstab eine
konstante Verschiebung um rund 5.3 mm zeigt.
Die Lotröhre soll aber nicht bei stilliegendem Schiff gebraucht werden,
sondern man will mit ihr in Fahrt loten, und hierbei treten diejenigen mecha-
nischen Beeinflussungen auf, die so oft zu fehlerhaften Lotungen führen, Hierhin
gehören das Aufschlagen des Lotes auf die Wasseroberfläche beim Fallen von
einer hohen Spier aus (nur bei geringen Wassertiefen bemerkbar), die Fall-
geschwindigkeit des Lotes im Wasser und das Aufstoßen des Lotes auf den Grund,
Bedenkt man, daß die zur Messung des statischen Druckes verwendete Luftmenge
einen dünnen, elastischen Faden darstellt, so ist klar, daß beim Fall eines 16 kg-
Lotes auf das Wasser dieses mit solcher Vehemenz in die Lotröhre eindringen
kann, daß es für einen geringen Zeitraum höher in der Glasröhre gestanden
haben wird, als es der zu erlotenden geringen Tiefe entspricht. Eine gleiche
federnde Wirkung wird auch eintreten, wenn die starr mit dem Lot verbundene
Glasröhre mit diesem auf den Grund aufstößt; in beiden Fällen hat das momentane
Emporschnellen des Wassers aber eine Entfärbung des Belages zur Folge und
man erhält zu große Tiefen. Zur möglichsten Beseitigung dieser Fehlerquellen
sollte man das Lot bei hoher Anbringung des Lotblockes vor dem Wurf zu-
nächst über Wasser fieren und die Lotröhrenhülse nicht starr am Lot, sondern
an einem darüber befindlichen Tausteert befestigen. Die Fallgeschwindigkeit des
Lotes im Wasser führt zu einer Vermehrung des Wasserdrucks in der Lotröhre
und somit zu größeren Ablesungen; mit zunehmender Tiefe wird die Fall-
geschwindigkeit infolge des Reibungswiderstandes des nachgeschleppten Lotdrahtes
abnehmen und dadurch auch der Stoß des Lotes auf den Grund gemildert.
Wenn also die mechanischen Einflüsse mit zunehmender Tiefe von geringerem
Einfluß sein werden, so ist doch zu berücksichtigen, daß wieder bei der starken
Verengerung des Maßstabes nach oben hin ein Federn der Luftsäule in der
Röhre, in Tiefe ausgedrückt, zahlenmäßig bei größeren. Tiefen mehr bedeutet als
bei geringeren.
Wenn wir bisher immer nur zu positiven Fehlern gekommen sind, in der
Regel also ‘die Lotungen zu groß ausfallen, so kommen doch auch nicht selten
Fälle vor, in denen zu wenig gelotet wird. Der Grund-hierfür kann nur darin
gesucht werden, daß die Öffnung der Lotröhre nicht frei ‚war, sondern in der
Hülse mehr oder weniger fest aufstand; der Fehler wird dann: bedeütend und
läßt die Fehllotung sogleich erkennen. Liegt die Öffnung der Röhre frei, so
müßte schon ein bedeutender Kalibrierungsfehler vorhanden sein, um den zu er-
wartenden positiven in einen negativen Fehler zu verwandeln,
Den mechanischen und Temperatur-Einflüssen wird am besten wohl durch
die Lotröhrenhülse (Fig. 1, Taf. 11), die sich an die von der Physikalisch-tech-
nischen Reichsanstalt empfohlene Hülse anlehnt, entgegengewirkt. In diese Hülse
wird die Lotröhre von unten eingeführt und von der Hartgummieinlage gehalten;
außerdem ruht sie noch auf zwei leichten Federn im Boden des Verschlusses auf.
Der Wassereintritt in die Hülse erfolgt nicht von unten, sondern seitlich durch
acht Schlitze im Verschluß; hierdurch werden die durch das Aufschlagen des
Lotes auf die Wasseroberfläche, durch die Fallgeschwindigkeit des Lotes im