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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Dannmeyer, F.: Über relative Sichtmessung durch Stufen- und Keilfilter, 109

mußte Verfasser damals zurücktreten, da diese einmal nicht so typisch absorbieren
wie der Nebel selbst, andererseits unangenehme Haloerscheinungen zeigen.
Verfasser hat dann nach dem Kriege die Sichtmessungen durch Lichtfilter
weiter verfolgt. Durch die Firma Schott und Gen,, Jena, wurden ihm drei Platten
Opaleszenzglas überlassen. Dieses an und für sich für Sichtmessungen gut
brauchbare Glas wurde, wie Dr. O0. Hartleb und der Verfasser auf der Insel
Neuwerk 1921 feststellen konnten, für nicht geeignet befunden, da die übersandte
Probe des Glases nicht dicht genug war. —
Bedeutend genauere Resultate erhielt Verfasser 1910 durch Messungen
mit einem Sichtkeil. Aus Glasplatten wurde ein keilförmiges Gefäß hergestellt,
12 cm lang, 9 cm hoch, mit 3 cm Keilrücken. Dieses wurde mit Wasser gefüllt,
dem eine bestimmte Zahl Tropfen Myrrhentinktur hinzugefügt wurden. Der Keil
wurde willkürlich geeicht. Am. durchsichtigen Ende stand die Zahl Null, am
Keilrücken, also dort, wo infolge der Menge der suspendierten Teilchen die Lichtquellen
 verschwanden, stand die Zahl 12, Hielt man diesen Keil entsprechend
vors Auge, so konnte man durch Abgreifen mit dem Daumen die Stelle der
Skala festhalten, bei der die Lichtquelle im „Nebel“ der suspendierten Teilchen
verschwand,
Der Übergang von der Stufensichtmessung zur Keilsichtmessung hatte den
Vorteil, daß man jetzt Kommagrade messen konnte. Die Ergebnisse wurden bedeutend
 genauer.
Die Brauchbarkeit des beschriebenen Keilsichtmessers wurde hauptsächlich
 bei dem Leuchtfeuer bei Tinsdahl (nahe Blankenese) erprobt, dann aber
zu manchen Messungen auf der Unterelbe und Nordsee weiterhin benutzt. Dieses
Instrument hat aber den unangenehmen Nachteil leichter Zerbrechlichkeit, ein
Nachteil, der bei schwierigen Fahrten, insbesondere bei Übergängen von großen
Dampfern auf kleine Lotsenversetzboote und umgekehrt, bei schwerem Wetter
oft eine ganze Fahrt illusorisch machte.
Nachdem 1912 das Leuchtschiff Elbe I als erstes elektrisches Leuchtfeuer
dieser Art mit gelbem Flammbogenlicht als dem unter schwierigen atmosphärischen
Verhältnissen besten (150%, nebelsichtiger als weißes gleicher Intensität) auf
Grund obiger Versuche gebaut!) und auf Station gelegt worden war, konnte die
ausgezeichnete Sichtigkeit dieses Feuers, wie man sie errechnet hatte, später
durch‘ Beobachtung einwandfrei bestätigt werden.
Da auch am Tage schwere Regenböen, Schneetreiben und Nebel das Leuchtschiff
 schnell verschleiern, wurden 1912 und 1913 wiederum Sichtversuche mit
dem Keilsichtmesser angestellt, d. h. Vergleiche gemacht zwischen der Sichtigkeit
des Leuchtschiffes als solehem (seiner „Nebelsilhouette“) und seinem elektrischen
Flammbogenfeuer. Diese Versuche führten dazu, daß auch bei Tage das Licht
bei atmosphärischen Trübungen gezeigt wird, wie folgende Bemerkung im Leuchtfeuerverzeichnis
 des Reichsverkehrsministeriums, Teil III, zeigt: „Das elektrische,
gelbe Blinkfeuer des Feuerschiffes Elbe I soll zunächst versuchsweise bei Nebel
auch am Tage gezeigt werden, da Versuche ergeben haben, daß das Feuer bei
nebligem Wetter auch am Tage mehrere Seemeilen weiter zu sehen ist als das
Feuerschiff selbst.“
Im Jahre 1921 benutzte Verfasser zu seinen Sichtmessungen den mittlerweile
 von Professor Wigand, Halle, konstruierten Sichtmesser zu nautischen
Zwecken, aber nur für Tagessichtmarken bei diesigem Wetter, da der Sichtmesser
 bei Lichtquellen wegen Halobildung auf kürzere Distanzen versagt. An
der Hand von außerordentlich zahlreichen Beobachtungen wies Verfasser darauf
hin, daß der Stufensichtmesser ein für Distanzmessungen brauchbares Inı)

 Die elektrische Anlage wurde von.den Hanseatischen Siemens-Schuckertwerken ge
yaut, wobei sich Ingenieur Reitz besonders verdient machte, Die Fresnelsche Gürtellinse, die der
Lage der Kohlen entsprechend hauptsächlich nach unten ausgebaut wurde, wurde bei Weule in
Goslar geschliffen. Über das Elbleuchtschiff I, insbesondere über die Versuche, die vor seinem Bau
veranstaltet wurden, seine technische Einrichtung und seine Bewährung wird in diesem Sommer eine
Sonderabhandlung erscheinen.
            
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