Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1924.
der Schallgeschwindigkeit fanden an zwei Tagen im Juli 1919 auf der Reede
von Cherbourg statt. In gerader Linie waren drei Mikrophone (A, B, C) in je
900 m Abstand versenkt. In der Verlängerung ‘dieser Geraden wurden ab-
wechselnd in 1200 m von A bzw. C durch Explosionen Schallwelilen erzeugt.
Aus diesen Messungen, deren Einzelergebnisse sehr gut übereinstimmen, wird
die Schallgeschwindigkeit im Meerwasser (in etwa 10m Tiefe, d.h. bei einem
Wasserdruck von 1 Atmosphäre, bei einer Temperatur von 15°C und einem
Salzgehalt von 832.36 °/g9) zu 1504.15 m (-+- 0.5 m) ermittelt. Die weiteren Er-
örterungen Martis über die Änderung der Zusammendrückbarkeit des Wassers
(und damit der Schallgeschwindigkeit) mit Temperatur, Druck und Salzgehalt
führen — unter Verwertung der Messungen in Cherbourg -— zur Aufstellung
eines handlichen Diagramms, welches die Schallgeschwindigkeit als Funktion
von Tiefe und mittlerer Temperatur der zu messenden Wassersäule darstellt.
Ein Nebendiagramm ergibt den Betrag, um den diese aus Druck und Temperatur
gefundene Geschwindigkeit wegen der Dichte (d. h. .wegen des Salzgehaltes) des
Wassers zu beschicken ist. Für angemessene Zuverlässigkeit der so ermittelten
Schallgeschwindigkeit bürgt Marti ausdrücklich nur für solche hydrographische
Verhältnisse, die denjenigen der Messungen in Cherbourg ähnlich sind.
Die Unterlagen für die Zusammendrückbarkeit des Wassers hat Marti
aus dem „Recueil des constantes physiques“ von Abraham und Sacerdote
entnommen. Diese Sammlung ist dem Verfasser nicht zugänglich gewesen, des-
gleichen nicht eine Studie von Jacob über „Detonations sous Veau“ (Bd. XXXII
des Mömorial de Vartillerie de la marine), auf die sich Marti bezieht. Es ist
aber wohl als durchaus sicher anzunehmen, daß bei den französischen Unter-
suchungen die Arbeiten V. W. Ekmans über die Zusammendrückbarkeit des
Meerwassers!) und des gleichen Verfassers „Tabellen für Meerwasser unter
Druck“2), welche die Grundlage der hydrographischen Tabellen von Bjerknes
bilden, nicht berücksichtigt worden sind. Die folgenden Ausführungen und die
Tabellen A, B, C, D und V haben den Zweck, diese eingehenden Arbeiten
Ekmans, welche frühere einschlägige Untersuchungen, vor allem die von Tait,
an Genauigkeit ganz offenbar um ein Mehrfaches übertreffen, mit angemessener
Genauigkeit und leidlich handlich für die akustische Tiefenmessung nutzbar zu
machen. ;
Für die Schallgeschwindigkeit V in einer Flüssigkeit gilt die Beziehung
VL 1
Yazs’ (1)
wo wu den Kompressionskoeffizienten, s die Masse der Volumeneinheit (d. i. die
Massendichte) der Flüssigkeit bezeichnet. In Gleichung (1) wie auch in den
Tabellen ist u auf den Ueberdruck von 1 Bar (1 Bar = 10% C, G. S.-Einheiten ==
0.9878 Atmosphären) bezogen. Die Berechnung von V in m/sec mit Hilfe der
Gleichung (1) möge folgendes Beispiel zeigen: Für eine Wassersäule sei der
Kompressionskoeffizient zu 4356 X 10°, die mittlere Dichte zu 1.0302 bestimmt
worden, dann ist
V 106.108 ] 105
V= "4856: 1.0802 cm/sec = "06.1015 sec = 1493 m/sec,
Es soll u.108=m gesetzt werden (im vorstehenden Beispiel ist also m = 4356);
dann ist die Form der Gleichung (1) für die praktische Rechnung
; 105
V= —_ m/sec. (2)
Yın-s .
Zur Feststellung der für m und s wünschenswerten Genauigkeit sei noch
einmal auf Gleichung (1) zurückgegriffen. Aus dieser folgt leicht
aV öm ‚08
AV LA)
(3)
» Publications de circonstance du conseil permament pour l’exploration de la mer. Nr. 43,
Kopenhagen 1908. (Im folgenden als „Ekman I“ bezeichnet). .
2) Ebenda, Nr. 49, Kopenhagen 1910. (Im folgenden als „Ekman II“ bezeichnet.)