Benkendorff, R.: Organisation und Arbeiten des Wetterdienstes der Deutschen Seewarte usw. 105
Mittlere und westliche Ostsee: Funkstelle Swinemünde, Welle 600 m, 11h 30m Vm, und 10h 45m Nm,
Inhalt: Windrichtung, Windstärke, Seegang usw, (wie oben) von den Stationen Bülk,
Adlergrund, Skagen und Wisby von Sh Vm. bzw. 7h Nm, Anschließend Luft-
druckverteilung über Europa und Wettervorhersage für die mittlere und west-
N liche Ostsee. — Herausgegeben von der Wetterwarte Swinemünde.
Östliche Ostsee: Funkstelle Pillau, Welle 600 m, 12h 30m Nm.
Inhalt: Windrichtung, Windstärke, Seegang usw. (wie oben) von den Stationen Pillau,
Brüsterort, Memel und Wisby von 8h Vm, Anschließend Luftdruckverteilung
über Europa und Vorhersage für die östliche Ostsee. — Herausgegeben von der
Wetterwarte Königsberg,
Diese „Funkwetter“-Telegramme stehen den genannten Küstenfunkstellen
außerdem zur Abgabe an anfragende Schiffe zur Verfügung, wie auch der Text
des „Funkwetters“ Norddeich täglich an die Küstenfunkstelle Cuxhaven zur Aus-
kunfterteilung geleitet wird. Für die westliche Ostsee sendet zudem die Marine-
funkstelle Swinemünde täglich um 12 Uhr mittags das Ostsee-Hafentelegramm
drahtlos.
Dieser Funkwetterdienst war im letzten Jahre dadurch wesentlich ver-
vollkommnet worden, daß Norddeich und Swinemünde die Berichte im Anschluß
an die funktelegraphische Abgabe drahtlos-telephonisch verbreiteten. Besonders
die funktelephonische Abgabe durch Norddeich war in letzter Zeit, was Reich-
weite und Klarheit der Sprache betrifft, als vollkommen zu bezeichnen. Es ist
deshalb außerordentlich zu bedauern, daß das Reichspostministerium die Ein-
stellung der funktelefonischen Abgabe seit dem 1. April kurzerhand angeordnet
hat. Ihre Bedeutung für die Kleinschiffahrt und die Fischerei ist doch wohl so
groß, daß die Wiederaufnahme dieser Verbreitungsart mit allen Mitteln angestrebt
werden muß. Soviel über die zurzeit bestehende Organisation.
Noch einige Zeilen über die Entwickelungsmöglichkeiten dieses Dienst-
zweiges, Auf Anregungen, die in letzter Zeit an die Seewarte gelangt sind, geht
hervor, daß in der transatlantischen Schiffahrt das Bedürfnis vorhanden ist, den
Funkwetterdienst deutscherseits auf den östlichen atlantischen Ozean auszudehnen,
d. h. einen Überblick über die Wetterlage über ganz Europa und den östlichen
atlantischen Ozean und eine Wettervorhersage für den letzteren zu erhalten.
Vom meteorologischen Standpunkt aus kann diesen Wünschen heute entsprochen
werden, da die Zahl der vom Atlantik eingehenden Dampfer-Wettermeldungen
allmählich im Zunehmen begriffen ist. Auch in funktechnischer Beziehung sind
keine Schwierigkeiten vorhanden, da die Möglichkeit besteht, solche Berichte
entweder durch Nauen z. B. im Anschluß an das Zeitsignal oder durch den neuen,
eigens für den Ozeandienst bestimmten Sender in Norddeich verbreiten zu lassen,
Nur die heute überall im Vordergrund stehende Kostenfrage bedarf noch der
Lösung.
Sie steht auch einem Plan hindernd entgegen, der schon verschiedentlich
Gegenstand der Erörterung gewesen ist: die räumliche Erfassung der über Nord-
und Ostsee liegenden Nebelgebiete. Es war gedacht, durch möglichst zahlreiche,
sich in kurzen Abständen wiederholende Nebelmeldungen von Küstenfunkstellen
und Dampfern an eine Funksammelstelle Nebelgebiete und ihre Veränderung
räumlich festzulegen und der Schiffahrt drahtlos bekanntzumachen. Der be-
deutende Wert solcher Meldungen für die Schiffahrt braucht wohl nicht be-
sonders erörtert zu werden, ist doch der Nebel der größte Feind des Seefahrers,
Eine solche oben nur kurz skizzierte Organisation bedingt aber einen so umfang-
reichen Nachrichtenaustausch, daß die damit verbundenen Kosten bei der augen-
blicklichen Finanzlage der beteiligten Stellen. nicht aufzubringen sind, Doch
sollte der Plan nicht in Vergessenheit geraten,
3. Der Sturmwarnungsdienst,
Dieser Dienst erfordert die besondere Aufmerksamkeit und Sorgfalt des
Wetterdienstes. Während des Krieges zum großen Teil eingestellt, mußte die
umfangreiche Organisation nach dem Waffenstillstand neu aufgebaut werden. Dies
ist trotz der erschwerenden Umstände in verhältnismäßig kurzer Zeit gelungen.
Die vor dem Kriege teils vom Reiche, teils von den Landesregierungen unter-
haltenen Sturmwarnungsstellen wurden im Jahre 1921 insgesamt vom Reiche über-