Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mäi 1924,
Art der Luftdruckänderung in den letzten drei Stunden vor der Beobachtung.
Änderung des Luftdrucks in den letzten drei Stunden vor der Beobachtung in Halb-Millimetern,
Witterungsverlauf seit der letzten Beobachtung.
Sichtweite in Kilometern in 9 Stufenwerten von 0—50 km.
Relative Feuchtigkeit in Stufenwerten von 10 zu 10%.
A, @” Art-der niedrigen und hohen Wolken,
N, Größe der Bedeckung des Himmels mit niedrigen Wolken in !/,o.
N* Größe der Gesamtbedeckung in !/,9.
h* untere Wolkengrenze in 8 Stufenwerten bis 2500 m.
RR, RıR, = Niederschlagsmenge in Millimetern von 7h Nm, bis 8h Vm, bzw. 8b Vm. bis 7b Nm,
MM, mm = Maximum, bzw. Minimum der Lufttemperatur.
S Seegang.
V,* Sichtweite nach See zu, Verschlüsselung wie V,
Z* Zeit, bezeichnend den Beginn des Niederschlags.
Die mit einem * bezeichneten Witterungsdaten sind gegenüber dem alten
internationalen Schlüssel neu hinzugekommen. Das „Wetter zur Zeit der Beob-
achtung“, für das früher nur 5 Ziffern zur Verfügung standen, ist jetzt durch
99 Ziffern sehr eingehend nach Art und Stärke der einzelnen Wettererscheinungen
definiert. Der Witterungsverlauf, früher in drei verschiedenen Schlüsseln ge-
meldet, ist in 9 Ziffern sehr klar und bestimmt gegeben. Auch die Einführung
der Zehntel bei der Bedeckung bedeutet den früher gemeldeten Vierteln gegen-
über eine wesentliche Verfeinerung, die durch die Meldung der Wolkenarten
erst die richtige Bedeutung gewinnt. Die Zusammendrängung der Tendenz des
Luftdruckes in eine Ziffer, Halbmillimeter gegen Zehntel des alten Schlüssels,
ist allerdings nicht als Fortschritt zu bezeichnen. Im allgemeinen muß aber
gesagt werden, daß der neue Schlüssel seiner Reichhaltigkeit und Verfeinerung
wegen einen wesentlichen Fortschritt der alten Schlüsselmethode gegenüber darstellt.
Der eigentliche Nachrichtendienst, die Sammlung der deutschen und
europäischen Wettermeldungen, ist an der Deutschen Seewarte von besonderer
Bedeutung. Als Nachrichtenzentrale des deutschen Wetterdienstes liegt der
Wetterdienstabteilung der Seewarte nicht nur die Sammlung der Wetternach-
richten, sondern auch ihre Wiederverbreitung für Zwecke des internationalen
und des deutschen Wetterdienstes ob. Auch hier hatte der Krieg die Zusammen-
arbeit der Vorkriegsjahre zerstört, und es mußte von neuem aufgebaut werden,
Wenn trotz der einflußlosen Lage sowie der Finanznot Deutschlands nach dem
Kriege dem deutschen Wetterdienst bald wieder ausländische Meldungen zu-
gänglich wurden, so ist das der Einführung der drahtlosen Übermittelung im
Wetternachrichtenwesen zu verdanken, die es uns ermöglichte, ohne Verhand-
lungen und ohne besondere Kosten die drahtlosen Wetterberichte der Länder
Europas abzuhören. Deutschland selbst mußte schon im Februar 1919 auf An-
ordnung der Waffenstillstandskommission mit der drahtlosen Verbreitung seiner
Beobachtungen beginnen. Diese Entwickelung, die Umstellung des Wetternach-
richtenverkehrs auf die drahtlose Telegraphie kann heute im allgemeinen als
abgeschlossen gelten.
Die Sammlung der Wetterbeobachtungen der deutschen Stationen erfolgt
nun teils auf dem Drahtwege, teils drahtlos. Es ist hierbei von dem Gedanken
ausgegangen worden, zwei Nachrichtennetze zu schaffen, die sich überdecken,
so daß im Falle des Versagens des einen immer noch die Meldungen des anderen
Netzes vorliegen. Die drahtlose Übermittelung bot zweifellos den Vorteil, daß
die deutschen Wetterdienststellen, die mit drahtlosem Empfangsgerät ausgerüstet
waren, durch direktes Abhören sehr rechtzeitig, zur gleichen Zeit wie die See-
warte, im Besitz des Nachrichtenmaterials waren. Wenn heute, wie die folgende
Zusammenstellung zeigt, die Zahl der drahtlos meldenden Stationen erheblich
geringer ist als die Zahl der auf dem Drahtwege an die Seewarte gelangenden
Beobachtungen, so ist das darauf zurückzuführen, daß die Verkehrswellen im
Reichsfunkdienst der Post, auf dem dieser Verkehr abgewickelt wird, so nahe
beieinander liegen, daß selbst bei sehr selektivem Empfang die „blind“ gegebenen
Meldungen zu großen Störungen unterliegen. Gegen die Forderung regelmäßigen
Telegrammeingangs auf der Zentralstelle mußten aber die obigen Gesichtspunkte
zurückgestellt werden.