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Annalen der Hydrographie und Maritimen Metcorologie, Mai 1924,
gegebene Wetternachrichten für unsere Wirtschaft darstellen, erwächst dem
Rundfunkbetriebe hier eine wichtige Aufgabe.
Wie durch den Nachrichtendienst im einzelnen die verschiedenen Wirt-
schaftskreise mit Nachrichten versorgt werden, darüber wird in besonderen, die
Aufgaben des Wetterdienstes für diese Kreise behandelnden Artikeln berichtet
werden.
Organisation und Arbeiten des Wetterdienstes der Deutschen Seewarte
für Schiffahrt und Fischerei.
Von Dr. Rudolf Benkendorff.
Eine der Aufgaben, die der Deutschen Seewarte bei ihrer Gründung zu-
gewiesen wurde, war die Pflege der Witterungskunde, der Küstenmeteorologie
und des Sturmwarnungswesens. Dieser Aufgabenkreis wurde einer besonderen
Abteilung, der Abt. III, zugewiesen. Eine eingehende Schilderung der seinerzeit
maßgebenden Gedankengänge, wie der Art der Ersteinrichtung dieses Dienst-
zweiges, findet sich im ersten Jahresbericht über die Organisation und Tätigkeit
der Deutschen Seewarte 1875—#78, Archiv Nr. 1, 1878. Die Weiterentwickelung
in den beiden folgenden Jahrzehnten ist aus der im Jahre 1895 in dieser Zeit-
schrift erschienenen Abhandlung „Der Wetterdienst der Deutschen Seewarte“, von
van Bebber, deutlich zu ersehen. Diese Abhandlung zeigt aber schon, wie
außer Schiffahrt und Fischerei andere, für das Binnenland bestimmte Aufgaben
an die Wetterdienstabteilung herantraten, Über die Spanne, die zwischen dieser
Veröffentlichung und der Jetztzeit liegt, eingehend zu berichten, zu schildern,
wie in immer steigendem Maße neben der Weiterentwickelung des Wetterdienstes
für die Schiffahrt neue Aufgaben an ihn herantraten, überschreitet den Rahmen
dieser Ausführungen. Heute hat sich das Auswirkungsgebiet des Wetterdienstes
in ganz bedeutendem und erfreulichem Maße erweitert. Neben der Versorgung
der deutschen Küsten mit Wetternachrichten und -warnungen liegt dem Wetter-
dienst der Seewarte die Beratung der anderen Wirtschaftskreise, Handel, Industrie,
Gewerbe, Verkehrs-, Transportwesen, Flugverkehr usw, in immer steigendem
Maße ob, und so bildet der Schiffahrtswetterdienst einen, allerdings sehr wich-
tigen Teil des heutigen Aufgabenbereiches des Wetterdienstes an der Deutschen
Seewarte,
Dieser Aufgabenbereich erstreckt sich auf die Versorgung der deutschen
Küsten und der auf See befindlichen Schiffe mit den Wetternachrichten, Vorher-
sagen und Warnungen, deren Kenntnis für die Schiffahrt von Bedeutung ist.
Die Zahl der Seeunfälle, die auf das Wetter zurückzuführen sind, möglichst ge-
ring zu halten, ist sein vornehmstes Ziel. Neben ihm bietet aber die Kenntnis
der Wetterverhältnisse der Schiffahrt noch manche Vorteile, die aber alle letzten
Endes auf durch richtige Ausnutzung der Erzeugnisse des Wetterdienstes er-
möglichte rationellere Wirtschaftsführung, Kohlen-, Zeitersparnis usw. hinauslaufen.
Neben der Sorge, seine Veröffentlichungen ständig mit der Entwickelung
wissenschaftlich-meteorologischer Methoden zu verbessern, muß der Wetterdienst
vor allem darauf bedacht sein, dieselben möglichst schnell, den Wetterereignissen
zeitlich weit vorauseilend, und einem möglichst großen Kreise zugänglich zu
machen. Vor dem Kriege konnten die ganzen deutschen Häfen allein von der
Seewarte aus versorgt werden. Die in den Jahren nach dem Kriege auftretenden
Hemmungen im telegraphischen Verkehr und im Eisenbahnbetriebe gewährleisteten
jedoch nicht mehr die rechtzeitige Zustellung an die weiter entfernt liegenden
Ostseehäfen und zwangen zu einer Dezentralisation. Die Aufgaben des Schiffahrts-
wetterdienstes für die mittlere Ostsee (von Leba bis Warnemünde) und für die
ostpreußische Küste wurden den von der Seewarte in den Jahren 1919 und 1920
gegründeten Wetterwarten in Königsberg bzw. Swinemünde übertragen. Der
Seewarte verblieb als Wirkungskreis die Nordsee und die westliche Ostsee (von
Warnemünde bis Flensburg). Die Teilung der Aufgaben bot neben der schnelleren