Maurer, H.: Über Echolotungen der nordamerikanischen Marine,
f) Unsicherheit der Drahttiefen. Andererseits bleibt aber auch zu berück-
sichtigen, daß bei Drahtlotungen eine gewisse Wahrscheinlichkeit zu großer
Tiefenangaben vorliegt. Die Hauptunsicherheit entsteht hier dadurch, daß der
Lotdraht im allgemeinen nicht auf und nieder steht, sondern vielfach große
Abgangswinkel gegen die Vertikale aufweist und eine Kurve von unbekannter
Gestalt bildet. Wertvoll für dies Problem waren die Untersuchungen auf dem
deutschen Vermessungsschiff „Planet“!) wo auf Tiefen zwischen 700 und 1200 m
ein Tiefseemanometer mitgegeben und bei verschiedenem Manövrieren des Schiffes
festgestellt wurde, wieviel größer die ausgelaufene Lotdrahtlitze (3 mm Durch-
messer) war als die Manometertiefe. Die Unterschiede lagen (wenn man die
Litzendicken-Korrektion berücksichtigt) bei Abgangswinkeln von 7° bis 59° zwischen
19%, und 14,6 °/, der Drahttiefe.
Herr Professor de Marchi?) macht darauf aufmerksam, daß bei dünnem
Lotdraht die Fehler noch größer als bei der dicken Litze sein müssen, da der
Wasserwiderstand sich nur im Verhältnis des Radius verkleinert, das Gewicht
der Längeneinheit Draht aber im quadratischen Verhältnis. De Marchi leitet
bei gleichmäßigem Auslaufen des Drahtes von 0.9 mm Durchmesser und Verwendung
eines schmalen zylindrischen Lotes für die Lotdrahtkurve eine nach unten hohle
Parabel mit wagrechter Achse theoretisch ab, und gibt nach ihr eine Formel,
wonach die Drahtlängen bei 30° Abgangswinkel 5°%,, bei 40° Abgangswinkel um
10%, größer als die Tiefen sein sollen.
Wohl wird es möglich sein, durch geschicktes Manövrieren den Lotdraht
30 nahe an der Senkrechten zu halten, daß die Drahtlänge ohne. Verbesserung
gleich der Tiefe gesetzt werden darf. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß
bei allen in unseren Karten angegebenen Tiefen, die in der Regel unverbesserte
Drahtlängen sein werden, immer diese Sorgfalt gewaltet hat. Im Durchschnitt
werden sie wohl etwas zu groß sein,
So mag der in Tabelle 7 gegebene mittlere Unterschied von
4% bis 5%, zwischen Echolottiefen und Drahttiefen wohl etwa zur
Hälfte Fehler der Echolottiefen infolge falscher Schallgeschwindig-
keit, zur anderen Hälfte Fehler der Drahttiefen wegen geneigten und
gekrümmten Lotdrahtes sein. Sehr zu wünschen wäre ein syste-
matischer praktischer Vergleich beider Lotmethoden,
Mit dem Echolot kann leicht eine Gegend festgestellt werden, wo die Tiefe
so gleichmäßig ist, daß kleine räumliche Verschiebungen keinen Unterschied
machen. Dort wird mit dem Draht gelotet, der sorgfältigst senkrecht gehalten
wird, und die Vertikalverteilung von Temperatur und Salzgehalt bestimmt,
während gleichzeitige Echolotungen in großer Zahl gemacht werden. Dann wird
die richtige Schallgeschwindigkeit berechnet und die nach ihr sich ergebende
Echolottiefe mit der Drahttiefe verglichen. Eine zweite solche Lotung, bei der
ein größerer Abgangswinkel des Lotdrahtes herbeigeführt wird, an gleicher Stelle,
macht die Fehler der Lotdrahtmethode klar. An einem anderen‘ Ort mit sehr
stark geneigtem Meeresboden (z. B. an den oben genannten Stellen der kali-
fornischen Küstengewässer) würde bei möglichst sorgfältiger Drahtlotung sich
der hier auftretende Fehler der Echolotmethode praktisch zeigen.
Gerade bei der ungeheuren Bedeutung, die die Echolotmethode für die
Ozeanographie zweifellos hat, erscheint eine Untersuchung über die mit ihr
erreichbare Genauigkeit dringend erwünscht,
Nachschrift. Nach Abschluß vorstehender Arbeit wurden mir die Hydro-
graphischen Tabellen von V. Bjerknes®) bekannt. Ich habe auch nach diesem
Material Werte von 0, x, v und m berechnet. Den Rechnungsgang verdeutlicht
folgendes Beispiel: Zum Druck 150 Atm = 150 - 10.1225 = 1518.4 Dezibar ergibt
1) Forschungsreise S. M. 8. „Planet“ 1906/07. Herausgegeben vom Reichs-Marine-Amt, IIL.Bd.,,
Berlin 1909,
2) L. de Marchi, Teoria degli seandagli d’alto mare. AR. comitato talassografico italiano
Memoria XXXI, Venezia 1913.
3) V. Bjerknes, Dynamische Meteorologie und Hydrographie, I. Teil, Statik der Atmosphäre
und der Hydrosphäre. Braunschweig 1912.