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Annalen” der Hydrographie und. Maritimen Meteorologie, Mai 1924
Über relative Sichtmessung durch Stufen- und Keilfilter.
Von Dr. F. Dannmeyer, Hamburg-Großborstel,
Im Jahre 1909 wurde der Verfasser von dem derzeitigen Lotsinspektor
J. Marxen, Cuxhaven, aufgefordert, an den Vorarbeiten für die „Optik“ eines
neuen Leuchtschiffes vor der Elbmündung teilzunehmen. Die Optik des alten
Leuchtschiffes Elbe I war verhältnismäßig einfacher Art gewesen. Petroleum-
lampen, die durch Messingparabolspiegel!) verstärkt waren, wurden durch ein
Uhrwerk in einem polygonalen Gleitrahmen um den Mast gedreht. Ähnliche
Lampen waren seit dem Jahre 1816 an der Unterelbe in Gebrauch gewesen. Sie
waren zunächst mit Spermazeti?), später mit Rüböl und schließlich mit Petroleum
als Brennstoff beschickt. Da das dem Auge gelbrot erscheinende Petroleum-
licht den Nautikern als stark „nebelsichtig“ bekannt ist, war die Hamburger
Marineverwaltung bei diesen einfachen Petroleumfeuern auf den Elbleuchtschiffen
geblieben, obgleich schon 1909 der größte Teil der Feuertürme mit Gasglühlicht-
feuern versehen war, Weil der Seemann sich aber außerdem durch stark weiße
Feuer leicht geblendet fühlt, so daß er die oft schwachen Grünfeuer der Positions-
Jaternen kleiner Schiffe nicht erkennen kann, sollte auf dem neuen Leuchtschiff
vor der Elbmündung eine Lichtquelle erstehen, die bei selbstverständlich größter
Intensität dieselben guten Eigenschaften bei atmosphärisch schwierigen Verhält-
nissen haben sollte, wie die bisher bewährte einfache Petroleumlampe.
Da in der Literatur®) gegenüber der Behauptung, daß gelb-rotes Licht
den Nebel erheblich besser durchdringt als weißes, erhebliche Zweifel zu finden
waren, galt es also zu beweisen, daß ein Leuchtfeuer weißer Färbung mit einem
solchen von gelbroter Farbe mit gleicher Intensität „besser auszumachen“, also
leichter zu erkennen“) bzw. weiter zu sehen sei.
Um das Problem zu lösen, mußte es der Messung zugänglich gemacht
werden. Die ersten Versuche wurden zwischen dem Gasglühlichtfeuer auf der Insel
Neuwerk und der Petroleumoptik von Elbleuchtschiff III, das in der Nähe der
Insel im Elbstrom verankert liegt, angestellt, Dies geschah so, daß die Sicht-
distanzen mit einem Boot abgefahren wurden, d.h. man fuhr so lange, bis bei
diesigem Wetter die Feuer außer Sicht kamen, Beobachtungs- und Umrechnungs-
ergebnisse gaben außerordentlich starke Unterschiede, allerdings zugunsten der
Petroleumoptik, Der Grund lag darin, daß in diesem Falle die Intensitäten
beider Feuer sehr verschieden waren, ebenso ihre Höhe über dem Wasserspiegel
(Elbe III : 13.8 m über Hochwasser, Neuwerk : 38.7 m). Man konnte also homogene
Nebelschichten nicht voraussetzen. Die weiteren Versuche nach dieser Distanz-
methode wurden zwischen Gasglühlicht- und Petroleumlampen am Cuxhavener
Seedeich fortgesetzt. Es ergab sich das Resultat, daß die Petroleumlichtquellen
135—140%, weiter sichtbar waren als die weißen. Dieser Prozentsatz wurde
gelegentlich ganz bedeutend überschritten.
Die beschwerliche Distanzmethode wurde 1910 durch folgendes Verfahren
vereinfacht: Der Nebel wurde im Laboratorium durch hintereinander aufgestellte
Schirme „ersetzt“, die mit feinem durchscheinenden Seidenpapier bespannt wurden.
Die Ergebnisse wurden bedeutend einheitlicher. Der Prozentsatz besserer Nebel-
sicht betrug im Durchschnitt etwa 135%, für Petroleumlicht. Interessant war bei
diesen Versuchen, daß das Seidenpapier bei Kontrollversuchen in freier Atmo-
sphäre insofern dem Nebel glich, als es mehr Rot als Weiß durchließ. Die Schirme
wurden später mit Ölpapier und Pergamentpapier bespannt. Die Untersuchungs-
ergebnisse waren ähnliche. Damit wurden zuerst Lichtfilter zur Sichtmessung
von Lichtquellen benutzt.
Von den Versuchen mit Mattglasscheiben als Lichtfilter bei Lichtquellen
‘) J. T.:Reinke, Über die parabolischen Reflektoren ... Hamburg 1802,
2) A, Stevenson, A rud, treatise , . . on lighthouses. London 1850.
3) Separatabdruck (Referat) aus dem „Centralblatt für Elektrotechnik‘ (1886) S. 380. Man
vergleiche auch: Die Elektrizität an Bord von Schiffen. Von O. Krell. 1914, S. 34.
4) Die physiologisch-psychologischen Probleme werden im folgenden ausgeschaltet,