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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1923, 
der Windgeschwindigkeit, auch der Vertikalkomponente, in kurzer Zeit bis zu 
1, m/sec ansteigen können“. Erstrecken sich die Untersuchungen auf große Ge- 
biete, so wird ein Mittelwert erhalten, der naturgemäß viel niedriger sein muß, 
Interessant ist, daß schon Hergesell noch durch die Versuche an Pilotballons 
viel kleinere Zahlen erhielt, als er eine typische Föhnlage untersuchte. Aus 
seinen Ergebnissen vom 20. September 1913 folgt, wenn man die Mächtigkeit der 
untersuchten Atmosphärenschichten bei der Mittelbildung berücksichtigt, ein 
mittlerer Wert der Vertikalgeschwindigkeit von — 10.05 em/sec. In ihren Ver- 
hältnissen noch näherliegend sind für uns die Untersuchungen von V. Bjerknes 
in seiner dynamischen Meteorologie, Es ergeben sich nach seinen Karten für 
die erzwungene Vertikalgeschwindigkeit am Erdboden Werte bis zu 20 cm/sec, 
im Mittel etwa 2 em/sec, für die freie Vertikalbewegung solche bis 14 cm/sec in 
1000 m Höhe (in der etwa unsere Inversionen liegen). Wir sehen, daß die von 
uns gefundenen Werte im allgemeinen niedriger sind; dies darf uns nicht wundern, 
weil wir ja unsere Untersuchungen nur auf stabile Wetterlagen ausdehnen konnten, 
bei denen die allgemeine Windbewegung eine relativ schwache ist. 
4. Neigungswinkel. W. Georgii hat als erster quantitativ die Neigung 
derInversionsfläche untersucht auf Grund der bekannten Gleichung von Margules‘'): 
iga= —6 IT — Tl 
Tı—T 
Direkt beobachtete und nach dieser Gleichung errechnete Neigung sind mit- 
einander zu vergleichen, ; . 
Um die direkt beobachtete Neigung zu erhalten, wurden bisher Vergleichs- 
stationen gewählt; ihr Abstand und die Differenz der Inversionshöhenlage ergab 
den Winkel x, wobei noch der Winkel zu berücksichtigen war, den die Ver- 
bindungslinie der Stationen mit dem Gefälle der Fläche einschloß (Clössner). 
Erheblich rascher und vollständiger gelangt man zum Ziel durch graphische 
Differentiation der Isohypsenkarte nach den Normalen zu den Isohypsen, Die 
graphische Konstruktion, die etwa 10 Minuten in Anspruch nimmt, liefert für 
jeden Punkt des Feldes den Wert von tg @ = Te Auf Karte 1 ist dies für den 
6. Februar 1918 durchgeführt. Die dort angeschriebenen Zahlen sind mit 107% 
zu multiplizieren, 
Zur Bestimmung von @ aus den Werten von v und T ist auch das graphische 
Verfahren dem rechnerischen vorzuziehen, da es rascher zum Ziel führt und eine 
bessere Kritik der Beobachtungen erlaubt, Führen wir in obige Gleichung den 
Temperatursprung AT = T, — T, und den Windsprung 4v = v,—V‚, ein, so 
wird: tg a = e{T, Zn — } Man hat danach aus den bereits vorliegenden Auf- 
stiegen (vgl. S. 81) die Werte für Av und AT zu entnehmen und die Karten hier- 
zu zu zeichnen. Dabei bedeutet v entsprechend der Margulesschen Gleichung 
nur die Windkomponente parallel zu den Isohypsen. Da es genügt, für T, einen 
Mittelwert über die ganze Karte zu nehmen, so wird durch ein einziges graphisches 
Verfahren das Feld Ta gewonnen, Subtrahiert man graphisch davon v, und 
multipliziert mit der Konstanten c = 2 w@-sin @ (@ Mittelwert), so ist tg @ durch 
drei graphische Operationen gefunden, Ar 
Nun zeigen die Untersuchungen, daß v, gegen T, = vernachlässigt werden 
kann. Ist danach in Annäherung tg a@ == CT, nd so kann tg @ durch eine 
einzige graphische Operation aus den Feldern Av und AT gewonnen werden. 
Selbst bei sehr exakten Untersuchungen ist es besser, zunächst tg x auf diese 
Weise zu suchen und erst nachträglich für die kleinen Gebiete, in denen 4v so 
klein ist, daß der Faktor v, gegenüber T, A in Frage kommt, die genauere Kon- 
struktion durchzuführen. ; 
An dem Beispiel des 6. Februar 1918 wollen wir das Verfahren näher er- 
läutern. Die Beobachtungen für diesen Tag sind in folgender Tabelle gegeben: 
1) Val. F. M. Exner, Dynam. Meteorol. 1917, S. 154ff,
	        
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