Ann, d, Hydr. usw., LII. Jahrg. (1924), Heft VI.
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Säkulare Schwankung des Ostseemittelwassers.
Von Otto Meißner, Potsdam,
Es ist bekannt und seit langem einwandfrei festgestellt, daß die schwedische
Ostseeküste in langsamer, von Ort zu Ort wechselnder Hebung begriffen ist, und
man nimmt wohl mit Recht an, daß diese Hebung eine Folge der letzten Eiszeit
ist, indem nach nunmehrigem Verschwinden des Eises das isostatische Gleich-
gewicht sich durch Emportauchen des vom Eise entlasteten Festlandes wieder
herzustellen sucht, wobei auch eine Ausdehnung desselben durch Wiederansteigen
der Geoisothermen (die zur Eiszeit ja in der Nähe der Erdoberfläche unter 0°
gelegen haben müssen) wahrscheinlich ist. Auch Finnland scheint sich zu heben.
Während diese Erhebung von Fennoskandia sicher ist, ist man über das
Verhalten der südlichen bis südöstlichen Ostseeküste, also des Abhanges des
uralisch - baltischen Höhenzuges, Lustrenmittel 1855—1920 der Wasserstände
noch nicht im klaren. Früher hatte „m von Travemünde, Swinemünde und Kolberg (Mittel).
man wiederholt eine Senkung +0 -
der deutschen Ostseeküste ange-
nommen, doch erwies sich diese
als nur scheinbar, nämlich zum
größten Teil auf Inhomogenitäten
des zugrundegelegten Pegelnull-
punktes beruhend. Aber immer-
hin fand auch W. Seibt (damals
am Preuß. Geodätisch, Institut) in
seinen sorgfältigen und eingehen-
den Untersuchungen über die
Mittelwasser von Travemünde und
Swinemünde Andeutungen einer
Senkung, deren Realität freilich
dadurch äußerst fraglich wurde, —50 b—mrttensen es ll km]
daß ihr mittlerer Fehler ihren 1855 60 65 70 75 80 85 90 95 1900 05 10 15 20
numerischen Wert um ein mehrfaches überstieg. Westphal!) fand für den Zeit-
raum 1883—1898 keine nachweisbare Änderung; Kühnen!), daß die Wasser-
stände 1899—1910 gegen den vorigen Zeitraum im allgemeinen eine geringe Zu-
nahme aufwiesen,
Nun sind auch noch zwei Bearbeitungen des Kolbergermünder Mittel-
wassers?) erschienen, in deren letzter für diesen Ort von 1806 ab und für andere
Stationen (von etwas späteren Terminen an) Jahrzehntemittel des Wasserstandes
gebildet sind. Das Mittel aller Stationen zeigt einen so regelmäßigen Gang:
Abstieg bis etwa 1850, von da ab starken Anstieg, daß ich mich veranlaßt fühlte,
meine eigenen Untersuchungen über das Mittelwasser von Travemünde, aus denen
ich bis dahin entscheidende Schlüsse zu ziehen gezögert hatte, wieder aufzu-
nehmen und auf Swinemünde und Kolbergermünde zu erweitern,
Ich bin dabei jedoch in etwas anderer Weise vorgegangen. Statt Jahr-
zehnte- habe ich Lustren-, d.h. Jahrfünfte-Mittel gebildet und bin nicht über
das Jahr 1855 hinaus (wo die Travemünder Beobachtungen beginnen) zurück-
gegangen. Mir scheinen nämlich die früheren Mittel noch erheblichen, aber kaum
noch zu ermittelnden systematischen Fehlern unterworfen zu sein.
Aus den auf Normal-Null reduzierten Jahresmittelwassern habe ich zunächst
die Lustrenmittel und daraus ihre Abweichungen vom Gesamtmittelwasser 1855
bis 1920 gebildet. Diese finden sich in Tab. 1. Die mittleren Fehler sind die
eines Einzeljahrgangs, die Differenzen T—5$ usw. sind unmittelbar verständlich,
Alle Zahlen sind in Millimetern angegeben,
1) Veröffentl. des Kgl. Preuß. Geodät. Instituts. Neue Folge Nr. 2 bzw, 70,
2) Anderson, Das Mittelwasser v. Kolbergermünde. Zentralbl.d. Bauverw. 1919(Baurat Musset),.
Ann. d. Hydr. usw. 1924, ‚Heft VI.