140 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1924,
Wenn die linke Seite verschwindet [Glg, (1)], so tut es auch die rechte, mithin
du Öv 0
SL A Sm? 2) —
u 0 oder u +v)=0.,
Setzt man’ die Stromgeschwindigkeit u? + = w, so fällt also obige Bedingung zusammen mit
Ze (w2?) = 0 oder w- S- =0. Es herrscht also im Augenblick der Rechtschnittigkeit [Glg. (2)] ent-
weder Stromstille (w = 0), oder der Strom hat ein Maximum oder Minimum, d, h. er läuft in der
Richtung einer der Achsen der Stromellipse (0w/dt = 0), oder endlich, w ist konstant, und die Strom-
eJllipse geht in einen Kreis über,
Über Lotröhren und Versuche mit Tiefenmessern.
Von H, Gadow - Friedenau.
(Hierzu Tafel 11.)
Küstengewässer und Binnenmeere wie Nord- und Ostsee, Mittelmeer usw.
sind im Laufe der Zeit durch die anliegenden Seeuferstaaten in solchem Maße
bei eingehenden Vermessungen ausgelotet worden, daß die in den Seekarten ver-
zeichneten Tiefen- und Grundbeschaffenheitsangaben den jetzt wohl allgemein
mit Lotmaschinen ausgerüsteten Seeschiffen zu jeder Zeit eine Kontrolle des
Schiffsortes durch Lotungen ermöglichen, Namentlich die Kriegsflotten, deren
Übungsgebiet fast ausschließlich in derartigen Gewässern liegt, haben der Lot-
miaschine von jeher besondere Beachtung angedeihen lassen, da sie ihre Manöver
bei jedem Wetter auszuführen pflegen, und dann das durch Manövrieren un-
sicher gewordene Besteck beim Fehlen von Peilungen nur durch Reihenlotungen
berichtigt werden kann. Welche wertvolle Standlinie erhält man z. B. durch
gleichzeitiges Loten einer Linie von Kriegsschiffen, wenn die Lotungen auf Paus-
papier im Maßstab der Karte nach den Schiffsabständen aufgetragen werden und
das Papier dann in der Kursrichtung auf den gegißten Ort in der Karte gelegt
und so lange parallel zu ersterer seitlich, voraus oder achteraus verschoben wird,
bis die Zahlen auf dem Pauspapier mit denen in der Karte sich decken,
1. Die Lotröhren.
Wenn die Erfolge einer solchen rationellen Ausnutzung der Lotmaschine
zur Ortsbestimmung bisher nicht immer befriedigt haben, so liegt dies an der
Unzulänglichkeit der Lotröhren, die hierbei zur Tiefenmessung benutzt werden,
Dieses von Sir Wm. Thomson erfundene Hilfsinstrument ist bekanntlich eine
oben zugeschmolzene Glasröhre von 610 mm Länge, die im Innern mit chrom-
saurem Silber belegt ist; dieser rötliche Belag wird durch eindringendes See-
wasser entfärbt, und die Grenzlinie der Färbung gibt dann am Maßstab die
gelotete Tiefe an. Rein theoretisch betrachtet stellt eine solche Lotröhre ein für
die Ausnutzung des statischen Druckes des Wassers zur Tiefenmessung ideales
Meßinstrument dar, das zu fehlerhaften Messungen nur durch ungenügende
Kalibrierung Anlaß geben sollte, denn die Verbesserung für. abweichenden Baro-
meterstand von dem dem Lotröhrenmaßstab zugrunde gelegten ist leicht anzu-
bringen. Bei dem früheren starken Verbrauch von Lotröhren in der Kaiserlichen
Marine war die mit deren Herstellung betraute Glashütte durch sorgfältige Aus-
wahl und Schulung des Personals imstande, die Röhren mit einer derartigen
Genauigkeit zu ziehen, daß die zugestandene Fehlergrenze von 59/, der Tiefe
selten erreicht wurde und 3%, die Regel war.
Eine weitere wesentliche Bedingung für das Meßinstrument ist, daß die
von ihm eingeschlossene Luftmenge bei der Messung keine Verminderung erfährt,
Die ersten Thomsonschen Röhren gaben hierzu zuweilen Anlaß, da‘ deren oberes
Ende durch ein mit weißem Siegellack befestigtes Kupferhütchen verschlossen
war; hier konnten schadhafte Stellen vorhanden sein. Ein solcher Verschluß
konnte durch Erwärmen entfernt und dann die Röhre wieder neu belegt werden.
Die hierzu notwendige vorherige Reinigung war aber so kostspielig, daß der
Preisunterschied zwischen einer neu hergestellten und einer neu belegten Röhre
verschwindend wurde, namentlich als man von der Verwendung des Kupfer-