132
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1924,
burg—Dresden (zeitweise auch Breslau) und vor allem wieder die wichtige Strecke
nach Holland, welche die Deutsche Luft-Reederei in Gemeinschaft mit der Konink-
lijke Luchtvaart Matschappij betrieb. Während bis dahin nur alte Heeresflug-
zeuge auf den von Hamburg ausgehenden Fluglinien benutzt wurden — die
Deutsche Luft-Reederei verwendete die Typen L.-V.-G. C VI und die zu Kabinen-
Nugzeugen umgebauten AEG-Maschinen —, wurden auf der zuletzt genannten
Strecke erstmalig . neuzeitliche Verkehrsflugzeuge eingesetzt, und zwar fünf-
sitzige Fokker-F III-Eindecker mit freitragender Tragfläche dicken Profils und
bequemer Inneneinrichtung. 1922 wurde neben den Strecken der deutschen
Luft-Reederei nach Berlin und Westerland die Linie nach Stettin— Königsberg
eröffnet, die der Lloyd-Ostflug in Betriebsgemeinschaft mit dem Junkers-Luft-
verkehr flog, wobei das beliebte Junkers-Ganzmetall-Verkehrsflugzeug in den
Hamburger Luftverkehr eingereiht wurde. Im Jahre 1923 konnte die bereits
1920 versuchte, aber wieder aufgegebene große zwischenstaatliche Luftverbindung
zwischen Westeuropa und Skandinavien über Hamburg durchgeführt werden:
der Deutsche Aero-Lloyd, in dem auch die Luft-Reederei aufgegangen ist, flog
gemeinschaftlich mit der englischen Daimler Hire Ltd. die Strecke London-—
Rotterdam—Amsterdam—Hamburg— Berlin, auf der sich deutsche Metaliflugzeuge
von Dornier (Typ „Dornier Komet“) und Junkers erfolgreich neben den großen
englischen „Luftomnibussen“ De Havilland-34 behaupteten. Von Hamburg aus
zweigte die Linie Hamburg—Kopenhagen der Danske Luftfartselskab ab. Außer-
dem brachte das vergangene Jahr Hamburg einen Seeflugverkehr, indem vom
Seeflughafen Teufelsbrück an der Elbe aus der Junkers-Luftverkehr mit Junkers-
Wasserflugzeugen die Strecke Niederelbe— Kaiser-Wilhelm-Kanal—Kiel— Malmö
beflog und außerdem eine Reihe von Sonderflügen, beispielsweise nach Christiania,
ausführte. Als im vorigen‘ Herbst, wie bisher alljährlich, der deutsche Luft-
verkehr über Winter eingestellt wurde, wanderte zwar die auf der Strecke
London—Berlin verbleibende englische Linie von Hamburg nach Hannover ab,
um auf gerader Linie von Rotterdam nach Berlin fliegen zu können; am 23. April
dieses Jahres wurde jedoch die Holland—-Hamburg—Kopenhagen-Linie wieder
eröffnet, Sie wird gemeinschaftlich vom Deutschen Aero-Lloyd und den schon
genannten beiden holländischen und dänischen Luftverkehrsgesellschaften mit
Fokker-F II- und F III-Kabinenflugzeugen geflogen. In Vorbereitung ist die Ver-
längerung der Linie über Kopenhagen hinaus nach Malmö und eine Verbindungs-
linie Hamburg—Hannover, um, abgesehen von der Verbindung über Rotterdam,
schnellen Anschluß an die Berlin—London-Linie des Aero-Lloyd und der eng-
lischen Daimler-Gesellschaft zu gewinnen und die Luftverbindung Südskandinaviens
mit Westeuropa fester zu knüpfen. Außer den Verkehrsflügen auf den an-
geführten Linien waren in den letzten Jahren eine große Anzahl von Sonder-
flügen nach fast allen Teilen des Reiches zu beraten.
Neuzeitliche Verkehrsflugzeuge in der Hand erprobter Führer sind zwar
den Launen des Wetters schon in hohem Maße gewachsen. Mit der Zunahme
an Geschwindigkeit, an Masse und an Flächenbelastung bei modernen Flugzeugen
nimmt zudem die Böenempfindlichkeit der Maschinen ab. Zunächst noch unüber-
windliche Hindernisse des Luftverkehrs sind aber Nebel und dichtes, jede Sicht
nehmendes Schneegestöber. Sehr niedrige Wolkendecken, Gewitter und Böenzüge
sowie Sturm bergen ebenfalls Gefahren für das Flugzeug.
Die Vorhersage des Nebels und seiner Auflösung ist wohl die wichtigste
Aufgabe der Flugberatung, da das Flugzeug aufs schwerste gefährdet ist, wenn
im Nebel Orientierung und Beurteilung der Landungsmöglichkeit verlorengehen.
Im allgemeinen wird nicht mehr geflogen, wenn die Sichtweite unter 2 km sinkt,
eine Strecke, die ein Verkehrsflugzeug mit einer Eigengeschwindigkeit von 170 km
in der Stunde in nur 43 Sekunden zurücklegt. Dies schließt nicht aus, daß
erprobte Führer, die ihre Flugstrecke in allen Einzelheiten genau kennen und
sich auf ihren Motor verlassen zu können glauben, gelegentlich bei noch ge-
ringeren Sichtweiten fliegen, indem sie sich an besonders markante Leitlinien,
wie Eisenbahnen, Flüsse hängen und diesen dicht über dem Boden dahin-
f{egend folgen. -