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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Benkendorff, R.: Organisation und Arbeiten des Wetterdienstes der Deutschen Scewarte usw. 103 
Zustellung der Wetternachrichten nach den Häfen noch den Vorteil ihrer Ver- 
besserung. Kann doch eine mit den Wetterverhältnissen ihres Gebietes ständig 
vertraute Wetterwarte bessere und sicherere Vorhersagen erzielen, als eine weit 
vom Vorhersagegebiet entfernt liegende, die die dort sich abspielenden Witterungs- 
ereignisse nur nach wenigen Meldungen verfolgen und beurteilen kann. 
Folgende Ausführungen sollen nun einen Überblick über die vom Wetter- 
dienst der Seewarte für die Schiffahrt geleisteten Arbeiten geben. Über die 
Tätigkeit der Wetterwarten Königsberg und Swinemünde wird von berufenerer 
Seite später berichtet werden. 
Vier Sonderaufgaben lassen sich aus dem gesamten Aufgabenbereich her- 
ausschälen: 
l, Die Versorgung der deutschen Küsten mit Wetternachrichten, 
2, die Versorgung der auf See befindlichen Schiffe mit Wetternachrichten, 
3. der Sturmwarnungsdienst, 
4. der allgemeine Auskunftsdienst. 
I. Die Versorgung der deutschen Küsten mit Wetternachrichten. 
Die umfangreichste und am gründlichsten bearbeitete Veröffentlichung ist 
der „Wetterbericht der Deutschen Seewarte“. Den europäischen Nachrichtenbezirk 
umfassende Wetterkarten von 2 Uhr und 7 Uhr nachmittags und 8 Uhr vormittags, 
eine von Nordamerika über den Atlantischen Ozean, Europa bis Rußland reichende 
Isobarenkarte von 2 Uhr vormittags, Karten der Temperaturverteilung und der 
Luftdruckänderung, eine eingehend gehaltene Wetterübersicht und Vorhersage, 
gegebenenfalls Sturmwarnungen für die deutschen Küsten sind auf der Vorder- 
seite des Berichtes gegeben. Die Rückseite enthält zahlenmäßig das gesamte 
Beobachtungsmaterial deutscher Stationen, die Meldung einer geeigneten Aus- 
wahl europäischer Küstenstationen und drahtlose Wettermeldungen vom Atlan- 
tischen Ozean. Der Bericht wird in der Steindruckerei der Seewarte gedruckt 
und gelangt täglich um 3 Uhr nachmittags zum Versand an die deutschen Häfen 
und Küstenorte. Für die entfernter liegenden Häfen kommen seine für den 
folgenden Tag bestimmten Vorhersagen jedoch zu spät. Der Bericht wird aber, 
abgesehen von seinem wissenschaftlichen Wert, seiner Ausführlichkeit und seines 
guten Druckes wegen immer seinen Wert als wichtiges Mittel zur Orientierung 
über die Gesamtwetterlage und zur Prüfung älterer Wetterlagen behalten. Bei 
Seeamtsverhandlungen kann er, soweit die Wetterlage zur Beweisführung heran- 
zuziehen ist, immer als Unterlage dienen. 
War es in der Nachkriegszeit nicht möglich, den Wetterbericht früher 
fertigzustellen und zu versenden, so mußte die rechtzeitige Zustellung einer 
Wetterkarte auf anderem Wege angestrebt werden. Es wurde eine sogenannte 
„Schiffswetterkarte“ geschaffen. Sie wird auf Grund der Beobachtungen von 7 Uhr 
nachmittags von Europa im Vervielfältigungsverfahren hergestellt und durch 
eine eigens für die Schiffahrt zugeschnittene Wetterübersicht und durch Vorher- 
sagen für Nord- und Ostsee ergänzt. Bereits um 9.20 Uhr abends ist sie versand- 
fertig und wird, da die Abend- und Nachtzüge zur Beförderung benutzt werden, 
immerhin schon am Morgen, spätestens am Mittag an der Küste eingetroffen 
sein. Eine größere Beschleunigung wird sich nicht mehr erzielen lassen, 
Hiermit ist jedoch den berechtigten Forderungen der Schiffahrt nach 
zeitlich möglichst neuem Wetternachrichtenmaterial noch nicht Genüge getan. 
Selbst die in der Schiffswetterkarte gegebenen Nachrichten sind schon 14 bis 
20 Stunden alt, wenn sie dem Seemann zur Einsicht vorliegen. Eine Verbesserung 
ließ sich nur auf telegraphischem Wege erzielen. Zu diesem Zweck werden so- 
genannte „Hafentelegramme“ herausgegeben. Ihr Inhalt ist folgender: 
L. Luftdruck, Wind, Bewölkung, Temperatur, Seegang von 8 Uhr vormittags 
an den unten angegebenen Stationen. 
Übersicht über die Wetterlage und über Wind und Bewölkung an der 
deutschen Küste. 
Wettervorhersage für den folgenden Tag. 
,
	        
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