Ann. d. Hydr. usw., LI. Jahrg. (1924), Heft V.
Der Nachrichtendienst
im Rahmen des Wetterdienstes der Deutschen Seewarte.
Von Dr. Rudolf Benkendorff.
Dem Wetterdienst der Deutschen Seewarte liegt, wie jedem Wetterdienst,
die synoptische Methode, die Methode der gleichzeitigen Beobachtung, zugrunde,
Ihr Ziel ist bekanntlich das Herstellen eines Zustandsbildes der bodennahen
Schichten der Atmosphäre in einem bestimmten Augenblick über einem möglichst
weitausgreifenden Gebiet. Zu diesem Zweck werden an einer großen Anzahl
von eigens hierfür ausgewählten Stationen zu bestimmten, international fest-
gesetzten gleichen Zeiten Wetterbeobachtungen und Messungen angestellt. Diese
Zeiten, nämlich 8 Uhr vormittags, 2 Uhr nachmittags und 7 Uhr nachmittags
(alle Zeiten beziehen sich auf mitteleuropäische, bürgerliche Zeit), sind auch
nach dem Kriege die gleichen geblieben. Das Einsetzen regelmäßigen Passagier-
luftverkehrs, dessen Abflugzeiten besonders in den frühen Morgenstunden liegen,
veranlaßten England und Frankreich zur Einführung eines neuen Beobachtungs-
termins, um 2 Uhr vormittags. Zur Ergänzung des durch diese Beobachtungen
gegebenen Witterungsbildes werden auch auf der Deutschen Seewarte um 2 Uhr
vormittags Beobachtungen angestellt, und der gleiche Gedankengang mag auch
das Polnische Meteorologische Institut veranlaßt haben, zu diesem Termin an
drei seiner Stationen beobachten zu lassen. Jedes Land sammelt nun auf einer
Zentralstelle die Beobachtungen seiner Stationen und von dieser werden sie, zu
Sammeltelegrammen zusammengestellt, durch Funkenstationen mit großer Reich-
weite drahtlos zu bestimmten Zeiten zur allgemeinen Kenntnis gebracht,
Die Verschlüsselung dieser Wetterbeobachtungen geschah.vor dem Kriege
nach einem international‘ vereinbarten Schlüssel fünfziffriger Zahlengruppen.
Nach dem Kriege, der eine gänzliche Unterbindung des Wetternachrichten-
austausches zur Folge hatte, stand man mit dem allmählichen Aufleben des
Nachrichtenaustausches hier chaotischen Zuständen gegenüber. Fast jedes Land
benutzte seinen eigenen Schlüssel, meistens Geheimschlüssel der Kriegszeit, die
beibehalten wurden und auf die besonderen Bedürfnisse der einzelnen Länder
zugeschnitten waren. Der Wunsch, die Fortschritte meteorologischer Forschung
für den Wetterdienst nutzbar zu machen und die sich aus der Mannigfaltigkeit
der verschiedenen Verschlüsselungsarten ergebende tote Arbeitsleistung der Um-
schlüsselung zu ersparen, führte aber erst in den Jahren 1921 und 1922 zu inter-
nationalen Besprechungen, aus denen sich allmählich ein neuer, dem Vorkriegs-
schlüssel gegenüber wesentlich verbesserter internationaler Schlüssel heraus-
kristallisierte. Bis auf Bulgarien, Ungarn, Rußland und Frankreich haben ihn
heute alle europäischen Länder eingeführt; die Deutsche Seewarte hat ihn am
1. August 1923 übernommen. Um einen Überblick über die durch ihn dem
Wetterdienst zur Verfügung stehenden Witterungsangaben zu geben, sei er im
folgenden in der für Deutschland gültigen Form kurz angeführt:
Schlüssel zur Verzifferung der Wetterbeobachtungen,
Beobachtung von:
2 Uhr nachts BBBDD FwwTT cbWYVP
3 « vorm. BBBDD FwwTT cbWVP AN,aNh RRmmZ
2 « nachm. BBBDD FwwTT cbWVP AN, aNh
7 BBBDD FwwTT cbWVP AN, aNh R.,R,MMZ
Küstenstationen melden in der 5. Gruppe S, V, statt MM und mm
Die Buchstaben haben folgende Bedeutung:
den auf 0 Grad, Meeresspiegel und Normalschwere reduzierten Barometerstand in Millimetern
and Zehnteln,
DD Windrichtung (00 == Stille, 32 = Nord).
F Windstärke nach der Beaufort-Skala.
WW Wetter zur Zeit der Beobachtung (00 = 99).
TT Lufttemperatur in ganzen Graden Celsius.
Ann. d. Hydr. usw. 1924, Heft V.