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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Seilkopf, H.: Die Luftverkehrsberatung durch den Wetterdienst der Deutschen Seewarte, 135 
folge schlechten Wetters die Starte verzögert sind.‘ Bei einem dem Flugplan 
eng angepaßten Sicherungsdienst bedingt außerdem jede kleine Flugplanände- 
rung Änderungen im Sicherungsdienst. Es ist daher notwendig, daß wichtige 
Sicherungsstationen an der Strecke zwei- oder wenn irgend möglich sogar ein- 
stündlich Wettermeldungen übermitteln. Außerdem müssen sie von der Bera- 
tungsstelle aus telephonisch erreichbar sein. Sie sind in Gebiete zu legen, die 
besonders häufig von Nebel oder niedrigen Wolken betroffen werden, die sich 
als Gewitterherde erweisen. — . Von den Niederlanden werden bereits stündlich 
Flugwettermeldungen durch die Funkstelle Soesterberg verbreitet, von Dänemark 
den Flugzeiten entsprechend, im Bedarfsfalle. aber öfter, Wetterbeobachtungen 
von einigen Sicherungsstationen durch Lyngby gefunkt, so daß man über das 
Wetter in den Einfluggebieten der von Hamburg zur Zeit ausgehenden Linien 
unterrichtet ist. Umgekehrt werden für die in Rotterdam, Amsterdam und 
Kopenhagen nach Hamburg startenden Flugzeuge von der mit einem 1 KW-Röhren- 
sender ausgerüsteten neuen Flughafenfunkstelle Fuhlsbüttel Wettermeldungen 
von Hamburg und den deutschen Sicherungsstationen übermittelt. Angestrebt 
wird, daß von Fuhlsbüttel aus ebenfalls stündliche Beobachtungen verbreitet 
werden. Die Wettervorhersagen für die Linie Hannover— Rotterdam, deren Be- 
ratung nach Abwanderung der London—Berlin-Linie nach Hannover in den 
Händen der Seewarte blieb, werden ebenfalls durch Fuhlsbüttel an Hannover 
gefunkt. Außerdem werden mehrmals täglich von Fuhlsbüttel die „Gefahren- 
funkobs“ ausgestrahlt, die etwa vorliegende Gewitter oder Nebelmeldungen von 
Nordwestdeutschland bringen. 
In steigendem Maße wird die Wetterberatung für den Luftverkehr Bedeu- 
tung gewinnen. Winterflugdienst — bisher wurde nur die Linie Berlin—Rotter- 
dam—London im Winter 1923/24 erstmalig in Deutschland das ganze Jahr hin- 
durch geflogen — und Nachtluftverkehr, der allein die überlegene Geschwin- 
digkeit des Luftverkehrs gegenüber den anderen Verkehrsmitteln voll zur Aus- 
wirkung bringen wird, werden neue Anforderungen an unseren Wetterdienst 
stellen. Der Verkehr auf den neuen schwachmotorigen, aber mehr wirtschaft- 
lichen Kleinflugzeugen macht diesen wieder abhängiger vom Wetter. Aber auch 
die Großflugzeuge und Luftschiffe, die die Verbindung zwischen den Verkehrs- 
zentren der Festländer auf weite Entfernungen herstellen werden, werden ihren 
Kurs nach den Witterungsverhältnissen richten, um durch Ausnutzung der Wind- 
verteilung in der Horizontalen wie in der Vertikalen schnelle Reisen zu erzielen 
und Gebiete hindernden Flugwetters zu vermeiden. Besonders auf Nord- und 
Ostsee wird ein künftiger Seeflugverkehr auf schwierige Witterungsverhältnisse 
stoßen. Die Seewarte konnte bereits durch die Beratung der Flugstrecken nach 
Kopenhagen und Westerland sowie des Seeflugverkehrs im vorigen Sommer 
wertvolle Erfahrungen sammeln, deren Ergänzung eine wichtige Aufgabe des 
Wetterdienstes der Seewarte sein wird. Der transozeanische Luftverkehr, welcher 
den Witterungsunbilden des offenen Ozeans ausgesetzt ist, und dem nur in ge- 
ringem Maße eine Bodenorganisation zur Verfügung steht, wird sich auf die 
wetterkundliche Beratung erheblich stützen müssen. Auch hier hat die Deutsche 
Seewarte bereits vorgearbeitet: In Gemeinschaft mit der Hamburg-Amerika- 
Linie, dem Norddeutschen Lloyd, dem Junkers-Luftverkehr, dem Luftschiffbau 
Zeppelin, dem Luftschiffbau Schütte-Lanz, den Fokker-Flugzeugwerken und dem 
Aeronautischen Observatorium Lindenberg sind mehrere Studienfahrten über 
den Atlantischen Ozean unternommen worden, um Höhenwindmessungen über 
dem Ozean und sonstige meteorologische Beobachtungen zu sammeln zur Vor- 
bereitung des transatlantischen Luftverkehrs.
	        
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