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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Gadow, H.: Über Lotröhren und Versuche mit Tiefenmessern, 
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hütchens absah und die Röhre einfach zuschmolz, Die: kaum einen Quadrat- 
millimeter große untere Öffnung gibt zu der Befürchtung, daß aus ihr beim 
Aufschlagen auf die Wasseroberfläche Luft entweicht, keinen Anlaß. Die früheren 
Bemühungen amerikanischer und deutscher Firmen, Dauerlotröhren dadurch her- 
zustellen, daß sie im Innern mattierte Glasröhren oben durch eine Gummikappe 
verschlossen, mußten an dieser Hauptbedingung der absoluten Dichtigkeit des 
Verschlusses scheitern. Guter Gummi tut vielleicht beim Gebrauch im Seewasser 
eine Zeitlang seine Schuldigkeit, die Gewißheit hat man aber nie, und bald wird 
er unbrauchbar, 
Auch der Fehler, der durch die Temperaturveränderung der eingeschlossenen 
Luft im Tiefenwasser eintreten kann, läßt sich bei der Lotröhre beseitigen, wenn 
die sie umgebende Schutzhülse mit einer Isoliermasse ausgefüllt wird, die die 
Glasröhre umgibt und dem kälteren Seewasser die Bespülung des die Luft ent- 
haltenen Teiles unmöglich macht. Versuche mit einer zu diesem Zwecke von 
der Physikalisch-technischen Reichsanstalt gelieferten Schutzhülse haben dies be- 
stätigt. Wird die Umspülung der Glasröhre verhindert, so hat die eingeschlossene 
Luft mit dem kälteren Seewasser nur die kleine Berührungsfläche im Inneren, 
die zudem noch Oberflächenwasser ist; ein Temperaturausgleich durch Berührung 
kann hier bei der Kürze der Zeit nur gering sein, Anders liegt der Fall bei 
allen den als Ersatz der Lotröhren erfundenen Tiefenmessern, die das einge- 
drungene Wasser zur Messung nach oben fördern. Der Wassereintritt ist hier- 
bei gewöhnlich so, daß es die eingeschlossene Luft durchspült und ihr dann 
natürlich seine Eigentemperatur in Kürze mitteilt. 
Haben wir so die theoretische Geeignetheit der Lotröhre als Tiefenmesser 
dargelegt, so bleibt zu untersuchen, warum in der Praxis so oft Versager vor- 
kommen, und ob sich diese abstellen lassen. Um mechanische Einflüsse auszu- 
schalten, muß man die Lotröhre bei stilliegendem Schiff auf den Grund fieren, 
ohne dabei das Lot aufstoßen zu lassen; die dann am Maßstab abgelesene Tiefe 
muß der wahren Tiefe bis auf die Korrektion für Temperaturänderung der ein- 
geschlossenen Luft und für den Barometerstand entsprechen; jeder weitere Fehler 
weist auf schlechte Kalibrierung hin. Da das Grundwasser in der Regel kälter 
sein wird als die Luft, liegt der erstere Fehler nach der positiven Seite, man 
erhält also eine zu große Tiefe. Bei einem Temperaturunterschied von 10° 
würde man auf 60 m Tiefe einen Fehler von 2.6 m erhalten. Nehmen wir den 
eingangs erwähnten Fehler für. Kalibrierung auf 3° der Tiefe an, der aber nach 
beiden Seiten liegen kann, so erhalten wir eine Ablesung am Maßstab von 60.6 
oder von 64.6 m. Derartige Untersuchungen haben im Jahre 1908 zunächst zum 
Ersatz des alten Thomsonschen Maßstabes durch den Lotröhrenmaßstab Mod. 09 
geführt. Nach Berichten einer Flottenabteilung über das Anlaufen des englischen 
Kanals vom Atlantik aus waren mit der Lotmaschine immer bedeutend geringere 
Tiefen festgestellt worden, als mit dem Tieflot; die Tiefen lagen zwischen 120 
und 175 m, die Unterschiede zwischen 9 und 24 m. Eine daraufhin ausgeführte 
Nachprüfung des Thomson-Maßstabes zeigte, daß er dem Mariotteschen Gesetz 
nicht entsprach, und daß die mitgeteilten Lotungen, an einem dem Mariotteschen 
Gesetz entsprechenden Maßstab gemessen, sehr viel besser gestimmt haben würden. 
Es wurde nun ein nach dem Mariotteschen Gesetz berechneter Maßstab her- 
gestellt und eine lange Versuchsreihe auf S. M. S. „Albatross“ 1908 in der Danziger 
Bucht ausgeführt, die folgendes Ergebnis hatte“ 
Anzahl der 
Beobachtungen 
‚ö 
Tiefe nach Handlot 
13.0 
25.8 
33.0 
46.5 
69.0 
87.0 
104.5 
Tiefe nach dem 
Mariotteschen Maßstab 
0/. Fehler 
13.9 
26.0 
33.1 
47.1 
66.7 
85.9 
103,8 
+69 
N 
+0. 
1,9 
—3.3 
— 1,3 
— 0.7 
Tiefe 
jach dem Thomson - Maßstab 
5/7. Fehler 
13.3 
25.2 
31.9 
44.7 
63.7 
79.8 
95.2 
He 
—3,5 
— 39 
Da 
‘83 
| 89
	        
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