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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Castens; G.: Der Welterdienst der Deutschen Seewarte im Wirtschaftsleben usw. 131 
für die Zeit 2 Uhr nachts, die sogenannte „Ozeankarte“. Endlich bringt dieser 
Bericht noch einen umfangreichen tabellarischen Teil, der auch die Schiffswetter- 
meldungen vom Ozean und die Ergebnisse zahlreicher aerologischer Aufstiege 
enthält, und schließlich ist ihm im Winter der Eisbericht über die Nord- und 
Ostseehäfen beigefügt. — Um 9!/„ Uhr abends wird die „Schiffswetterkarte“ der 
Deutschen Seewarte veröffentlicht, — 
Daß die deutsche Presse vollstes Verständnis für den hohen volkswirt- 
schaftlichen Wert einer schnellen Übermittelung der Wetternachrichten an die 
breite Öffentlichkeit gezeigt hat, sei hier rühmend anerkannt. In dem Bezirk 
der Wetterdienststelle Hamburg läßt sich täglich die nachstehend angegebene 
Zahl von Tageszeitungen mit Wetternachrichten versehen, und zwar: 
b) Mit Wetterübersichten 
a) Mit Wetterkarten: und Vorhersagen ohne Karten: 
Morgens 9 ; 
Nachmittags 12 
Abends 31 
Es veröffentlichen ferner einmal wöchentlich 8 Zeitungen und Zeitschriften 
die oben erwähnte „Ozeankarte‘“ nebst Wochen-Witterungsübersicht und Prognose 
und endlich 51 Übersichten und Vorhersagen ohne Karte. . . 
Daß alle nur denkbaren Mittel zur schnellsten Verbreitung der Nachrichten 
benutzt werden, versteht sich von selbst: Fernsprecher, Fahrrad, Eisenbahn, 
Schiff, Rohrpost, Draht, Kabel, Funktelegraphie — sie alle sehen wir im Dienst 
des Wetternachrichtenwesens. — — — 
Das Wetter machen — das ist ein Traum! Es ist zur Zeit müßig, darüber 
zu streiten, ob er jemals sich erfüllt; ; 
das Wetter vorausberechnen an Hand von Naturgesetzen — das ist ein 
Ziel, auf das der Forscher hinarbeitet; . 
das Wetter voraussagen an Hand von Regeln, deren keine ohue Aus- 
nahme, — das ist die Gegenwartsleistung einer Wissenschaft, deren wirt- 
schaftliche Ausnutzung hier erörtert worden ist. Auch sie, die ' „angewandte 
Meteorologie‘ leitet zu einem Endziel hin, der 
"Regelung der Produktion, 
zum Vorteil für den einzelnen weitblickenden Unternehmer zunächst, der 
das Instrument mit Geschick handhabt, . 
zum Nutzen des Volkes sodann, dessen Wirtschaft kluger Geist der Einzelnen 
emporhebt, 
zum Segen der Menschheit endlich, die gesunder weltwirtschaftlicher Wett- 
bewerb der Völker aufwärts führt. 
Die Luftverkehrsberatung durch den Wetterdienst der Deutschen Seewarte, 
Von ‘Dr. Heinrich Seilkopf. 
Als nach Beendigung des Weltkrieges aus den Trümmern des einst so 
stolzen deutschen Flugwesens ein Luftverkehr zur Beförderung von Fluggästen, 
Post und Frachten aufgebaut wurde, fiel dem deutschen Wetterdienst die Auf- 
gabe zu, durch wetterkundliche Beratung den Luftverkehr zu unterstützen, um 
seine Sicherheit wie Wirtschaftlichkeit zu- erhöhen. In Hamburg ist es die 
Wetterdienstabteilung der Deutschen Seewarte, die die wetterkundliche Beratung 
der vom Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel ausgehenden Fluglinien von Beginn 
des Luftverkehrs an ausübt. Bereits im Jahre 1919 eröffnete die Deutsche Luft- 
Reederei einen regelmäßigen Flugverkehr zwischen Berlin und Hamburg. Im 
folgenden Jahre wurde in der zweiten Hälfte des Sommers der Europa-Nord- 
westflug durchgeführt, der von Rotterdam über Amsterdam, Bremen und Ham- 
burg nach Kopenhagen ging. Das Jahr 1921 brachte die Seebäderfluglinie 
Hamburg— Westerland der Deutschen Luft-Reederei, die sich sehr regen Zuspruchs 
erfreute, ferner die vom Deutschen Luftlloyd geflogene Strecke Hamburg—Magde- 
D*
	        
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