134 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1924,
verkehr dar. Und zwar nicht nur durch die Möglichkeit, daß das Luftfahrzeug
von elektrischen Entladungen getroffen wird, als auch dadurch, daß die in
Gewitterböen besonders heftigen Vertikalbewegungen der Luft beim Einbruche
der kalten, beim Empordrängen und Emporstrudeln der warmen Luftmassen die
Maschine unter Umständen zu Boden drücken oder in der Luft abmontieren
können. Zudem kommen in Gewittern und sonstigen Böen die Wolken manch-
mal sehr tief.herab, über Höhenzügen unter Umständen bis in geringe Höhe
über den Boden. So gerieten am 18. Dezember 1923 vier dänische Flugzeuge,
die in Soesterberg (Holland) die Wettervorhersage nicht mehr abgewartet hatten,
dicht vor Hamburg in eine schwere Hagelbö. Während es den Führern der
ersten beiden Maschinen, die Hamburgs Umgebung gut kannten, gelang, mit
ihren für das Flugzeug allerdings ungewöhnlich starken Motoren (400 PS) noch
durchzukommen und den Flughafen Fuhlsbüttel zu finden, mußten die beiden
folgenden Maschinen vor dem Kamm der Haake (162 m) bei Sottorf (etwa 7 km
südwestlich Harburg) notlanden. — Gewitter und sonstige Böen können jedoch
— sofern es sich nicht um Böenzüge handelt; die in großer Breitenerstreckung
heranziehen — infolge der hohen Eigengeschwindigkeit der Flugzeuge in vielen
Fällen umflogen werden,
Ist starker Gegenwind für den Flug zu erwarten, so muß bei längeren
Flugstrecken beobachtet werden, ob Benzin- und Ölvorrat und bei Nachmittags-
flügen auch das Tageslicht für die Durchführung des Fluges ausreichen werden,
Bei Sturm sind nicht nur die zu der Horizontalbewegung hinzukommenden
starken Vertikalbewegungen, sondern auch die stürmisches Wetter meist be-
gleitenden schweren Regenfälle, Graupel-, Hagel- oder Schneeböen und niedrigen
Wolken für den Luftverkehr hinderlich. Die Windprognose kann außer der
Sicherheit auch die Wirtschaftlichkeit des Luftverkehrs erhöhen helfen. Aus
Höhenwindmessungen an der Flugstrecke kann die Flughöhe angegeben werden,
die den günstigsten Wind aufweisen und schnellste Reise ermöglichen wird, So
konnte am 2. Juni 1922, als die Höhenwindmessung über östlichen Winden der
untersten Schichten ab 1500 m Nordwestströmung zeigte, dem nach Stettin
startenden Flugzeug der Rat erteilt werden, auf eine Höhe über 1500 m zu gehen,
Hierdurch konnte der Flug um 50 Minuten gegenüber dem Flug mit Gegenwind
in geringerer Höhe abgekürzt werden, was bei dem damals vom Lloyd-Ostflug
verwendeten N-Flugzeug mit 200 PS-Motor eine Benzinersparnis von 58 Litern
bedeutete.
Zur Ausübung des Flugwetterdienstes ist ein Meteorologe der Deutschen
Seewarte seit Eröffnung des diesjährigen Luftverkehrs täglich auf dem Luft-
hafen Fuhlsbüttel zur persönlichen Beratung von Flugleitern und Flugzeug-
führern anwesend, während vorher die Beratung nur fernmündlich durchgeführt
werden konnte. Als Grundlage der Beratung dient die Wetterkarte. Sehr
günstig für die Flugberatung ist es, daß die Seewarte in Nordwestdeutschland,
an der Nordsee- und westlichen Ostseeküste ein recht dichtes Netz von regel-
mäßig, meist dreimal täglich meldenden Beobachtungsstationen hat. Die Ein-
führung des internationalen synoptischen Wetterschlüssels für diese Meldungen
im August 1923 hat sich als vorteilhaft erwiesen, zumal er Beobachtungen ent-
hält, die der Flugberatung unmittelbar zugutekommen, wie die Sichtweite, die
Wolkenhöhe, die Wolkenarten. Hinzu kommen die Höhenwindmessungen, die
im Beratungsgebiete zur Zeit von Hamburg, Bremen, Rostock, De Bilt und Helder
zur Verfügung stehen. Zu einer Sicherung des Luftverkehrs reichen die termin-
mäßigen Meldungen der meteorologischen Beobachtungsstationen jedoch nicht aus,
Die Seewarte hat daher an den von ihr zu beratenden Flugstrecken noch Beobach-
tungsstationen in Marienleuchte, Meppen, Hannover und Osnabrück eingerichtet,
Einen allgemeinen Streckensicherungsdienst in Deutschland hat das Aeronautische
Observatorium Lindenberg organisiert: Eine Reihe von Postämtern längs der
Flugstrecken senden kurz vor den Startzeiten Wetterbeobachtungstelegramme
nach einem einfachen Schlüssel („Postämterschlüssel“) an die beratenden Wetter-
dienststellen. Da die Beobachtungszeiten dieses Streckensicherungsdienstes den
Startzeiten entsprechen, fehlen gerade dann neue Streckenmeldungen, wenn in-