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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1924, 
kann, weicht das Urteil vieler kaum von dem jener „höheren Tochter“ ab, welche 
bei dem Besuch einer Schule an der Seewarte meinte: „Ach, die Vorhersagen 
stimmen ja doch nie!“ Ist nun der Meteorolog ein fachkundigerer Beurteiler 
seiner Arbeit? Zweifellos — und doch kann man allen Versuchen gegenüber, 
die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der „Flächen“- und „Frist“-Prognose an Hand 
des tatsächlich eingetretenen „Punkt“-Wetters — den Begriff räumlich und zeit- 
lich gefaßt — zu beweisen, ein Gefühl des Unbehagens nicht unterdrücken. Für 
die‘ „Großwetter“-Erscheinungen ist der Weg gangbar; das „Kleinwetter“, die 
einzelne Böe, selbst die einzelne Wolke macht uns doch immer wieder einen Strich 
durch die Rechnung. Der beste Beurteiler der Vorhersagen ist meines Erachtens 
derjenige Geschäftsmann, der sie seit Jahren verwendet — lange vor der gegen- 
wärtigen „Hausse“ auf diesem Gebiet — und der etwa zu folgendem Fazit kommt: 
Betrachte ich das künftige Wetter hinsichtlich des Einflusses, den es auf mein Unternehmen 
ausübt, als nicht vorauszusehende „Zufallsgröße‘‘, so muß ich damit rechnen, daß es in- 50%, aller 
Fälle mich schädigt. Da dieser Schaden nicht dadurch gutgemacht wird, daß er in den restlichen 
50%, von Fällen nicht eintritt, so muß ich mich durch einen entsprechenden Aufschlag auf meine 
Ware sichern. 
Beobachte ich mein ‚eigenes Barometer, so verkürzt sich die Zahl meiner Mißerfolge, sagen 
wir, auf 40%. . 
Verwerte ich. die „Wettervorhersage“, so brauche ich nur noch 25%, Fehlschläge in meine 
Berechnungen einzusetzen, 
Beachte ich die Wetterkarte, sehe mir aber außerdem, bevor ich meine endgültigen geschäft- 
lichen Anordnungen treffe, auch noch mein Barometer und die Wind- und Bewölkungsverhältnisse an, 
so habe ich nur noch 10%, „Pech“ in meine Kalkulationen einzufügen, Den „Sicherheitskoeffizienten“, 
mit dem ich natürlich den Konsumenten belaste — für den Weiterblickenden ist. das selbstredend 
nicht der einzelne zufällige Warenabnehmer, sondern die Allgemeinheit —, kann ich dann entsprechend 
niedriger berechnen, 
Dies ist der volkswirtschaftlich am höchsten stehende Verwerter der Wetter- 
nachrichten. Von ihm erfährt die Öffentlichkeit am wenigsten aus naheliegenden 
Gründen: kein Geschäftsmann deckt offen seine Karten vor dem Konkurrenten 
auf! Hören tut man am meisten von demjenigen Benutzer der Vorhersagen, 
für den sie erst letzten Endes bestimmt sind, nämlich dem Spaziergänger: „vor- 
wiegend trocken“ besagt die Prognose; der Regenschirm bleibt zu Hause — eine 
Regenböe setzt ein und mit ihr die Kritik! 
Beispiele dafür, in welcher Weise die einzelnen Wirtschaftszweige von der 
Wettervorhersage Gebrauch machen, erübrigen sich. Was in der oben erwähnten 
Abhandlung „Wie lese und wozu gebrauche ich die Wetterkarte?“ bei den ver- 
schiedenen Berufsarten gesagt ist, ist zusammengestellt auf Grund der tagtäglich 
mündlich und schriftlich bei der Wetterdienststelle der Seewarte eingehenden 
Anliegen. Auch die bereits genannte Schmaußsche Schrift äußert sich S. 68—72 
zu der Frage der praktischen Bedeutung der Wettervorhersage. ; 
Wie versorgt die Seewarte die Öffentlichkeit mit Aufklärungen 
über das zu erwartende Wetter? Folgendes sei vorausgeschickt: 1. Nach 
dem heutigen Stande der Prognose besteht die beste Auskunft über das künftige 
Wetter stets in dem Vorlegen einer Wetterkarte, deren Inhalt der Benutzer selbst 
in Verbindung mit eigenen Beobachtungen seines Barometers und der Winde 
verwerten muß. — 2. Je schneller die einen augenblicklichen Wetterzustand dar- 
stellende Karte in den Händen des Gebrauchers ist, um so besser erfüllt sie ihren 
Zweck. — 3. Die wörtlichen Wetterübersichten und Vorhersagen sind vielfach nur 
ein Notbehelf, .bedingt durch die Unmöglichkeit, Karten telegraphisch zu ver- 
breiten, oder an jedem Orte eine Wetterdienststelle zu unterhalten, wie auch 
durch den Umstand, daß den meisten Lesern. der Karten einstweilen noch die 
nötige Erfahrung fehlt, sie richtig zu deuten. 0 N 
Morgens um 10 Uhr erscheint die „Wetterkarte des. Öffentlichen 
Wetterdienstes“, deren Dienststelle Hamburg der Deutschen Seewarte ange- 
gliedert ist; nachmittags um 3 Uhr der große „Wetterbericht der Deutschen 
Seewarte“, enthaltend für den Zeitpunkt 8 Uhr vormittags eine‘ Luftdruck-, 
Wind- und Bewölkungskarte, eine Lufttemperatur- und Niederschlagskarte sowie 
eine Luftdruckänderungskarte, ferner für die Zeiten 2 Uhr nachmittags, 7 Uhr 
abends des Vortages eine Luftdruck-, Wind- und Bewölkungskarte und eine solche
	        
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