accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

a... 
ax 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1924. 
besonders eingehend befaßte!), erklärt sich freilich auch aus den klimatischen 
Verhältnissen des Landes, Man denke nur an die gewaltige Temperatur veränder- 
lichkeit, an Erscheinungen wie die Hurricans, Tornados u, dgl. — 
In Deutschland hat erst der aus der Not der Zeit geborene Zwang, unter 
allen Umständen denkbar wirtschaftlich zu arbeiten, die Aufmerksamkeit. der 
breitesten Öffentlichkeit auf den Wetterdienst und seine Verwertung im Wirt- 
schaftsleben gelenkt. Zu deutlich hatten sich die Zusammenhänge zwischen 
Wetter und Wirtschaft im Kriege dem einzelnen fühlbar gemacht. Die Folge 
war eine andere Stellungnahme auch zu den Wetternachrichten. Wohl hatte man 
früher an den Postämtern und in den großen Tageszeitungen täglich Wetter- 
karten und Tabellen mit vielen Zahlen gesehen, doch lösten diese bei den meisten 
Beschauern nur billige Witze über Fehlvorhersagen aus und die verwunderte 
Frage: wen interessieren denn eigentlich die Windverhältnisse im Skagerrak, die 
Eismeldungen aus dem Finnischen Busen usw.? Nun aber war eine Erfahrung 
hinzugekommen: erstaunt hatten Millionen des Volksheeres zum ersten Male von 
der Vielseitigkeit der praktischen Verwertung meteorologischer Arbeitsergebnisse 
vernommen, mancher auch wohl selbst einen Einblick in die Berufstätigkeit des 
Meteorologen gewonnen. 
Ruhigere Tage kamen. Der „Handel als Glücksgeschäft“, den die wilden 
Geldwertschwankungen im Gefolge gehabt; trat in den Hintergrund. Aus- und 
inländischer Wettbewerb ließ alten Handelsgeist wieder aufleben, der in klugem 
Ergreifen von Vorteilen, im glücklichen Kombinieren von Zeit, Fracht, Qualität, 
Quantität, in Erwägungen über kommende Erträge, über Zukunftspreise und 
künftige Bedürfnisse seinen Lebensnerv hat?). Und überrascht stellte der Meteorolog 
eine jähe Zunahme der Anliegen um Auskunft über das Wetter fest, eine Er- 
fahrung, die wohl bei allen deutschen Wetterbehörden gemacht worden ist). 
Welcher Art sind die Wünsche? welchen Zwecken dienen sie? 
wie tragen die Deutsche Seewarte und ihre Dienststellen ihnen und 
den allgemeinen Bedürfnissen der Wirtschaftskreise hinsichtlich der 
Versorgung mit Wetternachrichten Rechnung? Die Wünsche und ihre 
Zwecke sind so verschiedenartig, wie die Berufe, aus deren Mitte sie stammen, 
Sie beziehen sich auf vergangenes, gegenwärtiges und kommendes Wetter, auf 
örtliches, Strecken- (Landstraßen, Flüsse, Eisenbahnen) und Flächen-Wetter (Be- 
zirke, Provinzen usw.), auf solches zu einem bestimmten Zeitpunkt oder während 
einer kürzeren oder längeren Frist*), aber auch auf durchschnittliche Witterungs- 
erscheinungen während eines langen Zeitraums mit anderen Worten auf „klima- 
tische“ Verhältnisse, und endlich auf nur ein Wetterelement (Lufttemperatur, 
Regen usw.) oder auf mehrere. Einige Beispiele°) mögen einen Einblick in Art 
und Zweck der Anliegen gewähren. 
Die meisten Anfragen über vergangenes Wetter stehen mit Rechtsstreitig- 
keiten in Verbindung®) Wirtschaftliche Bedeutung gewinnen viele von ihnen 
1) Siehe K. Knoch: „Die Möglichkeit der Abschätzung des Ernteertrages auf Grund meteoro- 
logischer Angaben“ in der Zeitschrift: „Die Naturwissenschaften‘“ 1923, S, 769—776. 
2) Friedrich Naumann: „Neudeutsche Wirtschaftspolitik“, S, 126ff. - 
3, K. Knoch a. a. O0. — Einleitung. 
‘) Dem Umfang der Begriffe „Wetter‘‘ und „Witterung“ entsprechend! siehe H, Zillig: 
NE aus dem Pflanzen- und Tierreich“ i. d. Ztschr. „Das Wetter“, 1919, Heft 3/4 und 
„, Del . 
5) Der verfügbare Raum läßt solche nur in beschränkter Zahl zu. Über die Bedeutung des 
Wetterdienstes für die einzelnen Berufsarten unterrichtet eingehend das Heft „Wie lese und wozu 
gebrauche ich die Wetterkarte?*, bearbeitet im Auftrage der Deutschen Seewarte von der Öffentlichen 
Wetterdienststelle zu Hamburg (Einzelpreis 0.20 4). Folgende Wirtschaftszweige sind eingehender 
behandelt: Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gärtnerei und Obstbau, Geschäfte für den Versand 
frost- und hitzeempfindlicher Waren, Gast- und Schankwirtschaftsbetriebe, Elektrizitäts- und Gas- 
werke, Baugewerbe, Fluß- und Seeschiffahrt, Lade- und Löschbetriebe, Getreide- und Zuekerhandel. 
Bade- und Kurorte, Eisenbahn, Post, Flugwesen, 
; 8) Die Anfragen lassen oft eine erstaunliche Fremdheit dem Gegenstand gegenüber erkennen. 
Nachdrücklich muß daher allen Verwertern des Wetters folgendes Buch empfohlen werden: €, Kassner: 
„Gerichtliche und Verwaltungsmeteorologie“, Das Wetter in der Rechtsprechung für Gerichte 
und Rechtsanwälte, Verwaltungen, Magistrate und Hausbesitzer, Berufsgenossen-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.