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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 52 (1924)

Maurer, H.: Über Echolotungen der nordamerikanischen Marine, 
f) Unsicherheit der Drahttiefen. Andererseits bleibt aber auch zu berück- 
sichtigen, daß bei Drahtlotungen eine gewisse Wahrscheinlichkeit zu großer 
Tiefenangaben vorliegt. Die Hauptunsicherheit entsteht hier dadurch, daß der 
Lotdraht im allgemeinen nicht auf und nieder steht, sondern vielfach große 
Abgangswinkel gegen die Vertikale aufweist und eine Kurve von unbekannter 
Gestalt bildet. Wertvoll für dies Problem waren die Untersuchungen auf dem 
deutschen Vermessungsschiff „Planet“!) wo auf Tiefen zwischen 700 und 1200 m 
ein Tiefseemanometer mitgegeben und bei verschiedenem Manövrieren des Schiffes 
festgestellt wurde, wieviel größer die ausgelaufene Lotdrahtlitze (3 mm Durch- 
messer) war als die Manometertiefe. Die Unterschiede lagen (wenn man die 
Litzendicken-Korrektion berücksichtigt) bei Abgangswinkeln von 7° bis 59° zwischen 
19%, und 14,6 °/, der Drahttiefe. 
Herr Professor de Marchi?) macht darauf aufmerksam, daß bei dünnem 
Lotdraht die Fehler noch größer als bei der dicken Litze sein müssen, da der 
Wasserwiderstand sich nur im Verhältnis des Radius verkleinert, das Gewicht 
der Längeneinheit Draht aber im quadratischen Verhältnis. De Marchi leitet 
bei gleichmäßigem Auslaufen des Drahtes von 0.9 mm Durchmesser und Verwendung 
eines schmalen zylindrischen Lotes für die Lotdrahtkurve eine nach unten hohle 
Parabel mit wagrechter Achse theoretisch ab, und gibt nach ihr eine Formel, 
wonach die Drahtlängen bei 30° Abgangswinkel 5°%,, bei 40° Abgangswinkel um 
10%, größer als die Tiefen sein sollen. 
Wohl wird es möglich sein, durch geschicktes Manövrieren den Lotdraht 
30 nahe an der Senkrechten zu halten, daß die Drahtlänge ohne. Verbesserung 
gleich der Tiefe gesetzt werden darf. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß 
bei allen in unseren Karten angegebenen Tiefen, die in der Regel unverbesserte 
Drahtlängen sein werden, immer diese Sorgfalt gewaltet hat. Im Durchschnitt 
werden sie wohl etwas zu groß sein, 
So mag der in Tabelle 7 gegebene mittlere Unterschied von 
4% bis 5%, zwischen Echolottiefen und Drahttiefen wohl etwa zur 
Hälfte Fehler der Echolottiefen infolge falscher Schallgeschwindig- 
keit, zur anderen Hälfte Fehler der Drahttiefen wegen geneigten und 
gekrümmten Lotdrahtes sein. Sehr zu wünschen wäre ein syste- 
matischer praktischer Vergleich beider Lotmethoden, 
Mit dem Echolot kann leicht eine Gegend festgestellt werden, wo die Tiefe 
so gleichmäßig ist, daß kleine räumliche Verschiebungen keinen Unterschied 
machen. Dort wird mit dem Draht gelotet, der sorgfältigst senkrecht gehalten 
wird, und die Vertikalverteilung von Temperatur und Salzgehalt bestimmt, 
während gleichzeitige Echolotungen in großer Zahl gemacht werden. Dann wird 
die richtige Schallgeschwindigkeit berechnet und die nach ihr sich ergebende 
Echolottiefe mit der Drahttiefe verglichen. Eine zweite solche Lotung, bei der 
ein größerer Abgangswinkel des Lotdrahtes herbeigeführt wird, an gleicher Stelle, 
macht die Fehler der Lotdrahtmethode klar. An einem anderen‘ Ort mit sehr 
stark geneigtem Meeresboden (z. B. an den oben genannten Stellen der kali- 
fornischen Küstengewässer) würde bei möglichst sorgfältiger Drahtlotung sich 
der hier auftretende Fehler der Echolotmethode praktisch zeigen. 
Gerade bei der ungeheuren Bedeutung, die die Echolotmethode für die 
Ozeanographie zweifellos hat, erscheint eine Untersuchung über die mit ihr 
erreichbare Genauigkeit dringend erwünscht, 
Nachschrift. Nach Abschluß vorstehender Arbeit wurden mir die Hydro- 
graphischen Tabellen von V. Bjerknes®) bekannt. Ich habe auch nach diesem 
Material Werte von 0, x, v und m berechnet. Den Rechnungsgang verdeutlicht 
folgendes Beispiel: Zum Druck 150 Atm = 150 - 10.1225 = 1518.4 Dezibar ergibt 
1) Forschungsreise S. M. 8. „Planet“ 1906/07. Herausgegeben vom Reichs-Marine-Amt, IIL.Bd.,, 
Berlin 1909, 
2) L. de Marchi, Teoria degli seandagli d’alto mare. AR. comitato talassografico italiano 
Memoria XXXI, Venezia 1913. 
3) V. Bjerknes, Dynamische Meteorologie und Hydrographie, I. Teil, Statik der Atmosphäre 
und der Hydrosphäre. Braunschweig 1912.
	        
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