10 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1924,
strument bei unsichtigem Wetter seil). Die Wigandsche Formel?) wurde in
sehr verschiedenen Wetterlagen nachgeprüft und gezeigt, daß eine für die See-
fahrt hinreichend genaue Distanzbestimmung bei Nebel, die ja bekanntlich außer-
ordentlichen Täuschungen unterworfen ist, möglich ist. Es ist allerdings nötig,
zunächst einen Punkt bekannter Distanz an Land anzupeilen. Es darf aber
nicht verschwiegen werden, daß für sehr viele Messungen die einzelnen Stufen
viel zu groß sind, es also nur möglich ist, ganze Grade abzulesen. Die guten
Ergebnisse, die Verfasser hatte, um die Distanzbestimmung mit Hilfe des
Wigandschen Apparates zu begründen, wurden dadurch erreicht, daß Verfasser
und Dr. O. Hartleb das gesichtete Ziel durch das fahrende Schiff gleichsam in
die Stufe des Sichtmessers hineinlaufen ließen. Lag der Punkt des
Verschwindens für ein Ziel z. B. zwischen 6 und 7, so wartete Ver-
fasser auf dem Schiff so lange mit der Beobachtung, bis das Ziel ent-
weder in 6 oder in 7 verschwand. Dann erst wurde der Punkt des
Schiffes auf der Karte abgesetzt, wenn der Zielpunkt eine bekannte
Tagesmarke war. .
Die besten Ergebnisse wurden jedoch mit einem Sichtkeil er-
reicht, der dem Verfasser 1922 auf photographischem Wege von der
„Ica“, Dresden, hergestellt wurde?). Er besteht aus einer grauweißen
Schicht von 9 cm Länge und 3 cm Breite (Fig. 1), die von dem glas-
klaren einen Ende bis zum andern regelmäßig dichter wird. Die
Schicht ist grauweiß mit einem Stich ins Gelbliche. Die Sonne er-
scheint durch das dichtere Ende dunkelrot, wie bei einem Sonnen-
untergang %).
Sichtkeil (1:2). Relative Sichtmessungen mit Hilfe dieses Keils lassen sich ohne
weiteres ausführen. Dies geschieht entweder freihändig dadurch, daß
man den Meßkeil in einem bestimmten Abstand etwa in Armlänge oder besser in etwa
25 cm Abstand vor das Auge hält, Dann verschiebt man den Keil vor dem Gegenstand,
z, B. dem Horizont, bis dieser verschwindet, Die Einstellung wird an einer seit-
lichen Zentimeterteilung (0—9 cm) mit dem Daumen abgegriffen, Dies gibt bei
dauernder Übung gute Resultate, wie man leicht bei wiederholter Ablesung fest-
stellen kann (Unterschied !/,9 Einheit). Selbstverständlich muß man Blendungs-
erscheinungen an der dem Auge zugewandten Seite des Keils verhindern. Dies
kann dadurch geschehen, daß man die andere Hand schützend über den Keil
hält. Die Methode erscheint außerordentlich primitiv, ist aber, wie untenstehende
Kurven zeigen mögen, für relative Sichtmessung hinreichend genau. Sie hat
auch den Vorteil, außerordentlich bequem bei Beobachtungen in schwieriger
Lage zu sein, zumeist bei Horizont- oder Feuersichtmessungen auf schwer in
Seegang arbeitenden Schiffen, Selbst ein verhältnismäßig kurzes Rohr macht es
auf See oft kaum möglich, eine bestimmte Richtung festzuhalten. Wer jemals
von Schiff aus versucht hat, z. B. Leuchtfeuer auf ihre Durchdringungsfähigkeit
zu messen, oder spektroskopische Beobachtungen auf See machte, wird dem Ver-
fasser beistimmen, daß große Schwierigkeiten dabei zu überwinden sind.
Trotz der Einfachheit dieser Methode ist Verfasser dazu übergegangen,
den Sichtmesser schutzeshalber in ein Gehäuse einzuschließen, die Blickrichtung
durch ein 24 cm langes Rohr festzulegen und vor allen Dingen den Einstellpunkt
durch Zahn und Trieb mit Zeiger und Skala festzuhalten. So besteht der jetzt
vom Verfasser benutzte Sicehtmesser aus dem Sichtkeil, der in einem Schlitten
1) Über exakte Sichtmessung bei Nebel nach Wigand und ihre nautische Verwertung, Von
Dr. F. Dannmeyer, Hamburg. Sonderabdruck aus Nr. 22 vom 27. Mai 1922 der Schiffahrts-
zeitschrift „Hansa“.
2, A, Wigand, Stufen-Sichtmesser, Physik. Ztschr. 1919, 20, S. 151; Meteorolog. Ztschr.
1919, S. 349; Ann. d. Hydr. usw. 1919, 47. S. 134. — "Theorie der Sichtmessung. Phys, Zitschr.
1922, 23, S. 277.
3) „Opaleszenzschicht‘“ nach Prof. Goldberg.
4) Man kann übrigens ziemlich genau bestimmen, wann die Blendung des Auges durch die
Sonne in diesem Keilfilter aufhört. Gleichzeitige Höhenbestimmungen der Sonne sommer- und winter-
tags ergeben, verbunden mit diesen Sichtmessungen, außerordentlich typische Kurven, von denen später
berichtet werden soll.