Meißner, O.: Säkulare Schwankung des Ostseemittelwassers. .
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und an sich nur ganz Örtliche Bedeutung hat. Bei einer homogenen Beob-
achtungsreihe muß also der Standort des Pegels stets derselbe sein, und z. B.
größere Wasserbauten in seiner Nähe können das Mittelwasser schon merklich
beeinflussen. Nun ist aber tatsächlich das Pegelhäuschen an einem andern Ort
errichtet, und in der engen Trave. — Nichts liegt näher, als den sonst unerklär-
lichen Sprung diesem Umstande zuzuschreiben!
Wenn diese Vermutung richtig ist — und wahrscheinlich ist sie es — wie
oft mögen schon Verlegungen des Pegels, wie sie ja infolge Hafenumbau leicht
nötig werden können, die dem Bearbeiter nicht zur Kenntnis gekommen sind
(und das wird zumal für ältere Zeiten vielfach zutreffen, vgl. auch Seibts
Arbeiten über das Mittelwasser von Travemünde), zu irrigen Schlüssen Anlaß
gegeben haben, weil die Beobachtungsreihe für homogen angesehen wurde, was
sie nicht war! Das mahnt zu großer Vorsicht bei der Bearbeitung alter Reihen
(auch abgesehen von der nach Kühnens Veröffentlichung ziemlich großen Un-
sicherheit der Reduktion täglich einmaliger Beobachtungen auf Tagesmittel‘).
Tabelle 2. Tab, 2 zeigt die Er-
Lt .— gebnisse, zu denen man
1855—1885 | 1891—1920 | 1855—1920 | gelangte, wenn man eine
= der Zeit proportionale Än-
derung des Wasserspiegels
annähme. Es bedeutet W
den Wasserstand, Q den
Quotienten des Abbe-
Helmertschen Kriteri-
ums (der bei Zufallsver-
teilung = 1 ist), k den Kor-
relationsfaktor zwischen
Wasserstand und Zeit, Z
das Zeitglied selbst, das
übrigens mit k in naher
Verbindung steht, endlich
Qa das Q für fortlaufende
15jährige Mittel (das in-
folge der Ausgleichung bei
Zufallsverteilung = V8 =
1.73 sein müßte). Die mitt-
ljeren Fehler der Lustrenmittel sind in der 2. Epoche durchweg kleiner als in der
ersten; Systematische Fehler wird man aber dafür kaum verantwortlich machen
können, sondern im ersten Teile des. Beobachtungszeitraums waren offenbar die
Wasserstände tatsächlich größeren Schwankungen unterworfen als späterhin®).
Daß Q für das Gesamtmittel in Travemünde sehr groß, für die Hälften
klein ist, deutet auf die schon erwähnte Unstetigkeit, Aber dieselbe Erscheinung
zeigt sich, wiewohl in geringerem Maße, bei den beiden anderen Stationen gleichfalls.
Dies muß so sein, wenn die Zeiträume Teile einer langen Periode sind, Ebenso
deutet das starke Abnehmen des Zeitgliedes von der ersten zur zweiten Hälfte
des Zeitraumes darauf hin, daß in der ersten Zeit die Kurve noch anstieg, in
der zweiten Hälfte aber sich einem Maximum näherte. Travemünde fällt dabei
wieder heraus. Aber im allgemeinen deutet die Zerlegung des ganzen Zeit-
raumes in zwei Teile darauf hin, daß trotz des kleinen mittleren Fehlers des
Zeitgliedes im ganzen Zeitraum — wonach man sicher eine Landsenkung für
ceell halten müßte! — eben eher auf eine lange Periode als eine lineare Anderung
anzunehmen ist, Man sieht hier wieder, wie wichtig oft eine Zerlegung des
Gesamtmaterials ist, wie ich bereits früher an anderer Stelle betont habe.
1) Die Ungenauigkeit (Ablesungen. auf ganze oder halbe Zoll!) kommt dabei natürlich auch
in Betracht, aber, weil als zufälliger Fehler wirkend, nicht so stark.
2) Vielleicht darf hier darauf hingewiesen werden, daß es sich bezüglich des Klimas, zumal
der Temperatur, ähnlich verhält. Dieser Paralielismus dürfte kaum zufällig sein. — Vgl. jedoch auch
die letzte Bemerkung bezüglich der Ablesegenauigkeit der älteren Beobachtungen (und die im Text
bemerkte Unsicherheit der Reduktion auf wahre Tagesmilitel!}.