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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Thorade, H.: Einige Bemerkungen über Amphidromien, TI, 
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eignen, daß die Flutstundenlinien und die Stromlinien aufeinander senkrecht 
stehen? Diese Frage läßt sich für den Fall, daß die Erdumdrehung keine Rolle 
spielt, daß es sich also um äquatornahe Gewässer handelt, dahin beantworten, 
daß dann die Flutstundenlinien stets senkrecht zu den Stromlinien verlaufen, 
Wenn aber die Erdumdrehung in Rücksicht gezogen werden muß, so ergibt sich, 
daß gerade unter den obengenannten ‚drei Bedingungen die Rechtschnittigkeit 
auch der Flutstundenlinien und Stromlinien eintritt. Ist also eine der drei Be- 
dingungen erfüllt, so laufen im allgemeinen die Stromlinien den Schichtlinien 
parallel. Noch mehr: Es erweist sich, daß zu gleicher Zeit die Stromgeschwin- 
digkeit ein Maximum oder ein Minimum hat (1. und 2, Bedingung) oder daß sie 
konstant ist (3. Bedingung). Zeichnet man die an einem bestimmten Punkte 
herrschenden Strömungen als Pfeile auf, deren Länge der Geschwindigkeit ent- 
spricht, und verbindet die für den Verlauf einer Tide sich ergebenden Pfeil- 
spitzen, so entsteht bekanntlich eine Ellipse (Stromellipse), die beiläufig in 
anderer Deutung auch als Bahnkurve eines Teilchens während der Tide auf- 
gefaßt werden kann; für den Fall der Bedingung 3 wird die Stromellipse zum 
Kreise, Alsdann läßt sich das obige Ergebnis auch so aussprechen: 
A. Fällt die Stromrichtung in eine Achse der Stromellipse, so 
erreicht im gleichen Augenblick das Oberflächengefälle einen Höchst- 
oder Niedrigstwert, oder die Oberfläche ist wagerecht. Tritt im 
gleichen Augenblick Hochwasser ein, so steht die Flutstundenlinie 
senkrecht zur Ellipsenachse und senkrecht zu der Schichtlinie, 
B. Geht die Stromellipse irgendwo in einen Kreis über, so steht 
hier die Flutstundenlinie senkrecht zu Schicht- und Stromlinie., 
_ Es kann ergänzend bemerkt werden, daß die Flutstundenlinien zu den 
Schichtlinien parallel nur dann werden können, wenn das Gefälle an einem 
Orte stets die gleiche Richtung behält, also bei Interferenz gleichgerichteter 
Wellen. Parallelität mit den Stromlinien kann, wenn die Erdrotation außer acht. 
bleibt, überhaupt nicht eintreten, sonst nur unter verwickelten Umständen. 
Ein Beispiel erläutere das Gesagte. In einem quadratischen Becken von 
gleichförmiger Tiefe, dessen eine Seite nord-südlich verlaufe, mögen. sich zwei 
stehende Schwingungen, eine erste west-östliche und eine zweite gleichhohe nord- 
südliche, überlagern; der Gangunterschied betrage 3h, so daß eine Harrissche 
Amphidromie („Ocean eddy“) entstehe. Um 12% erreiche die west-östliche Welle 
am Ostufer ihre größte Höhe (Tafel 10, Nr. 1 und 2; letztere gibt einen Schnitt 
von West nach Ost). Die Knotenlinie verläuft in der Mitte des Quadrats von 
Nord nach Süd (y-Achse), und da in diesem Augenblick die andere Welle gerade 
durch Null geht, so rühren alle Erhebungen nur von der west-östlichen Schwingung 
her, und alle Schichtlinien laufen ebenfalls von Nord nach Süd. Die Knotenlinie 
der zweiten Welle (x-Achse) ist die west-Östliche Mittellinie des Quadrats; hier 
beeinflußt also die zweite Welle den Wasserstand nicht, und alle Punkte dieser 
Linie rechts von der Mitte haben Hochwasser, wenn die erste Welle ihre größte 
Höhe hat, d. i. um 12h; dies ist also die 12h-Flutstundenlinie (in der Abbildung 
gestrichelt). Ebenso hat der nördliche Teil der anderen Mittellinie um 3 Hoch- 
wasser usf, Die Flutstundenlinien werden daher gegen den Uhrzeiger umlaufen, 
Nach. den Gesetzen der stehenden Schwingungen sind um 12h die Strömungen 
der west-östlichen Welle, die ihre größte Höhe hat, Null, diejenigen der nord- 
südlichen haben ihren Höchstwert. Die Strömung ist also überall parallel den 
Schichtlinien nach Norden gerichtet, Die Achsen der Ellipsen (das Maximum 
und Minimum der Geschwindigkeit) liegen also.bei dem Gangunterschied von 3% 
parallel zu den Koordinatenachsen. Der Höchstwert der west-Östlichen Geschwin- 
digkeit hat seinen größten Betrag auf der Knotenlinie der ersten Welle und ist 
am östlichen und westlichen Ufer Null. Alle Ellipsen, die nord-südlich von- 
einander liegen, müssen eine gleichlange nach Osten gerichtete Achse haben; 
alle Ellipsen auf einer Parallelen zur x-Achse haben dieselbe nord-südliche 
Achsenlänge. Daher gehen alle Ellipsen auf den Diagonalen in Kreise über 
(und am Rande in Gerade); in der Abbildung sind eine Reihe Ellipsen und die 
um 12h geltenden Strompfeile gezeichnet. Sieht man beiläufig die Ellipsen als
	        
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